Die Sendung der Laien im Verkündigungs- und Heilsauftrag der Kirche heute

Papst Johannes Paul II. stellt im apostolischen Schreiben „Christifideles laici“ fest, dass wir heute in einer Welt leben, die in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, politischer und kultureller Hinsicht größere und gravierender Probleme aufweist als jene, die das Konzil in der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ beschrieben hat (vgl. 3).


Die religiöse Gleichgültigkeit und die Entfremdung von Gott, vor allem in der Form einer fortschreitenden Säkularisierung, haben sich – jedenfalls in den Wohlstandsländern Mitteleuropas – noch stärker ausgebreitet. Im oben zitierten Dokument schreibt Papst Johannes Paul II.: „Vom Erfolg seiner Errungenschaften und durch die unaufhaltsame wissenschaftliche und technische Entwicklung verblendet, mehr noch aber durch die älteste und immer neue Versuchung, im unbegrenzten Gebrauch seiner Freiheit wie Gott sein zu wollen (vgl. Gen 3,5) fasziniert, reißt der Mensch die religiösen Wurzeln aus seinem Herzen. Er vergisst Gott, betrachtet ihn als bedeutungslos für seine eigene Existenz und verwirft ihn, um verschiedenste „Idole“ anzubeten“ (4). Sicherlich stellt auch die innerkirchliche Situation des Umbruchs der letzten Jahrzehnte einen nicht zu übersehenden Faktor dar, denn die schwierigen Umstände an der Schule und in anderen Bildungseinrichtungen einer sehr pluralistisch gewordenen Gesellschaft, das Bildungsdefizit der Eltern und anderer Miterzieher, die selbst eine nur mangelhafte Glaubensunterweisung empfangen haben und diesen Glauben nur teilweise, kaum oder gar nicht praktizieren, wirkt sich an den Folgegenerationen häufig in progressiver Weise aus, wenn die Kinder oder Jugendlichen nicht das Glück haben, von anderer Seite her das zu empfangen, was ihnen das Elternhaus, die Pfarre oder die Schule nicht vermittelt haben. Auch für die Pfarre ist es unter den derzeitigen Gegebenheiten oft schwierig, den Kindern und Jugendlichen den Glauben zu vermitteln.


Unter diesen Umständen, da die Stimme des Seelsorgers viele nicht mehr erreichen kann, weil sie keine Kirche aufsuchen, keine Predigt hören wollen, ist die Bedeutung der Laien für die Sendung der Kirche in der Welt besonders wichtig, weil sie für viele praktisch die einzige Möglichkeit zum Kontakt mit der Kirche sind. Außerdem: abgesehen von all dem, sollte jeder Christ an dem Platz, an den ihn Gottes Vorsehung und seine eigene Entscheidung gestellt haben, für die Menschen seiner Umgebung immer „Salz und Licht“ sein, jemand, der durch sein Leben, durch sein Verhalten, auch durch sein Wort für Christus Zeugnis ablegt und eine wahre apostolische Fruchtbarkeit entfaltet.


Um sich der Sendung der Laien für die Verbreitung des Evangeliums in der Gesellschaft von heute möglichst klar bewusst zu werden und die Voraussetzungen zu erfassen, die dafür nötig sind, möchte ich in diesem Vortrag mit bewusster Vernachlässigung anderer, sicherlich auch wichtiger Aspekte die Aufmerksamkeit vor allem einigen wesentlichen Grundvoraussetzungen zuwenden, die für die Wirksamkeit jeder Seelsorge unabdingbare Voraussetzung sind, auch für die Wirksamkeit des Laienapostolates, für die Wirksamkeit des seelsorglichen Einsatzes von Laien und im allgemeinen für die apostolische Fruchtbarkeit der persönlichen Bemühung eines Christen um andere. Ohne Beachtung dieser Grundvoraussetzungen wird echte, bleibende Frucht sehr wahrscheinlich ausbleiben. Es ergeben sich auch wichtige Folgerungen für die Konzeption der Pastoral. Zunächst drei grundlegende Überlegungen, aus denen sich dann die Folgerungen für die Wirksamkeit der Laien in der Kirche ableiten.


