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Familienverband fordert „Schonzeit für Babys und Kleinstkinder“

Angesichts der neuen Diskussion, ab Herbst bereits für Babys und Kleinstkinder „Krabbelstuben“ anzubieten, warnt der Katholische Familienverband. Dies habe bereits absehbaren Folgen, weist er hin. In einer Abendveranstaltung im NÖ Landhaus fordert er eine „Schonzeit für Babys und Kleinstkinder“, die gerade in den ersten drei Lebensjahren eine kontinuierliche Bezugsperson für eine gesunde Entwicklung brauchen. Mit sensibler Wahrnehmung der Realität führte das Theater „Direkt“ mit Thomas Koller, Anita Hofmann und Klein-Hanna fast ganz alltägliche Situationen von Erwachsenen und ihren Umgang mit Kindern vor Augen. Bei der Orientierung auf Arbeitswelt, Karrieredenken und Wohlstand werden Kinder oft übersehen oder als Belastung empfunden. Familienbischof Klaus Küng, Familienlandesrätin Mikl-Leitner, die Ärztin und Psychotherapeutin Martina Leibovici-Mühlberger sowie das Ehepaar Michaela und Martin Joksch diskutierten unter Leitung des Vorsitzenden des Katholischen Familienverbandes Josef Grubner im NÖ Landhaus in St. Pölten.


Bedürfnisse des Kindes sehen


„Babys aus der Hand zu geben“ führe zu Irritationen bei den Kindern selbst, kann die vierfache Mutter und Kinderkrankenschwester Martina Joksch aus eigener Erfahrung berichten. Sie bedauerte, dass sich Politik und Betreuungseinrichtungen an den Bedürfnissen der Eltern und der Wirtschaft orientieren. Das Kind bleibe dabei auf der Strecke. Ihr Ehegatte Martin trat vehement für das Väterkarenz ein und regte an, zum Wohl der Kinder die Lebensarbeitszeit neu zu überdenken und anders zu planen. „Je früher wir ein Kind außer Haus geben, umso größer ist das Risiko, nirgendwo verwurzelt zu sein“.


Wichtigste Ressource


Kinder seien die wichtigste Ressource für eine Gesellschaft, erklärte die Psychotherapeutin und Ärztin Leibovici-Mühlberger. Wie Kinder ein ethisch differenziertes Denken erlernen können, hänge nachweislich davon ab, wie intensiv sich die Eltern mit ihm befassen. Sie verstehe daher überhaupt nicht, so die Expertin, dass Kinder „so früh“ in Betreuungseinrichtungen gegeben würden. Sie bräuchten für den kommunikativen Austausch vielmehr eine kontinuierliche Bezugsperson, sagte sie.


Mehr Teilzeitjobs für Mütter


Landesrätin Mikl-Leitner wies auf das Bedürfnis der Jugend nach Familie und Kindern hin. Der Zeitpunkt sei heute ein anderer geworden: erst der Job und dann Familie. Mikl-Leitner sprach sich gegen einen kostenlosen Ganztagskindergarten aus, bei dem zu befürchten sei, „dass Kinder einfach dort abgegeben werden“. Gerade die Bindung an die Familie sei wichtig, sagte sie und verlangte mehr Teilzeitjobs für Mütter. Entgegen dem Bundestrend setzte das Land Niederösterreich auf Tagesmütter statt auf Kinderkrippen.


Beide Eltern für Identitätsfindung wichtig


Bereits Papst Paul VI und später Johannes Paul II. haben die Kinder nicht mehr als Objekte der Betreuung gesehen, sondern als Personen, die großen Einfluss auf die Welt der Erwachsenen und die gesamten Gesellschaft nehmen, sagte Bischof Klaus Küng mit Verweis auf päpstliche Aussagen. Der Bischof unterstrich, dass Mütter und Väter für eine gesunde Entwicklung und Identitätsfindung des Kindes besonders in den ersten Lebensjahren wichtig seien. Auch Geschwister würden gemeinschaftliches Verhalten fördern und den jungen Menschen helfen, konfliktfähig zu sein. Der Bischof untermauerte, dass eine Förderung der Eltern zu den wichtigsten Investitionen der Gesellschaft gehöre und daher „noch konsequenter“ erfolgen müsse. Er bedauerte allerdings, dass man politisch falsch liegt, wenn unverheiratete Paare besser gefördert würden als verheiratete Eltern.


Ideelle Werte der Familie hervorheben


Der Präsident des Katholischen Familienverbandes Dr. Clemens Steindl verlangte, den Wert der Familie nicht nur auf ökonomischer Ebene zu diskutieren, sondern seinen ideellen Wert ins Gespräch zu bringen. Man soll den Jugendlichen nicht Mut zur Familie zusprechen, sondern ihnen „die Freude an der Familie und mit Kindern“ vermitteln. Dies sei die beste Lobbyarbeit für die Familien, meinte er.