Hinschauen und Zuhören

Zum „Hinschauen und Zuhören“ luden die Mitarbeiterin und die Mitarbeiter des Emmaus-Wohnheimes Kalvarienberg zum 20-jährigen Bestehen ihres Hauses in St. Pölten ein. „Hinschauen auf die Not der Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben“, wie Hausleiter Walter Steindl bei einer Feier am 13. März erklärte. „Zuhören, welche Schicksale hinter jenen stehen, die hier Zuflucht suchen.“ Als Gratulanten stellten sich unter anderen Prälat Johannes Oppolzer, ein Unterstützer der ersten Stunde, und Gemeinderat Mag. Andreas Fiala als Vertreter der Stadt St. Pölten ein. Altbürgermeister Willi Gruber zählte ebenfalls zu den wichtigsten Förderern in der Gründungszeit.
Das Problem der Obdachlosigkeit werde vielfach unterschätzt, betonte DSA Steindl. Auch zwei Jahrzehnte nach Eröffnung sei der Bedarf nicht geringer geworden. Ganz bewusst wurde an einem „Freitag, dem 13.“ an der Adresse Kalvarienberg 1 „gefeiert“: „Weil hier ein Haus steht für jene, die im Leben überdurchschnittlich viel Pech gehabt hatten und doch irgendwann mit etwas Glück hierher fanden“, so Steindl. Er sei jedoch immer wieder „beeindruckt, wie viel Lebenswillen und Optimismus diese Menschen haben, obwohl sie sehr viel Schweres hinter sich haben“. Obmann der Emmaus-Gemeinschaft, Dipl. Ing. Franz Angerer, ergänzte: „Auch die Gäste bringen etwas Wertvolles mit in das Haus und tragen so zum Wachstum bei.“


Das Haus Kalvarienberg hat sich seit 1989 von einer „Notschlafstelle mit Wärmestube“ schrittweise zu einem Wohnheim mit Tageszentrum gewandelt. Genau 1.583 verschiedene Personen wohnten bisher mehr oder weniger lang als Gäste im Haus. Die meisten bleiben ein paar Wochen, manche bis zu einem halben Jahr, einige kehren auch immer wieder zurück. „Die Nachfrage ist groß und selten bleibt ein Bett für mehr als eine Woche unbelegt“, sagte Steindl und meinte weiter: „Wir bereiten uns auf die Folgen des Konjunkturabschwungs vor. Die Zahl der Arbeits- und Wohnungslosen wird steigen.“


Das Haus Kalvarienberg ist Teil des „Emmaus-Stufenmodells“ zur Reintegration von Arbeits- und Wohnungslosen. Auf der ersten Stufe geht es darum, die Grundbedürfnisse obdachloser Menschen – wie warmes Essen, Unterkunft, Körperpflege und frische Kleidung – zu befriedigen. Dies geschieht auch im Tageszentrum Kalvarienberg. Wer an seiner Lebenssituation aktiv etwas verändern möchte und sich diesbezüglich konkret bemüht, kann auf die zweite Stufe wechseln: für Männer das Wohnheim Kalvarienberg. Hier wird außer der Bereitschaft, sich zu verändern, auch Mithilfe bei Diensten im Haus verlangt. Eine dritte Stufe bildet das betreute Wohnen.


Foto:Hausleiter Walter Steindl und Werner Pipan, der erste Leiter des Hauses in der „Pionierphase“


Emmaus-Gemeinschaft