86 Kirchen mit über 500 Programmpunkten

Am 5. Juni findet in ganz Österreich die Lange Nacht der Kirchen statt. Von 17 Uhr abends bis 2 Uhr morgens zeigen 86 Kirchen im Westen Niederösterreichs mit über 500 Programmpunkten ein buntes und teilweise auch ungewohntes Bild. Die Lange Nacht der Kirchen ist eine ökumenische Initiative, an der im Gebiet der Diözese St. Pölten neben der römisch-katholischen auch die evangelische, die evangelisch-methodistische, die altkatholische sowie die serbisch-orthodoxe Kirche beteiligt sind.
Die Lange Nacht der Kirchen sei eine „ökumenische Erfolgsgeschichte“, betonte der evangelische Superintendent Mag. Paul Weiland bei einer Pressekonferenz in der Superintendentur in St. Pölten: „Die Ökumene funktioniert in unserem Land hervorragend.“ Die „Offenheit und Vielfalt“ der Angebote zeige ein „gutes Miteinander“, wobei die jeweiligen Eigenheiten bewahrt werden könnten, so Weiland. Der Ökumenische Eröffnungsgottesdienst wird heuer um 18. Uhr in der evangelischen Kirche in St. Pölten, Julius Raab-Promenade 8, gefeiert.


Christliche Botschaft „auf andere Weise“ nahebringen


Es sei schwierig, einzelne Höhepunkte der Langen Nacht der Kirchen zu nennen, „da es so viele gibt“, betonte Dompfarrer Norbert Burmettler. Die niederschwelligen Veranstaltungen seien jedoch eine Gelegenheit, die christliche Botschaft den Menschen „auf andere Weise“ näher zu bringen. Es gebe eine Sehnsucht der Menschen, ihr Leben sinnvoll zu bewältigen, erklärte Burmettler: „Hier ist die Antwort der Kirche wichtig“. In diesem Zusammenhang stelle sich auch Diözesanbischof Klaus Küng im Rahmen der Langen Nacht „erstmals allen Fragen der Besucher“ (von 20.15 bis 21.00 Uhr im Sommerrefektorium des Bistumsgebäudes).


Die Lange Nacht der Kirchen sei auch deswegen jedes Jahr ein so großer Erfolg, „weil die Menschen mit der religiösen Dimension ihres Lebens in Berührung kommen“, führte Superintendent Weiland aus. Diese religiöse Dimension sei für jeden Menschen „enorm wichtig“, auch wenn dieser sich selbst nicht als religiös bezeichnen würde. Die Lange Nacht der Kirchen nehme auch diesen „wesentliche Teil des Menschen“ ernst und biete den Besuchern zahlreiche Gelegenheiten, sich dafür zu sensibilisieren.


Evangelisch-methodistische Kirche erstmals dabei


Erstmals nimmt auch die evangelisch-methodistische Kirche an der Langen Nacht der Kirchen teil. Die kleinste Kirche Österreichs sehe darin eine „Chance, von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden“, erklärte Superintendent Mag. Lothar Pöll bei der Pressekonferenz. Andererseits bedeute die Teilnahme auch eine große Herausforderung: „Wir haben keinen Kirchturm, von dem man sich abseilen kann, und keine Orgel für große Konzerte“, so Pöll. „Unsere Schätze sind die Menschen, die da sind und in dieser Nacht zur Verfügung stehen.“ Unter dem Motto „lebendig.offen.anders“ will sich die evangelisch-methodistische Gemeinde vorstellen und erklären, „wer wir sind und warum es uns in St. Pölten gibt“.
Die weltweit große protestantische Glaubensgemeinschaft ist im 18. Jahrhundert aus der Anglikanischen Kirche entstanden. Neben dem evangelischen Grundverständnis betont sie besonders den Dienst am Mitmenschen.


20.000 Besucher erwartet


Die Veranstalter erwarten 20.000 Besucher zu den rund 500 Einzelveranstaltungen an 86 verschiedenen Orten im Westen Niederösterreichs, wie Koordinator Dipl. Geol. Axel Isenbart erklärte. Auch vier Stifte, Geras, Altenburg, Melk und Lilienfeld, machen heuer mit. Die Vielfalt und das breite Spektrum der Angebote kommen dadurch zustande, dass sich die Pfarren ihr Programm selbst überlegen und ausarbeiten: „Es gibt keinerlei Vorgaben.“
Pro Pfarre wirken durchschnittlich 15 Personen an den Vorbereitungen mit. Dadurch sei die Lange Nacht der Kirchen auch „eine große Basisbewegung“, die noch viel Entwicklungspotential habe, wie Weiland betonte. Die erstmalige Mitwirkung von Diözesen im benachbarten Ausland gebe sogar Hoffnung, dass sich die Lange Nacht der Kirchen zu einer europäischen Initiative entwickeln könnte.


Lange Nacht der Kirchen