1) Der Zusammenhang zwischen der Weitergabe des Evangeliums und dem Mysterium paschale, dem Erlösungsgeheimnis.


In „Christifideles laici“ schreibt Johannes Paul II.: “Weil sie Glieder der Kirche sind, haben die Laien die Berufung und Sendung, das Evangelium zu verkünden. Auf Grund der christlichen Initiations-Sakramente und der Gaben des Heiligen Geistes sind sie dazu berufen und verpflichtet“ (33).


Es ist notwendig, im Verkündigungs- und Heilsauftrag der Kirche die enge Beziehung zwischen den zwei wesentlichen Dimensionen hervorzuheben: der Frohbotschaft des Evangeliums und dem sakramentalen Leben. Die Gläubigen können nur dann Christus anderen bringen, wenn sie mit ihm verbunden sind, wenn sie ihn im Herzen tragen. Durch die Initiations-Sakramente – Taufe und Firmung – wird diese Verbundenheit grundgelegt, durch die Eucharistie wird sie vervollständigt. Damit muss freilich das Bemühen um eine entsprechende Lebensweise verknüpft sein. Das setzt das Hören und Befolgen der Botschaft des Evangeliums voraus. Escrivà de Balaguer, der Begründer des Opus Dei, einer der Pioniere einer echten Laienspiritualität, sagt in einer Homilie: „Apostel: Das ist der Christ, der sich, durch die Taufe Christus einverleibt, mit ihm eins weiß; der durch die Firmung zum Kampf für Christus gerüstet ist, er ist berufen, Gott in der Welt zu dienen auf Grund des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen, das eine gewisse – wenngleich von der des Amtspriestertums wesentlich verschiedene – Teilnahme am Priestertum Christi verleiht und dazu befähigt, am Gottesdienst der Kirche teilzunehmen und den Menschen auf ihrem Weg zu Gott zu helfen durch das Zeugnis mit Wort und Beispiel, durch Gebet und Sühne“ (Christus begegnen 120).


Da die Kirche in der Tat Heilssakrament und Werkzeug der Erlösung ist, darf die Verkündigung des Evangeliums nicht von den in der Feier der Sakramente vollzogenen Geheimnissen getrennt werden. So befähigen einerseits die Initiations-Sakramente die Gläubigen, den Glauben weiterzugeben, andererseits vermittelt die Katechese die nötige Vorbereitung für das sakramentale Leben, das heißt für ein Leben verbunden mit Gott durch Jesus Christus. Dabei ist die Bemühung um dieses gottverbundene, christliche Leben das eigentliche Ziel sowohl der Verkündigung als auch der Sakramente.


Als Christus seine Apostel in die Welt hinaus sandte, um das Evangelium zu verkünden, gab er ihnen den Auftrag, seinen Tod und seine Auferstehung zu feiern, die Menschen mit seinem Leib und seinem Blut zu stärken und ihnen die Sünden zu vergeben.


Treu dem Gebot des Herrn und treu dem Beispiel der ersten christlichen Gemeinden, verkündet die Kirche Tod und Auferstehung des Herrn nicht nur durch das Wort, sie feiert es auch in den Sakramenten und im Leben der Christen wird es sichtbar.


Im Konzilsdekret über die Missionstätigkeit der Kirche wird diese enge Beziehung zwischen der Verkündigung des Mysteriums Christi und der Liturgie und noch konkreter die Beziehung zwischen dem Vorbild eines christlichen Lebens, der Verkündigung, der Sakramente und der anderen Grandenmittel sehr klar dargelegt (vgl. Ad gentes 5). Alle diese Elemente gehören wesentlich zu der Art und Weise, wie die Kirche die Menschen zum Glauben und zur vollen Teilnahme am Mysterium Christi führt.


