"Jede Abtreibung ist eine Wunde"

(KAP) "Jede Abtreibung ist eine Wunde für die betroffene Frau und für die Gesellschaft." Das hat Bischof Klaus Küng in einem Interview für die Tageszeitung "Die Presse" bekräftigt. Er habe seit Jahren den Eindruck, so Küng, dass es nahezu verboten sei, über Abtreibung zu sprechen: "Jede Erwähnung ruft fast eine Panikreaktion hervor mit dem Tenor: Die Fristenlösung ist ein Dogma". Er wolle aber "Anwalt der Kinder" sein, bekräftigte Küng, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für Familienfragen zuständig ist. Jedes Kind, das empfangen wurde, sei einmalig und ein "Projekt Gottes". Seine Erfahrung zeige ihm, so Küng, dass die Frauen in einer Notsituation allein gelassen würden. Deshalb brauche es endlich jene flankierenden Maßnahmen, die schon Bruno Kreisky versprochen hat: die Trennung von abtreibendem und beratendem Arzt sowie das Einräumen einer Dreitagefrist wie in Deutschland zur Vermeidung von Panikreaktionen.


Dringenden Handlungsbedarf gebe es auch bei der pränatalen Diagnostik. Küng: "Wenn eine Familie erfährt, dass Verdacht auf Missbildung beim ungeborenen Kind besteht, dann gerät sie in eine dramatische Entscheidungssituation. In Österreich ist Abtreibung im Falle des bloßen Verdachtes bis zum neunten Monat straffrei. Das ist furchtbar."


Wenn Partner Druck ausüben, ein Kind nicht zu bekommen, sollte das Sanktionen nach sich ziehen, forderte der Bischof weiter. Kritik übte er auch an Eltern oder Arbeitgeber, die Druck auf Frauen ausüben.


Wie Bischof Küng sagte, müsse das "Ja zu Kindern" in der Gesellschaft stärker gefördert werden. Ein neues Denken sei nötig: "Geld, Wohlstand, Karriere bringen nicht immer die Erfüllung. Jedes Kind ist ein Schatz - natürlich auch für die Gesellschaft. Wir brauchen Persönlichkeiten, die verantwortungsbewusst und fähig zu Solidarität sind. Das lernt man in der Familie mit Kindern. Dazu muss es auch vernünftige Rahmenbedingungen geben. Es geht um Anerkennung der Kindererziehung - im Sinne eines Müttergehaltes, auch wenn ich diesen Begriff nicht schätze."


Kinderbetreuungsgeld und einkommensabhängiges Karenzgeld würden in die richtige Richtung gehen, allerdings fehle ihm noch die gezielte Förderung der Familie "mit ihrem stabilen Charakter auf Grundlage der Ehe", so Küng. Kinder bräuchten für das Reifen ihrer Persönlichkeit Mutter und Vater. Das liege auch im größten Interesse des Staates. Natürlich dürfe dabei aber auch nicht auf die Not der Alleinerzieher vergessen werden, mahnte der Bischof.