100 Jahre Gymnasium der Englischen Fräulein in St. Pölten

Die "große Bedeutung" der Bildungseinrichtungen der Englischen Fräulein hoben Diözesanbischof DDr. Klaus Küng und Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll bei einer Festmesse und einem anschließenden Festakt zum 100-Jahrjubiläum des Gymnasiums in St. Pölten hervor. Das Lyzeum der damaligen Englischen Fräulein (heute: Congregatio Jesu) nahm mit dem Schuljahr 1908/09 seinen Betrieb auf.

Durch das Wirken der Englischen Fräulein sei "viel geschehen in dieser Stadt und in diesem Land", meinte Bischof Küng. Vor 100 Jahren sei zwar das Lyzeum gegründet worden, das Frauen erstmals den Zugang zu höherer Bildung ermöglichte, doch reiche das Wirken des Ordens im Bildungsbereich bereits über 300 Jahre zurück, als die "Fräulein" 1707 eine erste Tagesschule für Mädchen in St. Pölten eröffneten.
Wie Bischof Küng erklärte, sei es nicht nur wichtig, das nötige Wissen weiterzugeben, sondern auch "das Fundament, auf dem das Leben aufgebaut wird". Dieses Fundament könne nur der Glaube an Jesus Christus sein, denn "Wissen ist wichtig, aber Wissen rettet nicht", wie Küng betonte. Den Lehrern wünschte der Bischof in seiner Predigt "Mut für die Wahrheit Stellung zu beziehen".

Pröll: Bildungspolitik am Beispiel dieser Schule orientieren

Gegen "nivellierende Tendenzen" in der Bildungspolitik wandte sich Landeshauptmann Pröll. Leistung und Persönlichkeitsbildung müssten die wichtigsten Grundsätze bleiben, die die Qualität einer Schule garantierten. "Mit weniger Leistung kann niemals mehr erreicht werden", erklärte Pröll. Außerdem sei es erforderlich, zusätzlich zum reinen Faktenwissen Werte für das Leben mitzugeben, die "persönlichkeitsbildend und sinnstiftend" sind.
Der Grund, warum das Gymnasium der Englischen Fräulein heute "so modern und so bedeutend" sei wie vor 100 Jahren, sei die Arbeit aller Lehrer- und Schülergenerationen auf der Basis dieser Grundsätze. Schulen seien die "Zukunftswerkstätten" des Landes, betonte Pröll. Deswegen werde sich das niederösterreichische Bildungssystem - solange er, Pröll, für die Bildungspolitik in Niederösterreich verantwortlich sei - "am Beispiel dieser Schule orientieren".

Als "Eckpfeiler in der Ausbildungstradition St. Pöltens" bezeichnete Bürgermeister Mag. Matthias Stadler das Gymnasium. Die Gründung des Lyzeums vor 100 Jahren habe einen "Quantensprung" im Bildungsangebot der Stadt dargestellt. Bei allen Veränderungen in der Gesellschaft sei es wichtig "Tradition zu bewahren und darauf stolz zu sein", so der St. Pöltner Bürgermeister.

Aus Mangel an ordenseigenen Kräften hatten die Englischen Fräulein im Jahr 2000 ihre Schulen an den Trägerverein der "Vereinigung von Ordensschulen in Österreich" abgegeben. Dadurch hatten sie für die Weiterführung des Gymnasiums gesorgt, wie deren Geschäftsführer Mag. Rudolf Luftensteiner erklärte. Die Vereinigung habe die Schulen "gerne übernommen", da katholische Schulen das Bildungsangebot "sehr bereichern". Luftensteiner sprach sich gegen die Reduzierung von Bildung auf ein "reines Input-Output-System" aus. Katholische Schulen dürften sich dieser Tendenz "nicht unterwerfen" und sollten weiterhin auf die "Bildung des Geistes und der Persönlichkeit" Wert legen.

An der Feier nahmen weiters die Oberin der Congregatio Jesu in St. Pölten, Sr. Felicitas Dornhackl, der Vorsitzende der Vereinigung von Ordensschulen, Provinzial Hofrat P. Leonhard Gregotsch, der Schulamtsleiter der Diözese St. Pölten, Msgr. Hofrat Prof. Mag. Karl Schrittwieser, Dompfarrer Norbert Burmettler, der Spiritual und Kirchenrektor der englischen Fräulein, Prälat Prof. Josef Eichinger, sowie der Bezirkshauptmann von St. Pölten, Mag. Josef Kronister, teil.