Erste Gloria in St. Pölten ging zu Ende

„Ein gar weltlich Ding“ vermeinte der Besucher, der die Kirchenfachmesse Gloria betrat. Weit gefehlt. Neben Glocken, Kerzen, religiösen Büchern, Kunst und liturgischen Gewändern gab es Inseln der Ruhe und Orte für Gespräche und wertvolle Impulse.
Zufrieden zeigten sich nach der Messe nicht nur die Aussteller, sondern auch die Veranstalter. Die Priester, Mesner und Pfarrkirchenräte waren vom Angebot begeistert. Alles, was in Kirchen und Kapellen benötigt wird, zur gleichen Zeit an einem Ort vorzufinden. „Das erspart uns viel Zeit und mühevolles Suchen“. So ein Priester, der mit seinem Pfarrobmann auf der Suche nach einer neuen Kirchenheizung ist.


Gloria bei ihrem Namen nehmen: Ehre sei Gott in der Höhe


Auch Weihbischof Anton Leichtfried stattete der Gloria am Samstag einen Besuch ab und zeigt sich zunächst reserviert. „Ich bin sehr nüchtern eingestellt. Für mich ist es in erster Linie eine Wirtschaftsmesse. Das ist ja auch legitim und gut, kann aber auch Anlass sein, dass sich viele Menschen treffen; aus der eigenen Diözese wie aus der Nachbardiözese. Auch Gespräche mit anderen Christen können stattfinden.“ So Weihbischof Leichtfried, der noch hinzufügt: „Mein Wunsch wäre, die Gloria beim Namen zu nehmen, dass sie beitragen möge: ‚Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden“.


Schulklassen durchstreiften die Messe


Unter den Schulklassen, die die Gloria besuchten, waren auch die Mädchen der 4 D der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe (HLW) in St. Pölten. Emsig haben sie beim Kirchenheurigen über die Kirchen-Messe diskutiert. Sie hatten ihren Rundgang gerade beendet und waren mit Notizen und Material beladen zurückgekommen. In den nächsten Wochen werden sie im Religionsunterricht Referate halten. Katharina über den Kirchenbeitrag. „Die Leute dort haben uns alle Auskünfte und Informationen mitgegeben und unsere Fragen beantwortet“, zeigt sie sich über ihre Recherchen zufrieden. Cornelia hat Material beim Paudorfer Künstler Leo Pfisterer über Skulpturen und Ikonen erhalten. „Er hat mir ein Geschenk mitgegeben“, freut sie sich. Und Sabrina war unterwegs, eine besondere Hilfsorganisation auf der Gloria zu suchen, die sie im Verein „Helfen wir“ gefunden hat. Dieser Verein setzt sich für medizinische Hilfe und Entwicklungshilfe ein, erklärt sie. Auch sie hat genug Material für ihr Referat gesammelt.


Der Markt fällt nicht vom Himmel


Politik, Markt und Kirche stehen in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Wenn eines dieser drei die Oberhand gewinne, wirke sich dies „entsetzlich“ auf die Menschheit aus. So Caritaspräsident Franz Küberl am letzten Tag der bei der Gloria in einem Vortrag über die Aufgabe des Marktes. Er erinnerte an Diktaturen totalitärer Staaten wie auch an den Fanatismus religiöser Strömungen.
Nicht alles, was am Markt vorhanden sei, könne auch vom Markt abgedeckt werden, relativierte Küberl die vermeintliche Omnipotenz des Marktes. Er verwies auf die Altenhilfe und Menschen, die keine Arbeit finden und sozusagen vom Markt abgelehnt werden. „Der Markt fällt nicht vom Himmel, sondern wird gestaltet“, betonte Küberl und rief auf, dem Markt eine andere Dimension zu geben. So könne der „faire Handel“ mithelfen, dem Markt eine andere Dimension zu geben. Zwischen Produzenten und Konsumenten müsse ein partnerschaftliches Verhältnis entstehen. Ebenso brauche es einen Ausgleich zwischen materiellen und immateriellen Gütern. Insgesamt, so Küberl, müsse die Logik des Profits durch die Logik der Solidarität ersetzt werden. Das sei im Kern auch die Aufgabe der Kirche.


Zufriedenheit bei Veranstalter


Zufrieden zeigten sich nicht nur die Aussteller, sondern auch die Veranstalter. "Es war ein Versuch, die Messe auch außerhalb Dornbirns, im Osten Österreichs, anzubieten. Dies hat sich positiv bewährt", so Sonja Allgäuer von der Messe Dornbirn. Auch die Aussteller zeigten sich durchwegs vom Interesse der Besucher an ihren Produkten zufrieden. Der "Kirchenheurige" der Diözese St. Pölten wurde immer gut besucht und bildete eine einladende Gesprächsinsel für Menschen aus den Pfarren.
Soviel steht fest: In zwei Jahren wird die Gloria wieder in St. Pölten gastieren, und zwar vom 6. bis 8. Oktober 2011.