Eine humane Gesellschaft zeigt sich im Umgang mit Behinderten

„Ob unsere Gesellschaft human ist, erweist sich nicht an großen kulturellen Errungenschaften, sondern einzig und allein darin, wie sie mit Kranken und Schwachen, behinderten und alten Menschen umgeht“, betont Bischof Klaus Küng in einer Stellungnahme zum Welttag der Menschen mit Behinderung, der am 3. Dezember begangen wird.
Stellungnahme im Wortlaut Der Bischof bedauert, es sei „schade, dass wir nur an einem Tag des Jahres innehalten und über die Menschen mit Behinderung und ihre Situation in Österreich nachdenken“. Neben den großen Fortschritten wie Geschützten Werkstätten, Bemühungen um Integration in Schulen und Arbeitsstätten sieht Bischof Küng im Umgang mit Behinderungen auch „alarmierende Tendenzen“, die Sorge bereiten.


Bischof Küng, in der Bischofskonferenz für Fragen zum Schutz des menschlichen Lebens zuständig, weist in seiner Stellungnahme hin, dass im Vergleich zu früher immer weniger Kinder mit Behinderung zur Welt kommen. Dies sei aber nicht auf eine Verbesserung der Medizin zurückzuführen, sagt er. Vielmehr würde in vielen Fällen, falls aufgrund pränataler Diagnostik eine mögliche Behinderung festgestellt werde, bereits ein Schwangerschaftsabbruch durchgeführt. Nach einer Züricher Studie hätten sich in derartigen Situationen 92 Prozent der Eltern dafür entschieden, so Küng. Durch die routinemäßig durchgeführten Ultraschalluntersuchungen können bereits ab der 10. Schwangerschaftswoche Hinweise auf das Vorliegen einer Trisomie 21 (Down-Syndrom) wahrgenommen werden.
Damit würde, wie der Bischof sagte, „ein überwiegender Teil der Kinder mit diesen Behinderungen vor der Geburt ausgesiebt“. Der Bischof gab zu bedenken, welches Signal damit „an die lebenden Menschen mit Behinderung“ geschickt werde.
Für eine Familie kann ein Kind mit einer Behinderung eine große Belastung sein. Aber auch Ärzte stehen unter wachsendem Druck, wenn „ein noch nicht geborener Mensch“ bereits als „Schaden“ bezeichnet werde. Könne auf einer solchen Entwicklung Segen liegen? - fragt der Bischof in seiner Stellungnahme.
Er bedankte sich bei allen behinderten Menschen für den Beitrag, den sie in der Gesellschaft leisten und ermutigte alle anderen, auf Menschen mit Behinderung zuzugehen, zu achten, dass auch Kinder ihnen regelmäßig begegnen und mit ihnen Freundschaft schließen.


Stellungnahme im Wortlaut