„Ich preise die Vielfalt“

Sich „in respektvoller Neugierde annehmen“ und „aneinander neue Seiten des christlichen Glaubens entdecken“ – dazu lud Altbischof Herwig Sturm die Teilnehmer des Studientages des ökumenischen Arbeitskreises NÖ West im Bildungshaus St. Hippolyt ein. Nach den Einführungsvorträgen von Bischof Sturm und Rektor Michael Wagner vom Propädeutikum Horn zum Thema „Der Pfarrer und die Pfarrerin“ kam es in der Podiumsdiskussion zu einem lebhaften Austausch über Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Amtsverständnis der verschiedenen Kirchen.
Der evangelisch-methodistische Superintendent Lothar Pöll warnte vor zu verkrampfter „Vereinheitlichung“, indem er bekannte: „Ich preise die Vielfalt. Wir können die Vielfalt stehen lassen.“ Die altkatholische Pastoralassistentin Christine Freihsl schilderte den steinigen Weg der verschiedenen altkatholischen Synoden, bis in den 80er- und 90er-Jahren Frauen erst zu Diakoninnen und dann zu Priesterinnen geweiht werden durften.


Die evangelische Pfarrerin Seniorin Birgit Schiller aus Horn lud dazu ein, „unkompliziert“ aufeinander zuzugehen und schilderte Beispiele praktischer Ökumene aus dem Waldviertel. Auch Altbischof Sturm machte am Beispiel der „Leuenberger Erklärung“, in welcher die Jahrhunderte lang getrennten reformierten und protestantischen Kirchen wieder zueinander gefunden hätten, den Anwesenden Mut, ökumenische Gräben zu überwinden.


Rektor Josef Kreiml von der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten betonte, dass in der Ökumene „Orthodoxe und Katholiken nicht nur sture Störenfriede sind“. Für den Katholiken sei etwa die gemeinsame Eucharistiefeier „nicht ein Mittel auf dem Weg, sondern eine Frucht der vollzogenen Einheit“.