DAS LAND, DER BISCHOF UND DAS BÖSE.

"Achtung! Ruhe! Wir drehen"

Regisseurin Anita Lackenberger im Gespräch mit Monika Fischer auf "Radio Klassik Stephansdom"

St. Pölten, 25.11.2020 (dsp/mb) „Vor unserem Herrgott gibt es kein unwertes Leben“, traute sich der St. Pöltner Bischof Michael Memelauer zu Silvester 1941 zu predigen. Regisseurin Anita Lackenberger setzt dem Bischof ein filmisches Denkmal. Über den neuen Film spricht sie heute, am 25. November 2020 auf "Radio Klassik Stephansdom" um 17:30 Uhr mit Monika Fischer.

Am 1. Dezember wird im Rahmen der Religionssendung „Kreuz und Quer“ um 22.35 Uhr auf ORF2 eine Dokumentation über den St. Pöltner Bischof Michael Memelauer gesendet. Grundlage der Dokumentation sind die umfangreichen Recherchen und Forschungen, die für die Spielfilmproduktion „Das Land, der Bischof und das Böse“ der österreichischen Filmemacherin Anita Lackenberger in den letzten 2 Jahren entstanden sind.

Die Dokumentation begibt sich auf eine Spurensuche zu den Details des filmischen Porträt eines mutigen Kirchenmannes: Der aus dem niederösterreichischen Mostviertel stammende Michael Memelauer, zunächst Dompfarrer und ab 1927 bis zum Jahr 1961 Bischof der Diözese St. Pölten, war in Zeiten des Nationalsozialismus offen gegen das NS-Euthanasieprogramm aufgetreten. 1938 beginnt sein zäher Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Am 31. Dezember 1941 hält Bischof Memelauer eine nahezu in Vergessenheit geratene Silvesterpredigt, und bezieht darin deutlich und klar gegen nationalsozialistische Praktiken Stellung: „Vor unserem Herrgott gibt es kein unwertes Leben“. Mit seiner Verurteilung der als "Euthanasie" bezeichneten Massentötungen von Menschen mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen blieb Memelauer in dieser Klarheit der einzige unter den Bischöfen der damaligen "Ostmark". Der weithin vergessene Predigttext aus einer Zeit, in der die NS-Machthaber die Öffentlichkeit glauben machen wollten, die Euthanasie sei bereits eingestellt worden, war im Jahr 2016 vom St. Pöltner Diözesanarchiv mit dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) neu herausgegeben worden. Er erinnert in der Silvesterpredigt auch an das christliche Grundgebot: „Du sollst nicht töten. Das ist das gewaltigste, die Menschheit auf der ganzen Welt schützenden Gottesgesetz“, so Memelauer 1941, mitten im Zweiten Weltkrieg.