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„Es geht um das Leben selbst“

„Der Mensch ist mehr als ein Kostenfaktor auf zwei Beinen“, betonte Caritas-Direktor Mag. Friedrich Schuhböck am 19. Juni bei einem Festakt zum zehnjährigen Bestehen des mobilen Hospizdienstes Region Krems in der Kremser Bank. Der mobile Hospizdienst der Caritas begleitet schwerstkranke Menschen und deren Angehörige in der letzen Lebensphase. Dabei gehe es nicht um die „Begleiterscheinungen“ des Lebens wie bei den zahlreichen anderen Einrichtungen der Caritas, sondern „es geht um das Leben selbst“, wie Schuhböck betonte.
Der Einsatz für die „Würde des Menschen vom Anfang bis zum Ende“ habe seine Grundlage im „Glauben an einen Gott des Lebens“, erklärte der Caritas-Direktor der Diözese St. Pölten. Damit sei auch eine politische Dimension verbunden: „Wir stellen uns damit oft gegen den Strom in der Diskussion um den Beginn und das Ende des Lebens.“ Die Grundlage der Hospizbewegung sei die unverlierbare Würde des Menschen als Mitarbeiter Gottes in der Schöpfung, so Schuhböck. Diese Würde könne ihm niemand nehmen, „auch nicht er selbst“.


Ehrenamtliche als „tragende Säule“ der Hospizarbeit


In der Hospizarbeit sei Menschlichkeit ohne Professionalität „eine halbe Sache“, erklärte Schuhböck. Umgekehrt sei Professionalität ohne Menschlichkeit eben „unmenschlich“. Die Caritas sei bemüht, beide Aspekte miteinander zu kombinieren. Dabei seien die zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiter „eine tragende Säule“, wie Schuhböck betonte. 2008 haben sie insgesamt 40.000 km im Dienste des Nächsten zurückgelegt, also einmal „die Erde umrundet“. Anlässlich des Jubiläums ehrte der Caritas-Direktor die drei ehrenamtlichen Mitarbeiter Verena Heitzmann, Eva Fischer und Walter Ruzicka für ihre langjährige Tätigkeit.


„Heilung ist etwas Umfassendes“, erklärte Univ.-Doz. Dr. Franz Schmatz von der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Krems in seinem Festvortrag, „auch im Tod kann Heilung geschehen.“ Begleitete würden oft „Momente verdichteten Lebens“ erfahren, von denen auch die Hospizmitarbeiter etwas mitnehmen können. So stelle sich immer wieder die Frage: „Wer ist der Gebende, wer der Empfangende?“ Wer das Leben wirklich kennen lernen wolle, solle sich „aufmachen zu Menschen in Extremsituationen“, zitierte Schmatz die Begründerin der Sterbeforschung Elisabeth Kübler-Ross.


Es geht um einen „stimmigen“ Tod


Von vielen Sterbenden komme die Bitte, „nicht vergessen zu werden“. Darin äußere sich die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben. Dabei sei es nicht notwendig als „Wunderwuzzi“ aufzutreten, erzählte der Theologe, Psychotherapeut und Seelsorger Schmatz aus seiner eigenen Erfahrung: „Ganz im Gegenteil: ohne Maske ehrlich da sein – wenn es so ist, auch in Ohnmacht.“ Die Begegnung mit Menschen in Extremsituationen müsse „behutsam und achtsam“ erfolgen, so Schmatz, sie erfordere ein „Innehalten“ der Begleiter. Äußerlich betrachtet geschehe bei einer Begleitung nichts, doch „innen verdichtet sich sehr viel“. Bei aller Begeisterung sollte man jedoch nicht nur vom Schönen sprechen, sondern auch vom Furchtbaren und vom Schmerz, betonte Schmatz: Es gehe nicht unbedingt um einen „schönen“, sondern um einen „stimmigen“ Tod.


Caritas St. Pölten