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Zahlreiche Menschen haben in St. Pölten Abschied von Liese Prokop genommen

Weit über tausend Menschen haben am Dienstag in St. Pölten Abschied von der langjährigen Landespolitikerin und Innenministerin Liese Prokop genommen. Weit über tausend Menschen haben dem Requiem im Dom, das auf eine große Videowand auf den Domplatz übertragen wurde, beigewohnt. Der Kondukt vom Landhaus zum Domplatz wurde von Bischof DDr. Klaus Küng geführt und von einer Ehrenkompanie der Polizei sowie der Polizeimusik begleitet. Hinter dem Sarg die Angehörigen, dahinter die Bundesregierung, Vertreter aus dem Ausland sowie Mitglieder der NÖ Landesregierung. Weiters folgten Abordnungen der Feuerwehr, des Roten Kreuzes, des Sports. Darüberhinaus haben sich noch hunderte Trauergäste dem Kondukt angeschlossen.
Das Requiem, von Kardinal Christoph Schönborn geleitet, begann dann um 15.30 Uhr. Unter den Konzelebranten Diözesanbischof Klaus Küng, Weihbischof Helmut Krätzl, Weihbischof em. Heinrich Fasching, sowie zahlreiche Äbte. Die gesamte Bundesregierung, der NÖ Landtag und über 20 Minister aus dem Ausland waren gekommen.

In den Fürbitten sprach Niederösterreichs Landespolizeikommandant Arthur Reiss die Herzenswärme Prokops an, deren menschliche Einstellung Vorbild für ein harmonisches Miteinander in der Exekutive gewesen sei. Für Landesrat Wolfgang Sobotka war Prokop das "soziale Herz" des Bundeslandes und Minister Josef Pröll hob hervor, dass Prokop stets das Gemeinsame vor das Trennende gestellt habe. Auch die drei Kinder Prokops sprachen Fürbitten aus. Nichte Elisabeth Sykora gestaltete neben den Wiener Sängerknaben die Messe musikalisch mit. Sie sang das Lied Whitney Houstons "I will always love you" und zum Abschluss der Feierlichkeiten im Dom das Ave Maria.
Die Lesung sprach Schwester Edith Zeh und das Evangelium der Exekutivbeamte und Diakon Walter Geissler.
Kardinal Dr. Christoph Schönborn erinnerte in seiner Predigt an die Zerbrechlichkeit des irdischen Lebens und an die neue Dynamik, die Jesu Tod in die Welt gebracht habe: die "volle Kraft der Auferstehung" und die "unverwüstliche Energie der Hoffnung". "Von dieser nie mehr zerstörbaren Kraft spricht das Evangelium, und ich glaube, dass viel von dieser Hoffnungsenergie im Leben der Verstorbenen sichtbar geworden ist", sagte der Kardinal. Liese Prokop habe in ihrer Tätigkeit als Landes- und Bundespolitikerin versucht, diesem Menschenbild gemäß zu leben und zu handeln, und es ist ihr mit großer Glaubwürdigkeit gelungen", sagte er wörtlich.

Dr. Franz Löschnak, der Präsident der Bundessportorganisation hob in seiner gedenkrede vor allem Prokops Leistungen im sportlichen Bereich hervor. Sie habe in allen Bereichen Spitzenleistungen erbracht, sagte er. Liese Prokop war im Sport ein ruhender Pol für das Vereinswesen, ein Motor für Neues und eine Mahnerin im Spitzensport. Doch alle Leistungen verblassen neben dem Menschen Liese Prokop, die ein Frau mit Gefühl und Engagement war, die auf Menschen zuging, zuhörte und ihre Hände erst dann in den Schoß legte, wenn die Probleme behoben waren.
In sehr persönlichen Worten würdigte Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll seine jahrzehntelange Mitarbeiterin. Er charakterisierte sie als Mensch, der zuerst auf das Ganze geblickt habe, dann auf andere und erst zuletzt auf sich selbst. Liese Prokop sei ein Pionier und Wegbereiter im Sport wie in der Politik gewesen. Neben den sportlichen Erfolgen war sie die die erste Quereinsteigerin in die Politik, die erste Frau als Mitglied in der NÖ. Landesregierung, als Landeshauptmann-Stellvertreter und auch die erste Frau als Innenministerin in der zweiten Republik. Ihr sei niemals das Amt wichtig gewesen, sondern stets die Menschen, wies Pröll hin. So habe Prokop dem Land Niederösterreich einen bleibenden Stempel aufgedrückt und habe "mit Herz und Verstand Niederösterreich mitgetragen".
Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel bezeichnete Prokop als außergewöhnliche Politikerin mit Augenmaß und Intuition. Sie habe die Verknüpfung von innenpolitischen Themen mit internationalen Notwendigkeiten erkannt, habe Brücken zu den Nachbarn gebaut und ihre Kulturideen über Österreich hinausgetragen. Liese Prokop habe "leidenschaftlich für unser Land und Europa gearbeitet", betonte Schüssel.

Auf den Kärtchen, mit denen die Familie der Verstorbenen für die Anteilnahme danken, steht der Satz aus dem 1. Korintherbrief:
"Die Liebe glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf".