P. Karl Wallner: Kirche geht in eine „neue Epoche“

St. Pölten, 26.02.2013 (dsp) Der Heiligenkreuzer Zisterzienser P. Karl Wallner würdigte das Pontifikat von Benedikt XVI. im Rahmen eines Vortrages einer Priesterstudientagung in St. Pölten. Dieser habe „nicht ohne Absicht“ ein „Jahr des Glaubens“ ausgerufen, da der christliche Glaube besonders in Europa nicht mehr jenes „einheitliche kulturelle Gewebe“ sei, in dem die Inhalte des Glaubens bekannt seien und ein Bezugssystem für das Denken und die Werthaltungen der Menschen darstellten. Der Amtsverzicht des Papstes mitten im Jahr des Glaubens sei „wie ein Auftrag an uns, das Jahr des Glaubens fortzuführen“, sagte der Dogmatiker und Rektor der päpstlichen Hochschule Heiligenkreuz.
Mit dem 28. Februar geht die Kirche jedenfalls „in eine neue Epoche“, so Wallner. Über das europäisches Christentum habe sich „eine trübe Stimmung der Resignation und der Frustration gebreitet“. Die Ursachen dafür lägen jedoch tiefer als in den „medial hochgespielten innerkirchlichen Skandalen und Querelen“, betonte Wallner: „Die westliche Welt ist im Glauben müde geworden. Wir brauchen eine neue Verkündigung, eine Neu-Evangelisierung, auch in neuen Formen und mit neuen Methoden“. Dies werde jedoch nur gelingen, wenn in den Gläubigen selber die „substantiellen Inhalte des Glaubens wieder lebensstark leuchten“.

Aufgrund innerkirchlicher Spannungen sei es für die Gläubigen allerdings nicht leicht, Freude und Zuversicht auszustrahlen, konstatierte der Zisterzienser. In der Folge erscheine die Kirche für die steigende Zahl religiös suchender Menschen immer weniger attraktiv, „wenn sie nur Resignation und Frustration ausstrahlt“. Der entscheidende Grund für den Schritt hinein in den christlichen Glauben sei immer die Erfahrung der Wirklichkeit Gottes, die mit der Erkenntnis verbunden sei, dass „die Kirche Instrument in der Hand Gottes ist“, erklärte Wallner aus seiner langjährigen Erfahrung als Jugendseelsorger. Niemand werde gläubig, weil er die Kirche als „Ideologie“, als „Lehr- oder Wertesystem“ begreife, sondern „weil er den lebendigen Gott durch die Kirche erkennt und in ihr begegnet“.

Sieben „Basics“ des Glaubens“

P. Karl Wallner regte an, über sieben substantielle Punkte des Glaubens tiefer nachzudenken, „die unmittelbar mit der Wesensoffenbarung Gottes zu tun haben, die er uns in Jesus Christus durch den Heiligen Geist geschenkt hat.“
Wir glauben an einen Gott, der dreifaltig die Liebe ist. – Wir glauben an einen Gott, der unermesslich kreativ ist. – Wir glauben an einen kommunikationsfreudigen Gott. – Wir glauben, dass Gott sich „ganz anders“ offenbart hat, als religiöses Denken es erwarten kann. („Gott ist dialektisch“.) – Wir glauben, dass Gott töricht ist in seiner Wertschätzung des Menschen. („Töricht“ ist nicht „dumm“, im Gegenteil. Paulus schreibt, dass die Torheit Gottes weiser ist als die Weisheit der Menschen.) – Wir glauben an einen Gott, der in unsere Endlichkeit eingebrochen ist durch seine Menschwerdung. – Wir glauben an einen Gott, der uns über den Tod hinaus rettet in ein unermesslich beglückendes Leben.