Bischof Klaus Küng fünf Jahre in St. Pölten

Vor fünf Jahren, mit 7. Oktober 2004, wurde Bischof Klaus Küng zum Diözesanbischof von St. Pölten ernannt, nachdem er rund um die damaligen Vorfälle im Priesterseminar mit 20. Juli zum Apostolischen Visitator bestellt worden war. Die feierliche Amtseinführung fand am 28. November statt.
In einem Interview mit den Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) blickt Bischof Klaus Küng auf die vergangenen Jahre seines Wirkens in der Diözese St. Pölten zurück und auf die Schritte der Versöhnung und Erneuerung, die in weiten Bereichen gelungen sind. „Dankbar für Entwicklung!“


Fünf Jahre Diözesanbischof . St. Pöltens Bischof Küng über seine Diözese, sein verhältnis zu Bischof Krenn und die Landespolitik


VON MARTIN GEBHART


NÖN: Fünf Jahre Diözesanbischof von St. Pölten. Nach den ganzen Vorfällen mussten Sie damals ganz von vorne beginnen. War es ein sehr harter Weg?


Küng: Ich bin dankbar, wie es gegangen ist. Das waren sehr intensive fünf Jahre mit einer - würde einmal sagen - harten Arbeit in dem Sinne, dass ich, wie seinerzeit in VorarIberg, in der ganzen Diözese meine Besuche gemacht habe. Schon im ersten Jahr habe ich eigentlich mit allen Priestern in den Dekanaten Gespräche geführt, hatte Kontakte mit Religionslehrern und habe Land und Leute auch wirklich kennen gelernt und gesehen, dass es ein weites, schönes Land mit Geschichte ist.


NÖN: Eine große Herausforderung war Ihr Wunsch, nach den vielen Vorfällen in die Diözese Versöhnung zu bringen. Hat sich dieser Wunsch erfüllt?


Küng: Ich bin dankbar für die Entwicklung, die auf den verschiedensten Ebenen im Gange ist. Ich glaube, dass schon eine echte Beruhigung eingetreten ist, dass auch. eine ganze Reihe von Versöhnungsschritten gelungen sind. Das bedeutet nicht, dass da jetzt schon alle Probleme gelöst worden sind. Aber ich habe den Eindruck, dass es inzwischen doch ein gutes Miteinander gibt.


NÖN: Sie waren als Visitator nach St. Pölten gekommen und wurden zum Diözesanbischof ernannt. Wie haben Sie die Skepsis überwunden, die Ihnen gegenüber anfänglich vorhanden war?


Küng: Ich glaube, die entscheidende Grundlage dafür ist letztlich der Glaube an Gott, der Glaube an Christus. Ich habe ja schon damals immer betont, der christliche Glaube ist ein Weg, ein breiter Weg, den ich mit der Autobahn verglichen habe. Es gibt hier auch Randsteine, die man beachten muss, links und rechts. Ich habe immer versucht, hier mit Bezug auch auf das Zweite Vatikanische Konzil dieses Gemeinsame hervorzuheben. Schon auch die Randsteine hier und dort aufzuzeigen. Dann glaube ich schon, dass die persönlichen Begegnungen von größter Bedeutung sind, Vertrauen braucht diese Grundlage des Kontaktes, die Erfahrung, dass man miteinander kann. Und ich denke schon, dass da vieles im Wachsen ist.


NÖN: Es war bei der Abtweihe in Göttweig bemerkenswert, wie das gute Verhältnis zwischen Diözese und Stifte betont wurde. Das war ja bei Ihrem Amtsantritt nicht so?


Küng: Ich habe von Anfang an den regelmäßigen Kontakt mit allen Äbten gesucht. Ich habe neu eingeführt, dass wir zweimal im Jahr eine Äbtekonferenz haben, an der ich teilnehme. Wo auch der Weihbischof teilnimmt und der Generalvikar. Für mich war die Mitwirkung der Stifte in diesem Bemühen um eine Erneuerung der Kirche in unserer Zeit immer ein ganz wichtiger Aspekt.
Nicht nur, weil die Stifte ein Drittel der Pfarren betreuen, sondern auch, weil die Stifte auch ihre eigenen Charismen haben. Ich halte den Kontakt, damit wir für die Stifte und die Diözese geeignete und positive Möglichkeiten für die Pastoral der Gegenwart und der Zukunft entwickeln.


