Baustellen der Solidarität

Als „Baustellen der Solidarität“ können die Emmausgemeinschaft wie auch die Sozialmärkte „SOMA“ und die soziale Beschäftigungsinitiative „SAM“ bezeichnet werden. „Ich glaube, dass die Solidarität in Zukunft das Tragendste sein muss, um eine Zukunft zu gestalten“, erklärte DI Dr. Walter Feninger, Geschäftsführer von SAM und SOMA am 5. März beim Forum 23 im Pfarrsaal Stattersdorf. Und Geschäftsführer Mag. Karl Rottenschlager von Emmaus St. Pölten ergänzt: „Wir brauchen heute ein radikale Gesinnung des Teilens, denn es gibt nur eine Welt für alle“.

„Jeder kann in unserem Wirtschaftssystem morgen schon überflüssig sein“, stellte Karl Rottenschlager fest. „Die Gruppe, die wir vertreten, kommen bei den Trendforschern überhaupt nicht mehr vor“, schildert er die eingeschränkte Sicht vieler Menschen. Mit der Emmausgemeinschaft in St. Pölten tritt er „für eine Zivilisation der Liebe und gegen eine Kultur des Todes“ ein, wie er sagte. Christen hätten eine Botschaft zu vermitteln, jedem Menschen seine Würde zu geben. Der Mensch dürfe nicht „ein Kostenfaktor auf zwei Beinen“ sein. Auch in den schwierigsten Fällen gebe es „keinen hoffnungslosen Fall eines Menschen“, weil es auch bei Gott keinen hoffnungslosen Fall gibt, untermauerte er.

„Bei Emmaus zeigen wir, dass in einer Gesellschaft der Gewinnmaximierung eine Arbeits- und Lebensgemeinschaft möglich ist, in der Menschen wieder ihre Würde erhalten“.

5000 Menschen unterstützen heute Emmaus mit Gebet und Spenden, die sieben Wohnheime betreibt, in denen bisher 6.600 Hilfesuchende Zuflucht gefunden haben, sowie weitere fünf Kleinbetriebe und mehrere Projekte.

Es genüge künftig nicht mehr, neben den Armen unserer Gesellschaft zu leben, so Rottenschlager, sondern dorthin zu gehen und zu wirken, wo die Armut gemacht wird – in die Banken, in Wirtschaft und Politik. Heute sei eine radikale Gesinnung des Teilens nötig, da es „keine erste und dritte Welt gibt, sondern nur eine Welt für alle“. Rottenschlager untermauerte, dass „die Kraft der Wahrheit, Gerechtigkeit und Entfeindungsliebe“ stärker als alle Gewalt sei und somit den „Schlüssel für die Globalisierung der Solidarität“ darstelle.

Somamärkte gegen Vernichtung wertvoller Lebensmittel

„Verteilen statt vernichten“ – nach dieser Devise setzen die Sozialmärkte „Soma“ ihre Ideen um: wertvolle Lebensmittel nicht der Vernichtung zuzuführen, sondern Menschen mit geringem Einkommen zu stützen, Beschäftigung anzubieten und einen Ort der Begegnung zu schaffen. Dies erklärte der Geschäftsführer von Soma, Walter Feninger. Soma NÖ und das gemeinnützige Dienstleistungsunternehmen SAM sind Tochterunternehmen der Emmausgemeinschaft St. Pölten.

Die Vernichtung wertvoller Lebensmittel sei gewaltig, erklärte Geschäftsführer Feninger. Allein aus den Lebensmittelfilialen fallen österreichweit jährlich 180.000 Tonnen an. In St. Pölten gibt es seit 2005 einen Soma-Markt, der Lebensmitteln zu Niedrigstpreisen anbietet und in dem täglich etwa Kilogramm Brot kostenlos abgegeben werden. Angeschlossen ist ein Soma-Café, in dem täglich Menü für bedürftige Personen um 1,5 Euro angeboten wird. Personen bis zu einem Einkommen von 820.- Euro (zwei Personen 1230.-) erhalten aufgrund einer Einkommensbestätigung einen Einkaufspass, mit dem sie dreimal in der Woche um höchstens je 10.- Euro einkaufen können. In St. Pölten allein wurden bisher über 2.000 solcher Einkaufpässe ausgestellt, davon etwa zwei Drittel Frauen, vor allem alleinerziehende Mütter, weist Feninger hin. Seit der Teuerung im vergangenen Jahr kommen auch immer mehr Pensionisten.

Der Bedarf wächst. Gab es 2006 noch 29.000 Warenverkäufe so ist diese Zahl in zwei Jahren bereits auf 53.000 gestiegen, erläutert Feininger. Auch die Warenbereitstellung von Firmen ist im gleichen Zeitrum von 263 Tonnen auf 697 Tonnen hinaufgeklettert.

In Niederösterreich gibt es derzeit acht Sozialmärkte, und zwar in St. Pölten, Krems, Ternitz, Stockerau, Tulln, Wr. Neustadt, Schwechat und Mödling. Hinzu sollen noch Amstetten kommen mit einer Verkaufsstelle in Waidhofen/Ybbs, weiters in Baden und ein mobiler Soma-Markt im Waldviertel.

Als gemeinnütziges Dienstleistungsunternehmen setzt sich SAM Niederösterreich (Sozialer Arbeitsmarkt Beschäftigungs-GmbH) zum Ziel, Beschäftigung anzubieten, aber auch Arbeits zu vermitteln und Arbeitskräfte zu verleihen. Dabei werden Reinigungsdienste, Speditionen, Gartenpflege und im Winter auch Scheeräumung durchgeführt. Derzeit haben über diesen sozialen Arbeitsmarkt 68 Personen Arbeit, 52 davon bei Soma.

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