„Ein ganzes Tal hat wesentliche Fragen des Lebens diskutiert“

„Es ist der Höhepunkt eines Prozesses, den es noch nirgendwo in dieser Form gegeben hat“. So der Publizist Prof. Heinz Nussbaumer zu den zweiten Kardinal König-Gesprächen am 29. August in Kirchberg an der Pielach: „Ein ganzes Tal hat sich zusammengefunden, über die wesentlichen Fragen des Lebens nachzudenken“.
Vor einem Jahr haben sich die ersten Kardinal König - Gespräche mit dem Thema „Was ist Heimat“ befasst. Diesmal standen sie unter dem Motto „Was erwarte ich mir vom Leben?“ Die Ergebnisse der diesjährigen Vorgespräche und Gespräche wurden in der „gerade noch rechtzeitig fertig gestellten neuen Kirchberghalle“, wie Bürgermeister Anton Gonaus ausdrückte, vorgestellt. Es sei ein besonderes Zeichen, dass gerade die Kardinal König Gespräche die erste Veranstaltung in diesem Gebäude seien, zeigte er sich erfreut. Vor einem Jahr haben Bewohner des Pielachtales begonnen, in Gesprächs- und Arbeitskreisen vier wesentliche Fragen des Lebens zu überlegen und zu diskutieren. Es waren dies: „Jugend: Spaß ohne Ende?“, „Arbeitswelt, Freizeit Soziales Engagement: Hackeln und sonst nichts?“, „Familie: Idylle oder Alptraum?“ und „Ältere Menschen: Nur noch altes Eisen?“


Anspruchsvolle "Entdeckungsreise"


Ein Arbeitskreis habe bis zum Vortag der Veranstaltung gearbeitet, verrät der Obmann der Kardinal-König-Gespräche, Vizebürgermeister Gottfried Auer. Auch Publizist Heinz Nußbaumer zeigte sich begeistert und fasziniert über das „Feuer des Engagements“, das die Menschen des „Dirndltales“, der Heimat Kardinal Königs, ergriffen hat. Es sei „das Anspruchsvollste, was es gibt: auf Entdeckungsreise in das eigene Ich zu gehen“ und das eigene Leben zum Thema zu machen. Auch Kardinal König habe immer wieder Fragen gestellt – nicht um in Frage zu stellen, sondern um etwas zu bewegen, erklärte Nußbaumer. Auch die langjährige Leiterin des Sekretariates von Kardinal König, Annemarie Fenzl bescheinigte den Gesprächen, dass sie zunehmend Struktur gewonnen haben und stellte fest, dass Kardinal König trotz aller Tiefe seiner Gedanken und Fragen stets ein Praktiker geblieben sei.


Impulse für weitere Gespräche


Vertreter der einzelnen Gesprächsgruppen stellten anschließend die Ergebnisse des Gesprächsprozesses vor, wobei sehr persönliche Sichtweisen zur Sprache kamen und auch Prognosen angedeutet wurden, viele Fragen aber auch offen blieben. Aus diesen Ergebnissen, so Obmann Auer, sollten sich weitere Inhalte für die nächsten Kardinal König – Gespräche ergeben. Er hoffe, auch aus den Ausführungen des Theologen und Psychotherapeuten Arnold Mettnitzer Impulse für die Weiterarbeit zu erhalten.


Im Verstehen des anderen sich selbst entdecken


Der Theologe und Psychotherapeut Dr. Arnold Mettnitzer hat den Prozess im Pielachtal mit begleitet. „Es ist ein Anfang gesetzt, der nicht steckenbleiben darf“, betonte er in Hinblick auf die Wichtigkeit jeglicher Kommunikation. Diese Gespräche seien ein Mitteilungsprozess, „in dem die Menschen aus sich herausgehen und im Verstehen des anderen sich selbst entdecken“, wies er hin.
Mettnitzer skizzierte drei Zukunftstrends, die sich auch in den Ergebnissen des Prozesses zeigten. Die Zukunft werde eine Zeit der Frauen sein. Frauen werden führend in einer Gesellschaft sein, vor allem in der die Bildungsfrage, im Konsumverhalten und am Dienstleistungssektor. Dies werde ebenso zu einer Krise der Rollen des Männes führen, prognostizierte Mettnitzer.
Die Zukunft werde ebenso der älteren Generation gehören, unterstrich der Psychotheraopeut. Es werde zu einer Neubewertung des Alters komme. Ältere Menschen werden künftig agiler sein als heute. Ihr Erfahrungsschatz werde wieder gefragt werden.
Schließlich werde die Zukunft ein Zeit der zunehmenden Individualisierung sein, in der der Einzelne stets neue Entscheidungsmöglichkeiten in seinem Leben habe, die seine Lebenswelt prägen werde.


Hackeln - und sonst nichts?


Auf zwei weitere Aussagen der Arbeitskreise nahm Mettnitzer noch besonders Bezug: „Hackeln und sonst nichts?“ Die ältere Generation habe nicht gelernt, faul zu sein, erklärte er. Auch der Genuss der Freizeit müsse gelernt sein, sonst werde der Druck der Arbeitswelt und der zunehmende Stress mit in die Freizeit übernommen.
„Erziehung“ sei für ihn ein Wort, das Unbehagen auslöse. Es hänge mit ziehen, Zögling und Zucht zusammen, erklärte Mettnitzer. Vielmehr sei Bereitschaft gefordert, voneinander zu lernen. So sollten auch die Erwachsenen von den Kindern lernen und sie nicht als Erziehungsobjekte missbrauchen. Damit könne eine neue Qualität des miteinander Lernens und miteinander Lebens entstehen.
Den anwesenden Frauen und Männern aus dem Pielchtal gab Mettnitzer den Rat, das Gespräch weiter zu führen. Das wertvollste sei, dass das Gespräch gesucht werde – und die beste Antwort darauf, immer präzisere Fragen zu stellen. Zu diesem im Pielachtal begonnenen Prozess wolle er weiter Mut machen.


Messe in der Pfarrkirche


Dem festlichen Abend vorangegangen war ein Gottesdienst in der Pfarrkirche von Kirchberg, der mit Priestern des Pielachtales, August Blazic, Dr. Josef Lackstätter und Alois Brunner gefeiert wurde. Mit Blasmusikbegleitung wurden die Gäste und Teilnehmer an den Kardinal König-Gesprächen von den Bürgermeistern von Kirchberg und Rabenstein, Anton Gonaus und Kurt Wittmann, sowie Bürgermeistern und Vertretern der umliegenden Gemeinden zum Festakt in die Kirchberghalle geleitet.