Christliche Gemeinde in Antalya

Mit vielen Eindrücken sind die Pilger der diesjährigen Diözesanwallfahrt St. Pöltens nach einer Woche aus Kleinasien zurückgekehrt, wo sie sich auf die Spuren des Apostels Paulus begeben hatten und jene Orte besuchten, wo die ersten christlichen Gemeinden entstanden sind. In Antalya ist unter Pfarrer Rainer Korten eine neue christliche Gemeinde entstanden.
Homepage St. Nikolaus-Gemeinde Antalya

Die Begegnung mit den einst christlichen Stätten und ihr heutiger meist desolater Zustand rief in vielen Pilgern Bestürzung hervor. In Perge, wo Paulus zu seiner ersten Missionsreise aufgebrochen war, führte Bischof Klaus Küng den Pilgern die Wechselhaftigkeit der Zeit vor Augen „Hier erkennen wir, wie wechselhaft die Geschichte der Menschheit ist“, meint er. Wo einst blühende christliche Gemeinden bestanden haben, künden nur mehr Ruinen und renovierungsbedürftige Kirchen vom einstigen Leben. In Antalya regt sich wieder eine neue Christengemeinde.

Präsident Kemal Atatürk hatte nach dem ersten Weltkrieg und der osmanischen Zeit eine moderne Republik nach westlichem Muster zu schaffen versucht. Religiöse Symbole, Orden und viele Traditionen wurden per Gesetz abgeschafft. Die Türkei wurde ein laizistischer Staat mit einer strikten Trennung von Staat und Kirche.
Der Islam geblieben, wenn auch mit vielen Einschränkungen. Kopftuchtragen ist an Schulen und Universitäten strikt verboten. Die meisten Moslems verstehen sich als „U-Boot-Moslems“, die nur an moslemischen Fest- und Gedenktagen „auftauchen“ und dann wieder unter der religiösen Oberfläche verschwinden. Die Christlichen Kirchen, vor allem auch die orthodoxe Kirche, sind fast völlig verschwunden. Verfallende Kirchen im byzantinischen Stil künden noch von dieser Vergangenheit.
Die Unkenntnis über Religion und Kirche ist vor allem bei den Jugendlichen sehr groß, erklärte der türkische Reiseleiter. Am Gottesdienst der Pilger in Sinassos nahmen zwei türkische Mädchen teil. Sie waren neugierig, was da eigentlich passiert. Das Interesse ist groß, aber das Angebot weithin nicht vorhanden.
Die Pauluskirche von Konya wird von zwei Schwestern betreut. Es gibt in dieser aufstrebenden Stadt mit einer Million Einwohner aber noch eine weitere Christin. Die ist aber schon über 80 Jahre alt. Gottesdienst gibt es nur sehr selten. Hin und wieder kommt Pfarrer Rainer Korten aus dem 400 Kilometer entfernten Antalya, um die Messe mit ihnen zu feiern. Heuer ist es besser, da im Paulusjahr viele Pilgergruppen vorbeikommen und Gottesdienst feiern, freuen sich die Schwestern.

Prälat Korten und sein Werk

In der deutschen Touristenhochburg Antalya regt sich wieder etwas kirchliches Leben.
Prälat Rainer Korten hat im Auftrag der deutschen Bischofskonferenz mit dem Aufbau einer christlichen Gemeinde für die deutschsprachigen Bewohner begonnen, von denen es etwa 15.000 Dauergäste gibt. Vor fünf Jahren konnte er die St. Nikolaus-Kirche in Antalya auf der Basis eines Vereines errichten. „Ein mühsamer Beginn“, meinte er. Aber nur so war es im Vorfeld der beginnenden Gespräche über einen EU-Beitritt möglich, wieder eine offizielle christliche Gemeinde ins Leben zu rufen.
Jedes der Gründungsmitglieder musste 51 Unterschriften leisten, erinnerter an die großen bürokratischen Hürden. Zwischen Gesetz und Praxis gebe es immer auch Kompromisse, habe er erfahren und nennt diese Art „türkische Lösungen“, die stets möglich waren. Seit damals kann die christliche Gemeinde Gebäude mieten und erwerben, religiöse Schriften einführen und auflegen und ungehindert Seelsorge in Krankenhäusern und Gefängnissen wahrnehmen.
Der Umgang mit den Behörden sei zwar „kompliziert, aber immer liebenswürdig und menschlich“, bestätigte der 68-jährige Priester, der Menschen aus dutzenden Nationen betreut. „Ökumenische Gottesdienste“ mit anschließendem Kaffee und Kuchen werden von Menschen aus dutzenden Nationen gerne besucht. Er selbst sieht sich und seine St. Nikolaus-Gemeinde als eine Art Rettungsstation für Hilfesuchende.

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