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Weltjugendtag in Sidney: "Hoffnung und Freude am Ende der Welt"

750 junge ÖsterreicherInnen, davon 30 aus der Diözese St. Pölten, waren heute gemeinsam mit Kardinal Christoph Schönborn und "Jugendbischof" Franz Lackner dabei, als Papst Benedikt XVI. stilecht als Menschenfischer mit dem Schiff in den Hafen von Sidney zur großen Begrüßungsfeier einfuhr. Im Anschluss daran findet ein großes "ÖsterreicherInnen-Treffen" statt.
Zusammenfassung der Rede des Hl. Vaters beim Willkommensfest im weiteren Bericht

Am Donnerstagabend Ortszeit werden die österreichischen Weltjugendtags-Pilger nach der allgemeinen Willkommensfeier für Papst Benedikt XVI. beim traditionellen "ÖsterreicherInnen-Treffen" im "St. Scholastica´s College" in Sydney erwartet. In der über 100 Jahre alten katholischen Privatschule im Stadtteil Glebe werden die Jugendlichen gemeinsam mit Kardinal Christoph Schönborn und "Jugend-Bischof" Franz Lackner einen Gottesdienst feiern; bei einer anschließenden Agape können sie ihre bisherigen Erfahrungen beim Weltjugendtag austauschen.

Die australischen Medien haben bereits am Mittwoch ausführlich über die Eröffnung des katholischen Weltjugendtages berichtet. In ironischer Anspielung an die abgelegene geografische Lage Australiens titelte der "Sydney Morning Herald": "Hoffnung und Freude am Ende der Welt." Die Zeitung "The Australian" schreibt von einem "Meer der Jungen und Gläubigen, das das stillgelegte Werftgelände in Barangaroo überschwemmt”. In weiteren Artikeln werden die tolle Stimmung und die große Begeisterung der mehr als 200.000 Weltjugendtagspilger geschildert.

 

Willkommensfest der Jugendlichen im Barangaroo East Darling Harbour

Rede des Heiligen Vaters

Liebe junge Freunde,
"Woher auch immer wir stammen, schließlich sind wir nun hier in Sydney. Und gemeinsam stehen wir in unserer Welt als Gottes Familie, als Jünger Christi, gestärkt durch seinen Geist, um vor allen Zeugen seiner Liebe und Wahrheit zu sein. Zuerst möchte ich den Ältesten der Aborigines danken, die mich willkommen geheißen haben, bevor ich das Boot in der Rose Bay bestieg. Ich bin tief bewegt, auf dem Boden Eures Landes zu stehen, da ich um das Leiden und die Ungerechtigkeiten weiß, die es ertragen hat, doch ich bin mir auch des aktuellen Heilungsprozesses und der Hoffnung bewußt, die alle australischen Bürger zu Recht mit Stolz erfüllen. Den jungen Ureinwohnern - den Aborigines und den Insulanern der Torresstraße - und den Tokelauanern drücke ich meinen Dank für Euren bewegenden Empfang aus. Durch Euch sende ich herzliche Grüße an Eure Völker.  Vor mir sehe ich ein lebendiges Bild der Weltkirche. Die Vielfalt der Nationen und Kulturen, aus denen Ihr kommt, zeigt, daß die Gute Nachricht Christi wirklich für alle und jeden bestimmt ist; sie hat die Enden der Erde erreicht. Doch ich weiß auch, daß etliche unter Euch noch auf der Suche nach einer geistlichen Heimat sind. Einige, uns ebenfalls sehr willkommene Teilnehmer sind weder Katholiken noch Christen. Andere bewegen sich vielleicht am Rande des Lebens der Pfarrei und der Kirche. Euch möchte ich Ermutigung bringen: Geht voran, in die liebevolle Umarmung Christi hinein; erkennt die Kirche als Eure Heimat. Niemand muß draußen bleiben, denn seit Pfingsten ist sie die eine, universale Kirche.

Heute abend möchte ich auch diejenigen einschließen, die nicht unter uns zugegen sind. Ich denke vor allem an die Kranken oder geistig Behinderten, an die Jugendlichen im Gefängnis, an diejenigen, die sich am Rande unserer Gesellschaften abmühen, und an jene, die sich, aus was für Gründen auch immer, der Kirche entfremdet fühlen. Zu ihnen sage ich: Jesus ist Dir nahe! Spüre seine heilende Umarmung, sein Mitleid und seine Barmherzigkeit!

Und im Gehorsam gegenüber dem Befehl Christi selbst brachen sie auf und gaben Zeugnis für die bedeutendste Geschichte aller Zeiten: daß Gott einer von uns geworden ist, daß das Göttliche in die menschliche Geschichte eingetreten ist, um sie zu verwandeln, und daß wir gerufen sind, uns in die rettende Liebe Christi zu versenken, die über das Böse und über den Tod triumphiert. Der heilige Paulus leitete diese Botschaft in seiner berühmten Rede auf dem Areopag so ein: Gott schenkt allen alles - einschließlich das Leben und den Atem -, so daß alle Nationen Gott suchen und, indem sie den eigenen Weg zu ihm ertasten, ihn auch finden können. Tatsächlich ist er keinem von uns fern, denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir (vgl. Apg 17,25-28).

