Glockenguss und Messweinkost

Auch am zweiten Tag der Gloria-Kirchenfachmesse im VAZ St. Pölten wechselten interessante Vorträge, unter anderem von Prälat Oppolzer und Bischof Bünker mit Events wie dem Glockenguss und der Messweinverkostung ab. Viele Besucher waren auch an diesem Tag unterwegs. „In Gottes Namen gießen wir“, so Rudolf Perner beim Höhepunkt der Glockenproduktion, dem Guss bei der Gloria in St. Pölten. Zahlreiche Menschen konnten dieses eher seltene Ereignis live miterleben. Mit 1.100 Grad Celsius fließt das flüssige Erz minutenlang in die Form. „In diesem Moment entscheidet sich, ob das Werk gelingt oder nicht“, sagt Perner. Traditionell wird eine Glocke am Freitag in Erinnerung an die Todesstunde Jesu gegossen. „Eine Tradition, an die wir uns halten“, so der Glockengießer. Wochenlang wurde an der Form aus Lehm gebaut. Einen Monat lang wird die Glocke langsam auskühlen, ehe sie aus der Tonform geschlagen wird. Und in einigen Monaten wird sie in einer Missionsstation im Südsudan die Menschen zum Gebet läuten, freut sich Bischof Erkolano Tombe, der beim Glockenguss anwesend war und der Glocke sowie den Glockengießern den Segen spendete.


In der Hölle brennt kein Feuer


Mit Himmel, Hölle, Fegefeuer befasste sich Prälat Johannes Oppolzer in seinem Vortrag. „Zeit und Raum gelten nicht für das Leben nach dem Tod“, stimmte er die Zuhörer ein. Weder sei Ewigkeit eine unendlich lange Zeit, noch sei Himmel oben und Hölle unten, wies er hin. Das Feuer sei vielmehr ein Symbol der Reinigung und das habe zu einem in der Geschichte falschen Bild geführt. „Läuterung haben wir alle nötig“, sagte er. Auch Hölle und Himmel seien nicht Orte, sondern ein Zustand. Hölle sei dort, so Oppolzer, „wo der Mensch in einer Lieblosigkeit und Liebesunfähigkeit beharre, und damit in tiefster Einsamkeit, die sich nicht mehr ändere“ und damit hoffnungslos sei. „Nicht Gott verdammt, sondern der Mensch schließt sich aus“, erklärte Prälat Oppolzer. Auch Himmel werde immer nur in Gleichnissen aufgezeigt, vornehmlich als Hochzeitsmahl, einem Fest von Gemeinschaft, Freude und Fröhlichkeit. „Wenn einem Auge und Mund offen stehen bleiben vor der großen Faszination und Größe der Liebe Gottes“, verglich Oppolzer.
Als Konsequenz, so Oppolzer, habe der Mensche einen Auftrag, die Welt zu ändern, sie zu vermenschlichen. So sei es letztlich eine Frohbotschaft, zum liebenden Gott als einen liebenden Vater heimzugehen.


Evangelium nicht marktkonform


Die Bibel sei zwar von wirtschaftlichen Themen durchzogen, jedoch dem heutigen Wirtschaftsdenken nicht konform, erklärte der Bischof der evangelischen Kirche, Dr. Michael Bünker in seine Ausführungen zum Thema „Anständig Geld verdienen“. Schon im Alten Testament werde der gemeinsame freie Tag proklamiert, das Zinsverbot und das Erlassjahr, nach dem nach 49 Jahren alle Schulden wieder erlassen seien, damit niemand in die Verelendung absinke.
Der Schlüsselsatz im Markusevangeliums von der Speisung der 5000 laute: „Alle wurden satt“, so Bünker. Dieser biblische Impuls begleitet die Geschichte der Kirche bis heute. Denn nur im jüdisch-christlichen Raum habe es eine Armenfürsorge gegeben. Es war dann die Rechtfertigungslehre Martin Luthers, die für die damaligen Menschen eine Erlösung und Befreiung von der Angst bedeutete. Politik, Wirtschaft und soziale Frage bleiben zwar Teil der göttlichen Ordnung, dürfen sich jedoch nicht auf den unabänderlichen Willen Gottes berufen, betonte Bischof Bünker. Sie müssen vielmehr mit Vernunft vom Menschen selbst gestaltet werden.


Armenfürsorge gegen Verelendung


Die Gemeinden waren bemüht, ein System der Solidarität einzurichten, damit niemand von der ärmeren Bevölkerung verelende. Keine christliche Gemeinde dürfe es daher ohne Diakonie oder ohne Caritas geben, unterstrich er.
Heute werde das Wirtschaftsdenken von der Überzeugung beherrscht, dass die Marktwirtschaft alle Probleme lösen könne, meint Bünker. Kirche und Wirtschaft müssen zwar in Dialog bleiben. Es zeige sich aber, dass Krisen in der Wirtschaft nicht mehr die Ausnahme sondern normal seien. „Wir müssen daher lernen, auf dem Tiger des Marktes reiten zu lernen“, sagte der Bischof. Der Markt sei zwar nicht alles; vieles in der täglichen Versorgung geschehe ohne den Markt, wies er hin und forderte, für allen Einrichtungen und Initiativen eine Sozialverträglichkeitsprüfung einzuführen.
Das Evangelium, so Bünker abschließend, finde sich zwar am Markt vor, sei aber nicht marktkonform. Es habe vielmehr die Botschaft der geschenkten freien Gnade. Es dürfe sich nicht nach dem Gesetz des Marktes verhalten, sondern ist „ein bleibender Stachel gegen alle Marktreligiosität“.


Messweine unter der Lupe


Besonderes Interesse gab es für die angekündigte Messweinverkostung mit Weinpfarrer Johann Denk. „Das wichtigste beim Messwein ist seine natürliche Beschaffenheit“, so der Experte. Sechs ausgesuchte Messweine aus der Diözese nahm der Experte unter die Lupe und klassifizierte sie vor dem Publikum. Die sechs Messweine, vom Propsteiweingut über Messweine der Stifte Altenburg, Göttweig und Zwettl bis hin zu Messweinen von Weinbauern aus der Anbauregion Wachau zeigten sich von „jung und spritzig“ bis hin zum „gereiften Wein mit vollem Aroma“.