Papst Paul VI. bestätigt voll und ganz diese Lehre des Konzils, wenn er im apostolischen Schreiben „Evangelii nuntiandi“ festhält, dass sich die Weitergabe des Glaubens nicht auf die Verkündigung des Wortes beschränkt, sondern durch die Sakramente das Leben der Menschen erreichen muss. „Die Aufgabe der Vermittlung des Evangeliums“ – so heißt es wörtlich in diesem Dokument – „besteht darin, den Glauben so zu lehren, dass jeder Christ dahin geführt wird, die Sakramente – statt sie passiv zu empfangen oder über sich ergehen zu lassen – als wahrhafte Gnadenmittel des Glaubens zu leben“ (47). Man kann daher sagen, dass die Weitergabe des Glaubens – ganzheitlich verstanden – drei Elemente einschließt: die Verkündigung der Heilsbotschaft; die Spendung bzw. den Empfang der Sakramente und das Zeugnis eines heiligen Lebens, das sich aus dem Evangelium ableitet.


Daraus ergibt sich für die „Christifideles laici“, für die Gläubigen, die Laien sind, dass ihre aktive Wirksamkeit im Sinne der Weitergabe des Glaubens eine lebendige und intensive Teilnahme am sakramentalen Leben der Kirche voraussetzt und die anderen Menschen, denen sie die Frohbotschaft bringen möchten, zu den Sakramenten und zu einer entsprechenden Lebensweise hinführt. Dies stellt eine innere Notwendigkeit der Hinführung zu einem Leben in Verbundenheit mit Gott dar, denn ohne sie bliebe die Einführung in den Glauben unvollständig.


2) Die Sendung der Kirche


Um das Wesen der Glaubensweitergabe besser zu begreifen und um zu verstehen, welcher Platz den „Christifideles laici“, den Laien in dieser Aufgabe zukommt, geht man am Besten von dem aus, was die Sendung der Kirche ist. Weiters ist notwendig, die Voraussetzungen zu erfassen, die für die Wahrnehmung dieser Sendung erforderlich sind, und schließlich ist zu überlegen, was das Spezifische an der Sendung der Laien ist.


Die Kirche ist – so erklärt es das Konzil, so wird es auch im apostolischen Schreiben Evangelii nuntiandi Pauls VI. dargelegt - die Frucht der göttlichen Sendungen und, konkreter gefasst, ist sie die Frucht der Predigt Jesu und der Zwölf (vgl. Evangelii nuntiandi 15). Der Ursprung der Sendung der Kirche findet sich nach den Aussagen des Konzils (vgl. Ad gentes 2) in der Aussendung des Gottessohnes und in der Aussendung des Heiligen Geistes entsprechend dem Heilsplan Gottes, des Vaters. Seine „Liebesquelle“ ist im Ursprung jeder Sendung enthalten. Als Folge davon hängt die Sendung der Kirche, da sie sich direkt von den göttlichen Sendungen ableitet, letzten Endes von der Liebe Gottes, des Vaters, ab, der die Quelle und der Ursprung jeder Sendung ist. In diesem Sinn können wir sagen, dass die Grundlage der Sendung der Kirche im tiefsten Sinne des Wortes „theologisch“ ist, das heißt ganz gottbezogen.


