Diakonenweihe Stift Melk

Liebe Brüder und Schwestern! In den Zeiten missionarischen Aufbruchs entstand in der Urkirche sehr bald die Notwendigkeit, Männer „von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit“ zu suchen, die zur Entlastung der Apostel gewisse Dienste übernehmen konnten, so wurde uns in der 1. Lesung aus der Apostelgeschichte berichtet.


Aus ähnlichen Gründen wie damals wurde im II. Vatikanischen Konzil der Beschluss gefasst, auch für die heutige Zeit bewährte, verheiratete Männer zum diakonalen Dienst zuzulassen. In unserer Diözese haben wir bereits eine beträchtliche Anzahl und wir haben allen Grund dankbar zu sein, wenn heute weitere elf ausgewählte Männer der Gruppe der Ständigen Diakone hinzugefügt werden. Die Ständigen Diakone leisten in unseren Gemeinden und in der kategorialen Seelsorge einen wichtigen Beitrag.


Es ist „Sache des Diakons“ - so heißt es in der Dogmatischen Konstitution der Kirche im II. Vatikanum -, „… feierlich die Taufe zu spenden, die Eucharistie zu verwahren und auszuteilen, der Eheschließung im Namen der Kirche zu assistieren und sie zu segnen, den Sterbenden die Wegzehrung zu überbringen, den Gläubigen die Heilige Schrift vorzulesen, das Volk zu unterweisen und zu ermahnen, dem Kult und dem Gebet der Gläubigen vorzustehen, Sakramentalien zu spenden und den Beerdigungsdienst zu leisten. Den Pflichten der Liebe und der Verwaltung hingegeben, sollen die Diakone der Mahnung des seligen Polykarp gedenken: „Barmherzig, eifrig, wandelnd nach der Wahrheit des Herrn, der aller Diener geworden ist.“ (LG 29).


Das ist eine gute, vollständige Beschreibung des diakonalen Dienstes. Die zweite Lesung und das Evangelium des heutigen Sonntags passen zu dieser Beschreibung. In der Lesung aus dem Jakobusbrief wird erklärt: dass es dort , wo Eifersucht und Ehrgeiz herrschen, böse Taten jeder Art gibt. „Doch die Weisheit von oben – so heißt es wörtlich – ist erstens heilig, sodann friedlich, freundlich, gehorsam, voll Erbarmen und reich an guten Früchten..“ Dann fährt Jakobus fort: „Wo Frieden herrscht, wird von Gott für die Menschen, die Frieden stiften, die Saat der Gerechtigkeit ausgestreut“. Im Evangelium ist dann von der Notwendigkeit des Dienens die Rede. Den 11 Männern, die die Diakonenweihe empfangen, werden die Hände aufgelegt, damit sie Männer des Friedens sind, die Saat der Gerechtigkeit ausstreuen und wichtige Dienste verrichten. Im Wesentlichen geht es um den dreifachen Dienst: Um den Dienst an der Liturgie, um den Dienst am Wort Gottes und um Dienste im Bereich der Nächstenliebe.


Die Kirche braucht Männer, die, befähigt durch Handauflegung und Weihe. Christus, das Haupt der Kirche, vergegenwärtigen, die die Menschen durch ihr Leben und durch ihren Einsatz daran erinnern, dass der Menschensohn getötet wurde, aber nach drei Tagen auferstanden ist; dass das Wort Gottes den Menschen auf den richtigen Weg bringt und die Nächstenliebe zur Erfahrung der Gottesliebe führt bzw. Gottesliebe immer Nächstenliebe hervorruft.


Ihr, die Ihr heute die Diakonenweihe empfängt, seid daher für uns und für unsere Gesellschaft Hoffnungsträger. Denn in unserer Zeit, in der viele von den Trends der Wohlstandsgesellschaft und der Denkweise einer aufgeklärten Welt erfasst sind, ist jeder, der Christus im Herzen trägt und den anderen bringt, eine echte Hoffnung.


