„Habe Land und Leute lieb gewonnen“

Am 28. November 2004 wurde Bischof Klaus Küng im Dom zu St. Pölten in sein Amt eingeführt. Am 7. Oktober war er zum Diözesanbischof von St. Pölten ernannt worden. Nach fünf Jahren blickt Bischof Küng in einem Gespräch mit Journalisten auf diese fünf Jahre seines Wirkens in St. Pölten zurück. Nach den Ereignissen im Priesterseminar 2004 hat Bischof Klaus Küng einen völligen Neuanfang in der Diözese angekündigt. Im Jahr 2005 hat Bischof Küng mit dem späteren Weihbischof Anton Leichtfried als neuen Regens einen Neuanfang im Priesterseminar gesetzt. Diözesanweit begann ein Erneuerungsprozess. In Zukunftskonferenzen berieten Dechantenkonferenz, Priesterrat, Pastoralrat und Laien aus den Pfarren den künftigen Weg der Diözese. Inzwischen ist dieser Prozess in vollem Gang: Dekanate wurden neu geordnet, Pfarrverbände sollen die Zusammenarbeit kleinerer Pfarren stärken und neue Initiativen, vor allem im Bereich Familie, wurden gesetzt.
„Ein wahrer Aufbruch wird nur gelingen, wenn er von allen vollzogen wird“, schreibt der Bischof in seinem Beitrag im neuesten Diözesanjahrbuch und unterstreicht, dass eine echte Erneuerung bei jedem Einzelnen beginnen muss.


Frühstück mit Journalisten


Bei einem Frühstück mit Journalisten am 25. November resümierte Bischof Küng seine bisherige Amtszeit. „Fünf Jahre sind eine lange, aber auch ein kurze Zeit“, sagte er im Gespräch. Für Heimweh nach Vorarlberg hatte er keine Zeit. In seiner neuen Diözese sei „eine echte Beziehung entstanden, in der ich Land und Leute lieb gewonnen habe“. Er selbst, so der Bischof, sehe sich in den vergangenen Jahren in seinen Bemühungen auch „als Brücke zwischen den verschiedenen Gruppen“: „Wir befinden uns in einem Heilungsprozess, der noch nicht abgeschlossen ist“.
Der Weg der Kirche sei wie eine breite Straße, auf der sich mancher mehr rechts oder mehr links bewegen könne. Dennoch gebe es auf beiden Seiten Randsteine, die zu beachten seien.


Große Änderungen stehen bevor


Mit Hinweis auf den derzeit laufenden Erneuerungsprozess sagte Küng, dass eine gute Analyse vorliege und nun die „mühsame Kleinarbeit“ beginne. Auch bei den Pfarren und Pfarrverbänden stehe man noch „vor ganz großen Änderungen“. Insgesamt sei aber ein gutes Gesprächsklima entstanden und eine Situation, die mit anderen Diözesen Mitteleuropas vergleichbar sei. Positiv überrascht sei er über die zunehmende Anteilnahme vieler Menschen am kirchlichen Leben und die beachtlichen Bemühungen vieler kirchlich Engagierter um den Glauben.


Neue Arten der Seelsorge


Die aktuelle Situation aufgrund der Leistungs- und Konsumgesellschaft sei für die Diözese „eine riesige Herausforderung“, die auch einer neuen Konzeption der Seelsorge bedürfe, sagte der Bischof. „Es wird neue Arten der Seelsorge über die Pfarrseelsorge hinaus geben“. Wenn die Kirche auch weiterhin territorial konzipiert sein wird, müsse sie heute dennoch großräumiger agieren. So würden Klöster und andere geistige Zentren, wie etwa Wallfahrtsorte, an Bedeutung gewinnen. Denn, so der Bischof, „Menschen suchen zunehmend eine geistige Heimat“. In diesem Zusammenhang verwies Bischof Küng auf den Abschluss der Renovierung des Wallfahrtsortes Maria Taferl, der im kommenden Jahr sein 350-Jahr-Jubiläum feiern wird.


Sorge um Priester


Eine große Sorge bereite der Priestermangel, den Bischof Küng letztlich auf einen „Gläubigenmangel“ zurückführt. Immer weniger Familien hätten genügend Kinder, wies er hin. Die Lebensausrichtung vieler Familien sei so, dass Kinder darin keinen Platz mehr hätten. Dennoch wachse dahinter bei vielen eine Unzufriedenheit und Sehnsucht nach einem anderen Leben. „Christentum ist gerade für jene Menschen da, die Probleme haben“, unterstrich der Bischof.
Die politische Entscheidung, dass homosexuellen Paaren eine eingetragene Partnerschaft gewährt werde, sei für ihn eine Fehlentscheidung. „Bei allem Respekt vor Personen, die eine homosexuelle Neigung haben, hat der Staat aber die Aufgabe, der Familie die nötige Sicherstellung zu geben, die sie für die Erfüllung ihrer Aufgaben braucht“, sagte Bischof Küng und ergänzte: „Die Grundlage einer jeden Gesellschaft sind nun mal die Kinder“.