Die Kirche wurde dazu berufen, die Sendung Christi unter der Leitung des Heiligen Geistes in der Welt fortzusetzen. Das bedeutet, dass sie zu allen Zeiten und an allen Orten das Erlösungswerk, das Gott in Christus erfüllt hat, offenbaren und gegenwärtig machen muss. In einem gewissen Sinn können wir sagen, dass die Kirche die Sendung Christi und seine Art der Offenbarungsvermittlung nicht nur durch Worte, sondern durch Werke und sein Leben der Ganzhingabe an Gott zur Rettung der Menschen in der Zeit fortsetzt. Das zeigt uns die tiefe Beziehung zwischen Christus, der Kirche und der Weitergabe des Evangeliums (vgl. Evangelii nuntiandi 16). Die praktische Folge, die sich aus diesem Zusammenhang ergibt, drückt das II. Vatikanische Konzil folgendermaßen aus: „Deshalb muss die Kirche unter der Führung des Geistes Christi denselben Weg gehen, den Christus gegangen ist“ (Ad gentes 5). Es handelt sich sowohl um eine hohe Anforderung als auch um eine Voraussetzung. Wenn die Kirche wirklich erreichen möchte, dass ihre Sendung auf der Ebene der Erlösung wirksam ist, muss sie mit Christus, der der Urheber der Erlösung und der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist, innig vereint bleiben. Nur in Christus – das sei einmal mehr gesagt – kann die Kirche Heilsakrament und Werkzeug der innigen Vereinigung mit Gott sein (vgl. Lumen gentium 1). Deshalb ist es evident, dass die Teilnahme an der Sendung Christi etwas ist, was untrennbar mit der Nachfolge Christi verbunden ist. Die Nachfolge Christi schließt immer ein, dass man – wie er – dazu bereit ist, den Armen die frohe Botschaft zu bringen (Mk 1,17). Die Sendung ist nichts anderes als eine realisierte Nachfolge Christi und als solche handelt es sich nie bloß um Werbung oder Propaganda. Es ist etwas viel Tieferes schon deshalb, weil es das Vorhandensein der Nachahmung und der Nachfolge Christi bzw ein persönliches Bemühen darum voraussetzt. Jemand, der Zeugnis gibt, der Missionar, einer, der in der Verkündigung mitwirkt, ist nicht nur jemand, der redet oder von etwas Geschehenem berichtet. Er versteht sich vielmehr als jemand, der an jener Wirklichkeit, die er verkündet, aktiv teilnimmt, und zwar nicht nur mit Worten oder einzelnen Taten, sondern mit seiner ganzen Existenz. Wenn die Kirche, nach der Lehre des Konzils, von ihrem Wesen her „missionarisch“ (vgl. Ad gentes 2) ist, dann hat auch jeder Christ, der durch die Taufe in der Kirche eingegliedert ist, als Wesensbestandteil seines Christseins diese Sendung.


Der hl. Paulus bietet uns im Brief an die Römer eine wunderbare Zusammenfassung dessen, was kirchliche Sendung ist. Er bezeichnet seine Botschaft über Christus als Offenbarung „jenes Geheimnisses, das seit ewigen Zeiten unausgesprochen war, jetzt aber nach dem Willen des ewigen Gottes… kundgemacht wurde, um alle Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu führen“ (Röm 16, 25 ff). Durch die Kirche wird das Geheimnis Gottes unter den Völkern gegenwärtig gemacht.


3) Die Beziehung zwischen Sendung und Communio


Vorher wurde gesagt, dass für die Sendung die Nachfolge Christi, das Leben mit Christus Voraussetzung ist, mit anderen Worten: Notwendig ist die Communio. Diese Communio im Leib Christi ist eine erste Verwirklichung der Sendung. Dabei ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass nach dem Neuen Testament und den Kirchenvätern (vgl. Koinonia bei K. Kittel-G. Friedrich) das Wort Communio vorerst nicht eine Gemeinschaft unter Menschen bedeutet. Es bedeutet nicht bloß ein Netz von zwischenpersonalen Beziehungen, die jene menschliche, heimelige, brüderliche Geborgenheit vermittelnde Wärme schafft, die wir alle nötig haben und die wir mit mehr oder weniger Anstrengung in unseren diözesanen, pfarrlichen und anderen kirchlichen Gemeinschaften zu schaffen versuchen. Der ursprüngliche Theologische Sinn des Begriffes Commmunio ist nicht „Gemeinschaft“, sondern gemeinsame Teilhabe an Christus, unserem Herrn (vgl. 1 Joh 1,3.6). Gemeint ist die Teilnahme an seinem Leiden (Phil 3,10), an seinem Heiligen Geist (2 Kor 13,13), an seinem Evangelium (Phil 1,5), an seinem Glauben (Philemon 6) und an seinem Dienst (2 Kor 8,4). Die Grundlage der Communio und der Sendung, die sich von ihr ableitet und die sie hervorbringt, ist die gemeinsame Teilnahme an der einzigen Wirklichkeit Christ. Auf diese Weise wird klar, dass die Communio der Kirche etwas ist, was weit über eine bestimmte Gruppierung oder eine konkrete Gemeinschaft hinausreicht, auch dann, wenn eine solche für eine so große und aufregende Zielsetzung wie die Verwirklichung der kirchlichen Sendung entstanden ist.