Vor einigen Tagen sagten mir einige Männer, die zur gleichen Berufssparte gehören wie einer unserer heutigen Weihekandidaten: „Wir sind stolz darauf, dass einer von uns zum Diakon geweiht wird.“ Es hat mich gefreut, dass sie das sagen, und ich denke, dass sie recht haben. Es ist eine Freude, dass die Elf, die heute die Weihe empfangen, zu diesem Dienst und zu diesem Einsatz bereit sind: Es wird ein Segen für die Kirche sein, aber auch für sie selbst und für ihre Familien. Wer sich für so einen Dienst zur Verfügung stellt, ist zwar gefordert: Es braucht Zeit und Kraft, so manches Opfer wird nötig sein, auch für die Familien, aber es bereichert.


Wer als Aufgabe hat, anderen Christus zu bringen, ist genötigt, Christus mit einer besonderen Innigkeit zu suchen, mit ihm intensiv zu verkehren, ihn ins eigene Leben aufzunehmen, und zwar nicht nur in der Theorie, sondern in der Praxis. Es ist zwar wahr, dass die Wirksamkeit sakramentaler Handlungen nicht von der Würde des Spenders abhängt, trotzdem macht es sehr viel aus – das wissen wir alle , ob der Verkünder des Evangeliums bzw. Spender eines Sakramentes selbst Christus im Herzen trägt oder nicht. Und ebenso wahr ist, dass es den Gläubigen den Zugang zu Christus sehr erschwert, wenn jene, die in besonderer Weise Diener Gottes sein sollen, innerlich erloschen, innerlich leer sind. Durch dieses Bemühen, im Glauben zu wachsen, in den Darlegungen des Glaubens immer klarer und tiefer zu werden, profitieren alle, derjenige aber, der den Glauben an andere weitergeben möchte und sich deshalb entsprechend um Glaubensvertiefung bemüht, profitiert selbst am meisten.


Wer das Wort Gottes verkünden, erläutern, anderen nahebringen möchte, muss sich selbst damit beschäftigen, es meditieren, die Kommentare Heiliger lesen und auf die Gläubigen eingehen, denen er es vermitteln möchte. Bei der Übergabe des Evangeliums im Rahmen der Weihezeremonie wird dem Weihekandidaten gesagt: „Zu seiner Verkündigung bist du bestellt. Was du liest, ergreife im Glauben; was du glaubst, das verkünde, und was du verkündest, erfülle im Leben.“ Das ist ein Lebensprogramm, ein Schatz für sich und die Anderen, eine Quelle, aus der man immer wieder von neuem schöpft.


Und wer die Nächstenliebe fördern möchte, muss sie selbst pflegen und entfalten: In der eigenen Familien, in der Ehe, am Arbeitsplatz. Das ist eine Voraussetzung für solch einen Dienst. Daher möchte ich die Frauen der zukünftigen Diakone ermutigen, schaut darauf, dass sich Eure Männer auch in Hinkunft genügend Zeit für Eure Familien nehmen und dass ihr gemeinsam um die Verwirklichung einer echt christlichen Familie bemüht seid.


Die Diakonenweihe sollte in allen, die sie empfangen, im Herzen eine Glut entzünden, die nicht mehr vergeht, die allmählich anwächst und sich ausbreitet auf die eigene Familie, auf die Umgebung und auf die Gemeinden, in denen sie tätig sind. Vielen Menschen werdet Ihr, wenn Ihr Eure Aufgabe treu erfüllt, Licht bringen, Ihr selbst und Eure Familien werden daraus großen Nutzen ziehen.


Den Familien der Weihekandidaten möchte ich schließlich noch etwas zurufen: Ich bitte Euch, die Aufgabe Eures Mannes, Eures Vaters mitzutragen, ihm Rückhalt und Beistand zu sein. Jeder Mensch braucht das. Euer Mann, Euer Vater braucht es besonders. Und Euch wird es zum Segen gereichen.


Die Fürsprache aller heiligen Diakone so wie die Fürsprache Mariens mögen Euch beistehen.