Bischof Küng fordert Hilfe für Schwangere in Not

Diözesanbischof Klaus Küng hat einen Bericht des österreichischen Nachrichtenmagazins "profil" zurückgewiesen, wonach er die Wiedereinführung der Bestrafung von Frauen nach einer Abtreibung fordere.
In einem Brief an "profil"-Chefredakteur Christian Rainer hält Küng dem Magazin eine verzerrende Wiedergabe von Interviewaussagen vor. Er habe in seinen Antworten "vielmehr Milde für Frauen, die abgetrieben haben", gefordert. Der Kirche gehe es um den Schutz wehrloser Kinder und auch um den Schutz schwangerer Frauen vor dem Druck außenstehender Personen, die sie zu einer Abtreibung drängen wollen. Sein "erstes und wichtigstes Anliegen" sei Hilfe für Schwangere in Not. Bischof Küng - er ist in der Österreichischen Bischofskonferenz für Familienfragen zuständig - wirft in dem Brief dem Nachrichtenmagazin zudem "schweren Vertrauensbruch" vor. Er habe einem Interview nur unter der Bedingung zugestimmt, dass der von ihm autorisierte Text des Interviews in vollem Wortlaut erscheint, hält der Bischof fest.
Von Seiten der "profil"-Redaktion sei diese Abmachung nicht eingehalten worden. Offensichtlich hätten seine - Küngs - Aussagen in dem Interview "nicht in ein vorgefertigtes Konzept von strafenden Bischöfen" gepasst.
Küng weist daher die "reißerische und sachlich unwahre" Überschrift des "profil"-Artikels ("Bischof Küng fordert die Wiedereinführung der strafrechtlichen Verfolgung von Frauen, die abgetrieben haben") zurück. Er halte die vom Magazin eingeschlagene Vorgangsweise "für journalistisch höchst bedenklich und eines Nachrichtenmagazins wie 'profil' unwürdig". Lebensschutz bleibt stetes Anliegen


Wir dokumentieren nachfolgend den von Bischof Küng autorisierten Wortlaut des Interviews:


(KAP)


"profil": Herr Bischof, in einem Gespräch mit kath.net zum Thema Abtreibungen werden Sie zitiert: "Es wird zu überlegen sein, wo Vindikationen ansetzen sollen". Wie könnten angemessene Vindikationen aussehen und wo könnten sie ansetzen?


Küng: Mein erstes und wichtigstes Anliegen ist nicht Bestrafung, sondern Hilfestellung in Schwangerschaftskonfliktsituationen durch Beratung, materielle Hilfe oder Vermittlung von Adoption, nach einer Abtreibung durch seelischen Beistand und Trost, Vergebung und Ermutigung.
Wahr ist aber auch: In Österreich hat ein Kind in den ersten drei Lebensmonaten und ein behindertes Kind sogar während der gesamten Schwangerschaft keinerlei gesetzlichen Schutz. Das ist eigentlich schrecklich.
Wie könnten strafrechtliche Maßnahmen aussehen? Zu bedenken ist, dass schwangere Frauen in Konfliktsituationen oft unter großem Druck stehen. Auch Frauen haben natürlich ihre Verantwortung - Abtreibung ist und bleibt immer ein Strafbestand, auch in der jetzt geltenden Regelung ist das so -, aber es kann auch mildernde Gründe geben, die insbesondere bei betroffenen Frauen zu berücksichtigen sind.
Ich würde bei jenen ansetzen, die auf eine schwangere Frau Druck ausüben, das Kind abtreiben zu lassen. Das kann der Kindesvater sein oder andere Personen; bezüglich Arbeitgeber gibt es schon Strafbestimmungen.
Die Ärzte müssen in die Pflicht genommen werden. Die Kirche fordert seit Jahren, verschiedene Punkte gesetzlich festzulegen und bei Nichtbefolgung zu bestrafen; z. B. Einhalten einer Bedenkfrist, umfassende Informationspflicht über alle Folgen einer Abtreibung, verpflichtender Hinweis auf angemessene psychosoziale Beratung, verpflichtende Aufforderung zur Konsultation eines anderen Arztes.
Das wären jedenfalls erste kleine Schritte in die richtige Richtung.


"profil": Wenn man sich fragt, welche Art von Tötungsdelikt eine Abtreibung darstellen würde, kann man nach juristischer Logik nur Mord nennen, schon deshalb, weil der Eingriff vorsätzlich und geplant und eindeutig mit Tötungsabsicht vorgenommen wird. Wie soll man Abtreibungen nun bestrafen?


Küng: Sie haben Recht, wenn Sie von Tötungsdelikt sprechen. Papst Johannes Paul II. hat nicht gezögert, Abtreibung als ein "verabscheuungswürdiges Verbrechen" zu bezeichnen, weil sich das Kind nicht wehren kann.
In der derzeitigen gesellschaftlichen und politischen Situation sehe ich keine andere Möglichkeit, als möglichst viele Hilfestellungen anzubieten und mit allen Kräften erneut eine Sensibilisierung für das wichtige Anliegen des Lebensschutzes anzustreben. Sofort sollten wenigstens die längst fälligen Verbesserungen der bestehenden Gesetzeslage im oben angedeuteten Sinn erreicht werden. Das langfristige Ziel muss aber ein umfassender Lebensschutz von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod sein. Die Kirche wird nie aufhören, dies einzufordern.


"profil": Ist ein pränataler Mensch und seine Tötung doch anders einzustufen als ein geborener Mensch?


Küng:Der Mensch ist Mensch von Anfang an. Niemals darf man Kriterien einführen, zu welchem Zeitpunkt seines Lebens einem Menschen "weniger Lebensrecht" zusteht. Nach Auffassung der katholischen Kirche ist ein "abgestufter Lebensschutz" ethisch niemals akzeptabel. Schon aus diesem Grund ist auch die "Fristenlösung" keine Lösung. Was ist also anders, fragen Sie? Nur dieses: Ein Kind kann vor der Geburt nicht protestieren.


"profil": Könnte es sein, dass sich die Kirche mit ihrer Forderung nach strafrechtlicher Verfolgung von abtreibenden Frauen bzw. durchführenden Ärzten zu sehr in die Politik einmischt?


Küng: Die Kirche fordert, das dürfte aus meinen Antworten klar geworden sein, nicht so sehr die strafrechtliche Verfolgung schwangerer Frauen, als vielmehr den Schutz wehrloser Kinder und dann auch den Schutz schwangerer Frauen vor dem Druck außenstehender Personen. Außerdem gehören Verantwortungslosigkeit und Geschäftemacherei mit dem Leben bestraft.
Und ich wage zu behaupten, die Kirche muss sich bei diesem Thema immer wieder einmischen, es ist ihre Pflicht, zum Wohle der Menschen und der ganzen Gesellschaft ihre Stimme zu erheben. Denn wie schon Kardinal König wiederholt sagte, die Abtreibung hinterlässt eine tiefe Wunde in der Gesellschaft.