Vor 150 Jahren starb Bischof Joseph Feßler

Foto aus einer Bildsammlung der Konzilsväter 1870

St. Pölten, 27.04.2022 (dsp/mb) Vor 150 Jahren, am 25. April 1872, starb mit Joseph Feßler einer der einflussreichsten St. Pöltner Bischöfe. Besondere Bedeutung erlangte er als Generalsekretär des Ersten Vatikanischen Konzils.

Feßler kam 1813 auf einem Bauernhof bei Lochau in Vorarlberg - damals zur Diözese Brixen gehörig - zur Welt. Er trat ins Brixener Priesterseminar ein und wurde 1837 zum Priester geweiht. Ab 1838 lehrte er in Brixen Kirchengeschichte und Kirchenrecht. Er verfasste Werke über die Kirchenväter ebenso wie über die Provinzial- und Diözesansynoden und wurde 1852 Professor für Kirchengeschichte und Patrologie an der Universität Wien. Ab 1856 lehrte er auch das neu eingerichtete Fach Kirchenrecht.

Bei einem Studienaufenthalt in Rom hatte er auch diplomatische Angelegenheiten rund um das Konkordat im Gepäck. Eine Reise mit dem päpstlichen Nuntius nach Siebenbürgen brachte ihn in Kontakt mit den Griechisch-Unierten.

Im Jahr 1862 wurde Joseph Feßler vom Brixener Bischof Vinzenz Gasser als Weihbischof und Generalvikar nach Feldkirch berufen und am 7. April 1862 zum Bischof geweiht. 1863/64 war er erneut als Unterhändler der österreichischen Regierung wegen einer letztlich erfolglosen Revision des Konkordats von 1855 in Rom.

Kaiser Franz Joseph I. ernannte den versierten Theologen und Kirchenrechtler am 23. September 1864 zum Bischof von St. Pölten, die Inthronisation erfolgte am 13. April 1865. Bereits im November konnte er ein Taubstummeninstitut im ehemaligen Wohnhaus Jakob Prandtauers in der Klostergasse 15 eröffnen.

Es folgten unruhige Zeiten: Nach der verlorenen Schlacht von Königgrätz zogen 1866 preußische Truppen im Norden Niederösterreichs ein, bei ihrem Abzug hinterließen sie die Cholera. Für innenpolitische Reibeflächen sorgten das Schul- und das Ehegesetz vom Mai 1868. Besonders ersteres erstrebte eine Entmachtung der Kirche. Bis dahin standen die Schulen unter kirchlicher Aufsicht, wenngleich sie staatliche Verordnungen zu erfüllen hatten.

Als Papst Pius IX. das Erste Vatikanische Konzil ankündigte, verfasste Feßler eine Schrift mit dem Titel: "Das letzte und das nächste allgemeine Concil". Im März 1869 ernannte ihn der Papst zum Generalsekretär des Konzils, das am 8. Dezember 1869 zusammentrat. In seiner Funktion hatte Feßler die Beschwerden entgegenzunehmen, den Bischöfen die Entwürfe zuzustellen und bei den feierlichen Sitzungen das Evangelium aufzulegen sowie die Abstimmungsergebnisse zu verkünden. Bei den Präsidiumssitzungen führte er das Protokoll.

Im Streit um die päpstliche Unfehlbarkeit suchte er eine vermittelnde Rolle einzunehmen. Ein Teil der Bischöfe reiste aus Protest vor der Schlussabstimmung ab. Bischof Feßler trat die Heimreise am Tag nach der Abstimmung über die Päpstliche Unfehlbarkeit vom 18. Juli 1870 an. Das Konzil wurde nicht fortgesetzt, da italienische Truppen mittlerweile Rom besetzt hatten, was das Ende des Kirchenstaates bedeutete.

Feßler suchte mit einer Schrift über "Die wahre und falsche Unfehlbarkeit der Päpste" die Wogen zu glätten; er diskutierte auch mit Ignaz von Döllinger, dem Wegbereiter der Altkatholiken. Zu einer Konfrontation mit Anhängern der neu gegründeten Altkatholischen Kirche kam es 1871 anlässlich einer Predigt Feßlers in Krems. Bischof Feßler starb am 25. April 1872 im Alter von 59 Jahren an einer Venenentzündung.