2005 - ein Jahr großer Herausforderungen für die Caritas

Durch die Aufarbeitung der Folgen der großen Katastrophen wie der Tsunami in Sri Lanka und Indien sowie das Erdbeben in Pakistan war die Caritas im vergangenen Jahr besonders gefordert, die Spenden auch menschengerecht und sachgerecht einzusetzen. Dies erklärte Caritasdirektor Mag. Friedrich Schuhböck am 23. Mai bei der Jahres-Pressekonferenz der Caritas in St. Pölten. Der Einsatz bei den großen Not- und Katastrophenfällen im In- und Ausland sei aber nur ein Bereich, in dem die Caritas tätig ist, weist Direktor Schuhböck hin. Caritas bedeute auch, Anwältin für jene zu sein, die durch Katastrophen direkt und indirekt betroffen sind und sie sei "Baumeister der Solidarität", um Menschen in der Bewältigung des Lebens wieder zu motivieren und zu unterstützen.

Persönliche Notfälle steigen

Neben den großen Katastrophen sei die Caritas immer auch mit den "persönlichen, Katastrophen" der Einzelnen konfrontiert. Dies reiche von den Folgen einer Arbeitslosigkeit, schlechten Wohnungen, fehlendem Geld für Heizkosten bis zu notwendigen Einsparungen bei Kleidung und Lebensmitteln. Dies führe für die Betroffenen, so Schuhböck, zu einer "immer geringeren Teilhabe in wesentlichen Lebensbereichen". Immer weniger Menschen können es sich leisten, auswärts essen zu gehen, Freunde einzuladen oder Urlaub zu machen. Sogar Kinder seien davon betroffen, wenn sie wegen fehlenden Geldes nicht mehr an Schulveranstaltungen wie dem Schikurs teilnehmen können. Soziale Isolation könne die Folge sein.
Spezielle persönliche Katastrophenstimmung erleben auch jene, die andere Menschen im Familienverband pflegen, etwa behinderte Kinder oder kranke Personen. Hier sei die Caritas gefordert, nicht nur durch ihre Einrichtungen zu helfen, sondern von den Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik auch strukturelle Maßnahmen zu fordern.

Caritas-Forderung an die Politik

Schuhböck verlangte in diesem Zusammenhang von den politisch Verantwortlichen die Existenzsicherung für Menschen "in einer bedarfsorientierten Weise", eine rasche Evaluierung von Sozialtransferleistungen, eine bundesweite Vereinheitlichung des Sozialhilfegesetzes, eine Vereinfachung notwendiger Behördenwege für Hilfesuchende und eine steuerliche Absetzbarkeit von Spenden.
Die Caritas habe zum Ziel, die akute Notlage für die Betroffenen zu verändern, ihre Eigenkräfte zu stärken, Hilfesuchende in ein soziales Netz einbinden und ihre Lebenssicherung längerfristig absichern, fasste Schuhböck zusammen.

Psycho-Sozialer Dienst

Auf eine konkrete Arbeit wies die Leiterin des psychosozialen Dienstes, Anna Entenfellner hin. 48.000 Beratungen und Begleitungen habe die Caritas im Diözesanbereich geleistet, 2.500 Personen wü4rden derzeit betreut, sagte sie. Dabei gehe es vor allem um beratungen, Begleitung und mitunter auch eine längerfristige Betreuung, um Menschen zu befähigen, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Der "Club aktiv" in einigen Orten der Diözese biete dafür Raum und helfe den Betroffenen, nicht in Isolation zu fallen.

SOS-Beratung

Für die materielle Not gibt es die SOS-Beratung, bei der Menschen in akuten Notfällen beraten werden, ein gemeinsames Konzept erstellt wird und eine dauerhafte Lösung gefunden werden soll. In diesem Bereich sei die Zahl der Hilfesuchenden in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gestiegen.

Haussammlung bis Mitte Juli

In den kommenden Wochen bis Mitte Juli führt die Caritas wieder ihre jährliche Haussammlung durch. Tausende freiwillige Helfer werden in den 424 Pfarren der Diözese unterwegs sein, um zu sammeln. Mit diesen Spenden werden zahlreiche Hilfsprojekte, unter anderen auch die SOS-Hilfe finanziert.