NÖN: Am Beginn Ihrer Amtszeit wurde auch die Angst geäußert, dass Ihre Arbeit durch ständige Wortmeldungen von Altbischof Kurt Krenn erschwert werden könnte. Das ist nicht passiert. Haben Sie noch Kontakt mit Altbischof Kurt Krenn?


Küng: Ich habe regelmäßigen Kontakt. Ich besuche ihn. Er ist leider in einem stabil schlechten gesundheitlichen Zustand. Unsere Beziehung war immer eine gute, und ich sehe schon auch mit sehr viel Anteilnahme, dass er sich einfach gesundheitlich in einer schwierigen Situation befindet.


NÖN: Eine Ihrer ersten und wichtigsten Aufgaben als Bischof war nach dem Skandal der Neubeginn für das Priesterseminar. Ist dieser gelungen?


Küng: Zum einen darf ich sagen, ich bin froh über die personellen Entscheidungen, die ich getroffen habe. Das kann man immer erst nach einiger Zeit sehen. Ich bin froh, dass wir den Weihbischof haben, der gleichzeitig Regens des Priesterseminars ist. Das ist ein ganz wichtiger Schritt gewesen, auch im Sinne der vertrauensbildenden Maßnahmen zwischen Klerus und Priesterseminar, das ja so etwas wie das Herz jeder Diözese ist. Ich glaube schon, dass durch die Leitung - Regens, Subregens und Spiritual - es gelungen ist, hier wirkliche Heilungsprozesse einzuleiten bzw. durchzuführen. Es wurden ja in den letzten Jahren mehrere Kandidaten geweiht. Mit voller Zustimmung des Klerus, denn dieser hat da schon auch mitverfolgt, mit welcher Sorgfalt und mit welcher Umsicht die verschiedenen Klärungen, die notwendig waren, in dem einen oder anderen Fall e durchgeführt wurden.


NÖN: Was waren in den vergangenen fünf Jahren die Momente, aus denen Sie heraus Kraft geschöpft haben?


Küng: Da hat es eine ganze Reihe von Erfahrungen gegeben. Etwa die Ernennung des Weihbischofs und seine Weihe, das war sicher ein ganz wichtiger Augenblick, wo man gemerkt hat, wie die Diözese auch jubiliert. Ich denke auch an die Abtbenediktion in Geras. Das war ein wichtiger Moment auch der Versöhnung. Auch Göttweig war ein ganz wichtiger Moment. Oder Maria Taferl, die Erneuerung scheint mir wie ein Symbol zu sein. Wenn man die jüngste Wallfahrt sieht, wo viele Leute dabei waren. Maria Taferl selber erstrahlt jetzt schon wunderbar, und ich habe Hoffnung, dass dadurch Prozesse eingeleitet werden, die zu einer echten Fruchtbarkeit führen können.


NÖN: Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zur Politik in Niederösterreich?


Küng: Ich glaube, ich darf sagen, wir haben ein gutes Verhältnis. Ich habe auch immer klargestellt, jeder muss an seinem Platz sein und wissen; welches seine Aufgabe ist. Ich habe immer und überall, nicht nur hier in Niederösterreich, die Freiheit der Kirche als einen ganz wichtigen Aspekt betrachtet. Gleichzeitig ist meine Erfahrung auch hier in Niederösterreich, dass ein Zusammenarbeiten überall dort, wo es eben gemeinsame Aspekte gibt, für das Gemeinwohl in jeder Hinsicht von Vorteil ist. Ich bin dankbar dafür, dass wir ein gutes Miteinander haben.


NÖN: Vor fünf Jahren haben Sie als größten Wunsch geäußert, dass Ihnen die Versöhnung in der Diözese gelingt. Was ist heute Ihr größter Wunsch?


Küng: Mein größter Wunsch ist, dass eine wirklich lebendige Jugendarbeit, Familienpastoral ja eigentlich Seelsorge entsteht, in der Jung und Alt entdecken kann, da gibt es eine Quelle, aus der ich Kraft schöpfe, aus der mir Heilung zufließt in meinen Schwierigkeiten, die mir Horizonte öffnet für meine Arbeit, für mein Leben.