Diözesaner Erneuerungsprozess tritt in eine neue Phase

„Im Erneuerungsprozess stehen wir noch ganz am Anfang“, erklärte Bischof Klaus Küng vor dem versammelten Pastoralrat in seiner jüngsten Sitzung am 16. Oktober. Überlegungen, die bisherigen Erkenntnisse und Ziele des Erneuerungsprozesses in den Pfarren umzusetzen, standen diesmal im Mittelpunkt der Beratungen. Ziel sei nicht die Errichtung von Pfarrverbänden, sondern vor allem die Erneuerung der Katechese und der missionarischen Aufgabe der Pfarren. In einem Rückblick rollte der Bischof die Entwicklung des Erneuerungsprozesses in den vergangenen zwei Jahren auf und zeigte sich zuversichtlich, dass viele Gläubige diesen Prozess mittragen werden. „Es ist notwendig, dass sich möglichst viele Menschen in der Diözese auf eine junge Kirche einlassen“. Der Bischof räumte auch ein, dass es für viele mühsam sei, eingefahrene Wege zu verlassen.


Pfarrer Rudolf Malzer und Pfarrer Gerhard Gruber sowie Diakon Peter Neugschwandtner berichteten über ihre Erfahrungen mit Pfarrverbänden.
Rudolf Malzer aus Ollersbach, Totzenbach und Kirchstetten meinte, Priester waren lange Zeit auf sich allein gestellt, wie sie mit zwei oder mehr Pfarren umgehen sollen. Ein Pfarrverband verlange nun einen „gewaltigen Lernprozess von den Priestern wie von den Gläubigen“. Wichtig sei, die betroffenen Gläubigen der Pfarren schon von Anfang an mit einzubinden und größere Ereignisse und Feste für alle Pfarren im Verband gemeinsam zu planen und durchzuführen. Wichtig sei auch, so Malzer aus seiner langjährigen Erfahrung, dass sich jeder in die Lage der anderen Pfarre versetze und ernsthaft überlege, ob er zu kurz komme, wenn er im Pfarrverband mitlebe.


Pfarrer Gerhard Gruber von Stephanshart, Stift Ardagger und Kolmitzberg wies auf die Schwierigkeiten bei der notwendigen Änderung der Messzeiten hin. Jede Pfarre wollte zur gleichen Zeit die Sonntagsmessen beibehalten. Für ihn, Gruber, sei wichtig, dass in jeder einzelnen Pfarre Orte der Kommunikation bestehen bleiben und die Mesner sowie Wortgottesleiter die Kontaktpersonen sind, wenn der Priester nicht vor Ort ist. Entlastung würde er sich durch einen Diakon oder Pastoralassistent wünschen.


Diakon Peter Neugschwandtner vom Pfarrverband Bad Großpertholz, Harbach, Harmannschlag, St. Martin und Karlstift bestätigt, dass diese Pfarren auf den Pfarrverband zu wenig vorbereitet waren. Diese Unsicherheit bewirkte bei einigen Widerstand und Resignation, bei anderen Gläubigen aber doch eine Aufbruchstimmung, die neue Situation als Chance zu sehen. Im Verband selbst sei eine klare Aufgabenteilung nötig. Vor allem gelte es, bei den Menschen neue Talente zu entdecken und zu fördern. Ebenso sei eine klare Organisation wichtig, um den Menschen Sicherheit zu geben. Pastoral soll möglichst viel gemeinsam geschehen. Neugschwandtner sprach sich dafür aus, in jeder Pfarre den Pfarrgemeinderat zu belassen, um die Eigenverantwortung zu stärken.


Nur 129 Pfarren der insgesamt 424 haben noch einen eigenen Priester vor Ort, schildert der Direktor der pastoralen Dienst, Sepp Winklmayr die aktuelle Lage. 88 Priester betreuen zwei Pfarren und 23 Priester je drei Pfarren. Die größte Sorge sei aber, so Winkmayr, dass in allen Pfarren ein lebendiges geistliches Leben erhalten bleibe. In der Diskussion wurden wichtige Aspekte genannt. So sei „alles zu fördern, was Pfarren helfe, ihre Grenzen zu überschreiten“. Das Gebets- und Gemeinschaftsleben müsse unbedingt im Ort belassen werden.