900 Jahre Seelsorge im Mostviertel

Dort, wo heute die kleine Kirche am Ortsrand von Seitenstetten steht, gründete Udalschalk von Stille und Heft vor 900 Jahren die Chorherrenstiftung St. Veit in Seitenstetten. In diesem Zusammenhang wurde auch der Name Seitenstetten erstmals urkundlich erwähnt. Das Stift, die Pfarre und die Marktgemeinde Seitenstetten nehmen dieses Jubiläum zum Anlass, um das Jahr 2009 besonders zu feiern und zu gestalten.
Den Auftakt der Feierlichkeiten zum 900-Jahr-Jubiläum bilden am 19. April das Kirchweihfest der Kirche zu St. Veit um 10 Uhr und die Eröffnung der Sonderausstellung „Mostviertel 1109 – Das Herz beginnt zu schlagen“ im Stift Seitenstetten um 14.30 Uhr. Die Ausstellung diene als „Vorspann“ für das große Stiftsjubiläum im Jahr 2012, erklärte Abt Berthold Heigl bei einem Pressegespräch, wenn die Benediktiner, die schon 1112 die Chorherren von St. Veit ablösten, das Gründungsjubiläum ihres Stiftes feiern werden. Da 1109 die Seelsorge im Mostviertel begann, werde in der Ausstellung nicht das Stift, sondern die Geschichte der 14 inkorporierten Pfarren im Mittelpunkt stehen, wie Abt Berthold betonte.


Die einzelnen Pfarren stellen sich mit Originalexponaten und Bildreportagen vor, und es wird „Bemerkenswertes aus Geschichte und Gegenwart“ in Erinnerung gerufen und dokumentiert, sagte P. Martin Mayerhofer, Kustos der Ausstellung. Besonders die „Umbrüche und Veränderungen im Laufe der Zeit“ sollen sichtbar gemacht werden. Zu Ausstellung erscheint auch ein umfangreiches Begleitbuch, in dem die Geschichte der Pfarren aufgearbeitet wird. P. Martin machte außerdem auf die bedeutende Stiftsgalerie aufmerksam, die als „siebtgrößte Galerie Österreichs mit über eintausend Exponaten hoher Qualität“ immer noch ein „Geheimtipp“ sei.


Auch die Marktgemeinde Seitenstetten präsentiert Interessantes über die Ur- und Frühgeschichte des Ortes, die Ersterwähnung des Ortsnamens und ihr Wirken bis in die Gegenwart, so Bürgermeister Franz Deinhofer. Schüler der Hauptschule Seitenstetten-Biberbach haben ältere Seitenstettner befragt und deren Lebensgeschichten in Ton und Bild festgehalten. Dieses Projekt „Seitenstettner schreiben Geschichte“ wird ebenfalls im Rahmen der Ausstellung zu sehen und zu hören sein.


Die Ausstellung solle auch dazu beitragen, „dass die Seitenstettner ein eigenes Pfarrbewusstsein entwickeln“, erklärte Stiftspfarrer P. Michael Prinz: „Pfarre und Gemeinde sollen im großen Jubiläumsjahr des Stiftes 2012 nicht ganz untergehen.“ Lange Zeit hat St. Veit als Pfarrkirche fungiert. Heute finden dort die Gottesdienste an den Wochentagen, Begräbnismessen, Totenwachen sowie die Schulmessen der Hauptschule statt. Im Laufe der letzten 10 Jahre wurden Kirche und Pfarrhaus von St. Veit innen und außen renoviert und neue Gruppenräume für die Pfarre geschaffen. Beim Kirchweihfest am 19. April wird Abt Berthold den neuen Glaskunst-Altar weihen.


Der Heilige Veit, eigentlich Vitus, ist als einer der 14 Nothelfer ein äußerst beliebter Heiliger, was etwa 1.400 Veits-Kirchen im deutschen Sprachraum belegen. Sein Gedenktag ist der 15. Juni. Am Vorabend, dem 14. Juni um 19.00 Uhr, gestaltet das Jugendhaus Schacherhof einen Jugendgottesdienst in St. Veit. Vom 29. Juni bis 4. Juli führt eine Pfarrreise zum Veitsdom nach Prag. Weitere Höhepunkte des Jahres in Seitenstetten sind das 25-jährige Abtjubiläum von Berthold Heigl am 30. August und das Marktfest der Gemeinde am 27. September mit einer Zeitreise durch die vergangenen 900 Jahre und einem Benefizkonzert aller Seitenstettner Chöre.


Öffnungszeiten der Sonderausstellung „Mostviertel 1109 – Das Herz beginnt zu schlagen“:
20. April bis 26. Oktober 2009
Dienstag bis Sonntag 9.30 bis 12.00 Uhr und 14.30 bis 17.00 Uhr
Führungen: Dienstag bis Sonntag um 11Uhr und 16 Uhr
Gruppen jederzeit nach Voranmeldung


Stift Seitenstetten


Foto:Bürgermeister Franz Deinhofer, Abt Berthold Heigl und P. Michael Prinz mit einer Darstellung des Hl. Veit.