"Brauchen Priester, die mit Freude arbeiten"

Kalt, windig und wolkenverhangen zeigt sich Maria Taferl hoch über dem Ort Marbach, als sich die kleine Pilgergruppe von etwa 20 Priestern am 12. Oktober zum Jahr des Priesters mit Bischof Klaus Küng, Weihbischof Anton Leichtfried und Generalvikar Eduard Gruber zum Aufstieg zur Basilika Maria Taferl machten. An einzelnen Stationen regte Weihbischof Leichtfried an, sich die eigene Berufung zum Priester in Erinnerung zu rufen. Zur Messe in der Basilika mit Bischof Don Alfredo Schäffler waren dann fast 100 Priester und Diakone aus der Diözese gekommen. „Wir dürfen zuversichtlich sein auf das Anliegen dieser Wallfahrt“, hieß Bischof Küng die Anwesenden willkommen. Kirche und Gesellschaft brauchen „frohe, zuversichtliche und heiligmäßige Priester“, damit „alle zusammen ein priesterliches Volk sind“, wies er hin.


"Müssen selbst von Christus begeistert sein"


In der folgenden Predigt ging Bischof Alfredo Schäffler auf den tieferen Sinn der Mission und damit der Neuevangelisierung ein. Sie sei „ein Drang, der im Herzen liegt“, betonte er. „Nur wenn wir selbst begeistert sind von Christus, können wir diese Begeisterung auch auf die Menschen übertragen“. Man werde die Botschaft „nur dann abnehmen, wenn wir immer wieder versuchen, eine fußwaschende, dienende Kirche zu sein“, hob Schäffler weiter hervor. Die Welt brauche Priester - auch wenn die Menschen nicht zur Kirche kommen, seien sie suchende Menschen, wies der aus Waidhofen/Ybbs stammende Missionsbischof hin. Auch in der postmodernen Zeit gebe es die „Blinden und Krüppel“, von denen die Bibel spricht und auf deren Seite wir uns stellen müssten, sagte Schäffler. Nur dann könne die Botschaft glaubwürdig sein. Die „Blinden und Krüppel“ seien heute vor allem die Kinder und die alten Menschen, die nicht in den Produktionsprozess passen. Auf ihrer Seite stehen bedeute auch, gewisse Systeme und Positionen in Frage zu stellen, merkte er an.


Solange Menschen hungern, ist das Reich Gottes nicht verwirklicht"


Ein Familienvater in den Müllhalden am Stadtrand von Parnaiba verdiene in einem Monat “wenn’s gut geht“, etwa 25 Euro, mit denen er die Familie ernähren muss. Manchmal findet man auch ein totes Huhn, das verspeist werden kann, erzählte Schäffler. „Solange diese Menschen hungern und nach Essbarem suchen müssen, haben wir das Reich Gottes noch nicht verwirklicht. Und solange das so ist, müssen wir missionarischer werden und hinausgehen zu den Menschen“, forderte der Bischof aus Parnaiba im Nordosten Brasiliens.
Die Globalisierung bringe die Menschen näher zusammen, nicht aber die Geschwisterlichkeit, bedauerte er. Es sei daher auch Aufgabe der Kirche, diese Geschwisterlichkeit aufzubauen. Einer der schönsten Briefe, den er, Schäffler, erhalten habe, lautete „Durch dich habe ich wieder Gott gefunden“. Nicht wegen einer Predigt, sondern einfach wegen der Tatsache, dass er mit dem Auto angehalten habe, ausgestiegen sei und einem Blinden über die verkehrsreiche Straße geholfen hat.


Neuevangelisierung braucht neue Methoden


„Das sind die neuen Herausforderungen“, betonte Bischof Schäffler abschließend: „wir die Neuevangelisierung ansetzen, mit neuen Methoden und neuen missionarischen Prioritäten“. Und er fügte hinzu: „Die Welt braucht heute enthusiastische Priester, die mit Freude arbeiten“