„Entrümpelung ist angebracht“

Gott kommt in einer Höhle zur Welt, „weil in der Herberge kein Platz war“. Dies sei in allen Zeiten ein Hauptproblem gewesen, sagte Bischof Klaus Küng in seiner Predigt bei der Christmette im Dom von St. Pölten: Die Herbergen seien voll ausgebucht und oft auch angeräumt mit unseren Plänen und Vorstellungen. Da habe Gott keinen Platz mehr. So sei es notwendig, ihm in der Herberge Platz zu schaffen. „Vielleicht muss einiges entfernt werden, vielleicht ist eine Entrümpelung angebracht. Es kann auch angebracht sein, manches umzustellen, damit Gott die Mitte einnimmt.“
Jeder Mensch versuche „sein eigenes Glück zu basteln“, führte der Bischof aus. „In letzter Zeit wollen sie sogar die Kreuze wegräumen, weil Kreuze anscheinend ihr Glück stören.“ An einen Leidenden erinnert zu werden, passe für viele nicht in eine Zeit, in der „alles schmerzfrei“ zu sein habe.


Zur Kritik an den Schwächen und Fehlern der Kirche und ihrer Glieder zitierte Küng den heiligen Hieronymus, der betonte, dass „der Herr, obwohl Weltenschöpfer, nicht zwischen Gold und Silber, sondern auf Lehm geboren wurde“. So werde Jesus auch auf den Altären der Kirche und in den Herzen der Menschen geboren – „trotz ihrer Probleme und Schwächen“. Dabei sei die Orientierung an Maria und Josef hilfreich, so Küng: „Sie kennen nicht Sätze wie ‚meine Pläne’, ‚meine Vorstellungen’, ‚meine Rechte’. Ihr Leben gehört ganz Jesus, Gott und seinen Plänen.“


Predigt im Wortlaut