Wenn wir über „die Sendung" nachdenken, dürfen wir nicht von einer bloß werkzeuglichen und funktionellen Auffassung der Communio ausgehen. Das wäre ein Irrtum und ein Rückfall in die Vorstellungen des 18. Jahrhunderts, als man unter dem Einfluss der Aufklärung die Kirche nur als Bildungs- und Erziehungseinrichtung betrachtete, oder wie es in unserer Zeit von manchen geschieht, die die Kirche als Mittel zu politischer, kultureller und sozialer Befreiung oder als Einrichtung ansehen, um Menschen, die sich in Schwierigkeiten befinden, Hilfe zukommen zu lassen. Diese Zielsetzungen sind je nach Situation wichtig und lobenswert. Sie stehen ohne Zweifel mit der Sendung der Kirche in Zusammenhang, aber sie dürfen nicht den Ausgangspunkt darstellen, um das Wesen und die Sendung der Kirche theologisch zu erfassen.


Folgerungen


Alle diese bis jetzt dargelegten Erwägungen führen uns zu einer ersten grundlegenden Dimension für das Verständnis der Aufgabe und der Sendung der Laien. Man könnte es so ausdrücken: Vom theologischen Standpunkt aus betrachtet ist der Ausgangspunkt, mehr als das, ist der zentrale Punkt, um den sich das Dasein als Christ, seine Sendung und seine Wirksamkeit als „Apostel“ dreht, seine Verbundenheit mit Christus, seine Qualität als Glied des mystischen Leibes, und damit verbunden seiner Bemühung, Christus nachzuahmen und ihm nachzufolgen. Die grundlegende Voraussetzung ist also die Nachfolge Christi. Es ist nicht möglich, die Sendung der Laien richtig zu verstehen, ohne sich der Art bewusst zu sein, wie sie Apostel sind, wie sie Christus nachfolgen.


In einer Gesellschaft wie der unsrigen, die bereits sehr stark vom Säkularisierungsprozess geprägt ist, muss jeder, der Verantwortung trägt und dem das Wohl der Menschen ein Anliegen ist, eine wahrhafte Dringlichkeit zur Neuevangelisierung spüren, und zwar in allen Bereichen der Gesellschaft. Wer ernsthaft über diese Notwendigkeit nachdenkt, der wird sich der grundlegenden Rolle bewusst, die den Laien in dieser Aufgabe zukommt, denn wie es in Lumen gentium heißt: „Die Laien sind besonders dazu berufen, die Kirche an jenen Stellen und in den Verhältnissen anwesend und wirksam zu machen, wo die Kirche nur durch sie Salz der Erde werden kann“ (33). Es ist klar, dass die derzeitigen Umstände zur Verwirklichung der Verkündigungs- und Heilsaufgabe der Kirche drängen. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass nicht die Umstände diese Sendung begründen; sie sind es auch nicht, die der kirchlichen Sendung eine besondere Form verleihen. Es sind nicht die Umstände, die die Sendung in der einen oder anderen Weise bestimmen. Die Welt empfängt die Sendung, sie ist nicht der Ursprung.


Vom pastoralen Standpunkt aus betrachtet stoßen wir hier auf eine interessante Einsicht, die sich aus dem bisher Gesagten ableitet. Es ist die dringende Notwendigkeit, dass alle, die an der Sendung der Kirche beteiligt sind, also auch die „Christifideles laici“, die Laien, eine entsprechende spirituelle, theologische, menschliche und apostolische Ausbildung empfangen. Es muss eine Ausbildung besonderer Art sein. Es handelt sich nicht nur um eine Wissensvermittlung, die auch nötig ist. Es muss eine Ausbildung sein, die allem anderen voran zur Nachfolge Christi führt, zur echten, richtig verstandenen kirchlichen Communio.


Im apostolischen Schreiben „Christifideles laici“ hat Papst Johannes Paul II. die Bedeutung dieser Aufgabe aufgezeigt und die wichtigsten Punkte dargelegt, die sie beinhalten muss. So heißt es in diesem Dokument: „Aus diesem Dialog zwischen Gott, der ruft, und dem Menschen, der angesprochen wird, ergibt sich die Möglichkeit, ja die Notwendigkeit einer umfassenden, ständigen Formung und Ausbildung der Laien“. Der Papst fügt dann hinzu, dass nach einhelliger Meinung der Synodenväter die Formung und Ausbildung der Laien zu den Prioritäten der Diözesen und deren Pastoralprogramme zählen müssten, „sodass alle Bemühungen der Gemeinde (der Priester, Laien und Ordensleute) auf dieses Ziel hin konvergieren“ (vgl. CF 57).


Weiter unten zeigt dann Papst Johannes Paul II. den spezifischen Gegenstand dieser Ausbildung auf: „Grundziel der Formung und Ausbildung der Laien ist die immer eindeutigere Entdeckung der eigenen Berufung, sowie die wachsende Bereitschaft, diese in der Erfüllung der eigenen Sendung zu leben“ (ebenda 58). Es dreht sich gerade darum, die beiden grundlegenden Aspekte, die vorher aufgezeigt wurden, miteinander zu verbinden und tiefer einzuwurzeln: Christsein und Sendung, Communio und Sendung. Das ist das, was man mit der Bezeichnung „Einheit des Lebens“ zusammenfasst. Um in der Verkündigung mitzuwirken, ist vor allem notwendig, Christ zu sein, das heißt Christus nachzufolgen, und zwar nicht nur teilweise, bei manchen Gelegenheiten oder in bestimmten Augenblicken, sondern ganzheitlich, überall und immer. Nur so kann jede Aufgabe, die ein Christ im Schoss der Gesellschaft verrichtet, zu einer Aufgabe werden, die eine missionarische Dimension hat, sie kann zu einer Sendung werden. Voraussetzung ist die Bemühung, die Einheit des Lebens zu pflegen, zu bewahren und zu entfalten. Die Anleitung zu dieser Einheit des Lebens zu vermitteln, ist eine der Hauptaufgaben der Hirtensorge im Zusammenhang mit der Bemühung um eine echte Neuevangelisierung. So heißt es in „Christifideles laici“: „Die Spaltung bei vielen zwischen dem Glauben, den man bekennt, und dem täglichen Leben gehört zu den schweren Verirrungen unserer Zeit. Aus diesem Grund „ – so der Papst – „habe ich behauptet, dass ein Glaube, der nicht zur Kultur wird, ein Glaube ist, der nicht voll angenommen, nicht ganz durchdacht und nicht treu gelebt ist“ (CF 59).


Es ist daher vordringliche Aufgabe, alle Christgläubigen zu einem Leben des Gebetes hinzuführen, das in den Alltag integriert ist. Sie müssen lernen, die Betrachtung seines Wortes mit dem eigenen Leben in Bezug zu bringen und seinen Ruf zu Nachfolge und Umkehr wahrzunehmen. Dem Sakramentenempfang kommt eine ganz grundlegende Bedeutung zu, damit Christus in der Seele lebt und im Verhalten sichtbar wird. Dazu gehört auch ein entsprechendes Streben nach Umgestaltung in Christus als Grundlage jeder apostolischen Fruchtbarkeit. Oder mit Worten des Gründers des Opus Dei: „Jeder von uns muss „ipse Christus“ sein. Christus ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen, und wir vereinigen uns mit ihm, um durch ihn alles dem Vater darzubringen… Christus hat uns ein für allemal den Weg der Liebe zu Gott gewiesen: Das Apostolat ist Ausdruck unserer Liebe zu Gott, die überfließend sich dem anderen mitteilt. Inneres Leben setzt Wachstum in der Vereinigung mit Christus im Brot und im Wort voraus. Der apostolische Eifer ist das genaue, angemessene und notwendige Sichtbarwerden des inneren Lebens. Wenn man die Liebe Gottes erfährt, spürt man die Last der Seelen. Inneres Leben und Apostolat lassen sich nicht voneinander trennen, wie es ebenso wenig möglich ist, in Christus den Gottmenschen vom Erlöser zu trennen. Das Wort sollte Fleisch werden, um die Menschen zu retten, um sie zur völligen Einheit mit sich zu führen. Das ist der Grund seines Kommens: Für uns und um unseres Heiles Willen ist er vom Himmel herabgestiegen…“(Christus begegnen 121/122).


Wenn wir über das Wesen der christlichen Berufung – so wie es eben definiert wurde – nachdenken, dann wird bewusst, dass der „Ort“ für die apostolische Wirksamkeit des Laien überall sein kann: In jeder Familie, in jedem Dorf, im abgelegensten Winkel der Erde genauso wie in der Großstadt, in jedem Beruf, an der Hochschule oder am Markt, in der Fabrik oder am Feld. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Es setzt aber voraus, dass das Licht entzündet ist. Die Unersetzbarkeit und die unabsehbare Fülle der apostolischen Wirksamkeit, die auf diese Weise grundgelegt und ermöglicht ist, lässt die Sendung der Laien in der Verkündigungs- und Heilsaufgabe der Kirche mit großer Deutlichkeit erkennbar werden.


Wenn dabei bedacht wird, dass die Säkularisierung in der Tat durch ein sittliches Auseinanderklaffen gekennzeichnet ist zwischen christlichem Leben und politischer, gesellschaftlicher und beruflicher Realität, dann wird uns bewusst, dass die menschliche Gemeinschaft nur dann von neuem zu einer christlichen wird, sofern und soweit in ihr die einzelnen Glieder christlich sind. Es ist vor allem Aufgabe der Laien, dem Prozess der Säkularisierung entgegenzuwirken und um die Heiligung der Welt bestrebt zu sein. Dabei bedeutet für sie an der Sendung der Kirche mitwirken nicht bloß die Kirche im eigenen beruflichen, gesellschaftlichen, familiären Bereich „einführen“, sondern vielmehr in diesem Bereich als Christ, als Jünger Christi gegenwärtig sein.


Aus all dem lässt sich leicht erkennen, dass den Laien eine hervorragende Bedeutung in der Sendung der Kirche zukommt, dass wohl als eine der dringendsten Pflichten in Hinblick auf eine größere Wirksamkeit der Kirche in unserer Zeit der spirituellen, theologischen und apostolischen Bildung der Laien Priorität beizumessen ist, und zwar müssen mit der Gnade Gottes wahre Christen hervorgerufen werden.


Zum Abschluss soll nochmals der Gründer des Opus Dei zu Wort kommen: „Das Apostolat ist wie das Atmen des Christen. Ein Kind Gottes kann ohne diesen übernatürlichen Pulsschlag nicht leben… Unsere Verantwortung ist groß; denn Zeuge Christi sein erfordert vor allem, nach seiner Lehre zu leben und uns anzustrengen, dass unser Verhalten Christus erkennen lässt und an seine liebenswerte Gestalt erinnert. Wir müssen so leben, dass die Menschen, denen wir begegnen, sagen können: Der ist ein Christ, denn er hasst nicht, er ist fähig zu verstehen, er ist nicht fanatisch, er hat sich in der Gewalt, er kann Opfer bringen, er sucht den Frieden, er liebt.“