Und immer sind seitdem Männer und Frauen aufgebrochen, um dieselbe Geschichte zu erzählen, Christi Liebe und Wahrheit zu bezeugen und ihren Beitrag zur Mission der Kirche zu leisten. Sie wurden die demütigen, aber hartnäckigen Gründer eines großen Teils des sozialen und geistigen Erbes, das diesen Nationen bis heute Güte, Mitgefühl und Sinn vermittelt. Und sie inspirierten schließlich eine weitere Generation. Wir denken spontan an den Glauben, der die selige Mary MacKillop in ihrer klaren Entschlossenheit unterstützte, besonders die Armen zu unterrichten, und an den seligen Peter To Rot mit seiner unbeirrbaren Überzeugung, daß die Leitung einer Gemeinschaft sich immer am Evangelium orientieren muß. Denkt auch an Eure eigenen Großeltern und Eltern, Eure ersten Lehrer im Glauben. Auch sie haben aus Liebe zu Euch unzählige Opfer an Zeit und Energie auf sich genommen.

Heute bin ich an der Reihe. Und doch waren die Ausblicke auf unseren Planeten, die sich mir von der Höhe aus boten, wirklich wundervoll. Das Gefunkel des Mittelmeeres, die Erhabenheit der nordafrikanischen Wüste, das üppige Grün der Wälder Asiens, die Weite des Pazifischen Ozeans, der Horizont, über dem die Sonne auf- und unterging, und der majestätische Glanz von Australiens natürlicher Schönheit, die ich in diesen letzten beiden Tagen genießen konnte - all das weckte eine tiefe Ehrfurcht.

Und da gibt es noch mehr, vom Himmel aus kaum wahrnehmbar: Männer und Frauen, nach nichts Geringerem als Gottes eigenem Ebenbild geschaffen (vgl. Gen 1,26). Im Herzen des Wunders der Schöpfung sind wir, Ihr und ich, die Menschheitsfamilie "mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt". Und gleichsam hineingezogen ins Schweigen, in eine Haltung des Dankens, in die Macht der Heiligkeit, werden wir nachdenklich.

Was entdecken wir? Vielleicht kommen wir etwas widerstrebend zu dem Eingeständnis, daß es auch Verletzungen gibt, welche die Oberfläche unserer Erde zeichnen: Erosion, Entwaldung, die Verschwendung der weltweiten Mineral- und Meeresressourcen, um einen unersättlichen Konsumismus zu befriedigen. Einige von Euch kommen aus Insel-Staaten, deren Existenz durch die ansteigenden Meeresspiegel bedroht sind; andere aus Nationen, die unter den Folgen verheerender Trockenheit leiden.

Aber mehr noch. Wie steht es um den Menschen, den Gipfel von Gottes Schöpfung? Jeden Tag begegnen wir dem Genius menschlicher Errungenschaften. Von den Fortschritten in den medizinischen Wissenschaften und der klugen Anwendung der Technologie bis zur Kreativität, die sich in den Künsten niederschlägt, sind Lebensqualität und Lebensfreude der Menschen auf vielerlei Weise in ständigem Anstieg begriffen. Bei Euch selbst gibt es eine schnelle Bereitschaft, die Euch angebotenen reichlichen Möglichkeiten aufzugreifen.

Das stimmt uns wiederum nachdenklich. Und wir entdecken, daß nicht nur das natürliche, sondern auch das soziale Umfeld - der Lebensraum, den wir selbst uns gestalten - seine Verletzungen hat; Wunden, die anzeigen, daß etwas nicht in Ordnung ist. Auch hier, in unserem persönlichen Leben und in unseren Gemeinschaften können wir einer Feindseligkeit, etwas Gefährlichem begegnen; einem Gift, das droht, das, was gut ist, zu zerstören, das, was wir sind, zu verformen und den Zweck, zu dem wir erschaffen worden sind, zu verdrehen. Beispiele dafür sind reichlich vorhanden, wie Ihr selber wißt. Zu den vorherrschenden gehören Alkohol- und Drogenmißbrauch, die Verherrlichung der Gewalt und der sexuelle Verfall, die in Fernsehen und Internet oft als Unterhaltung präsentiert werden. Ich frage mich: Könnte jemand Aug´ in Auge mit Menschen, die tatsächlich unter Gewalt und sexueller Ausbeutung leiden, "erklären", daß diese Tragödien, wenn sie in virtueller Form wiedergegeben werden, lediglich als "Unterhaltung" zu betrachten sind?

So manches Unheil kommt auch daher, daß Freiheit und Toleranz so oft von der Wahrheit getrennt werden. Das wird durch die heute weithin vertretene Vorstellung gefördert, daß es keine absoluten Wahrheiten gibt, die unser Leben lenken können. Der Relativismus hat, indem er unterschiedslos praktisch allem einen Wert zugesteht, die "Erfahrung" zum alleinigen Kriterium erhoben. Wenn aber Erfahrungen von jeder Überlegung, was gut und wahr sei, losgelöst werden, können sie, anstatt zu echter Freiheit zu verhelfen, zu moralischer und intellektueller Verwirrung, zu einer Schwächung der Prinzipien, zum Verlust der Selbstachtung und sogar in die Verzweiflung führen.

Liebe Freunde, das Leben wird nicht vom Zufall regiert; es ist nicht der Willkür unterworfen. Euer persönliches Sein ist von Gott gewollt; er hat es gesegnet und ihm einen Sinn gegeben (vgl. Gen 1,28)! Das Leben ist nicht bloß eine Abfolge von Ereignissen oder Erfahrungen, so hilfreich viele von ihnen auch sind. Es ist ein Suchen nach der Wahrheit, dem Guten und dem Schönen. Zu diesem Zweck treffen wir unsere Entscheidungen, dafür üben wir unsere Freiheit aus; darin - in Wahrheit, Güte und Schönheit - finden wir Glück und Freude.
Christus bietet mehr! Tatsächlich bietet er alles! Allein er, der die Wahrheit ist, kann der Weg sein und darum auch das Leben.

Liebe Freunde, bei Euch zu Hause, in Euren Schulen und Universitäten, an Euren Arbeitsplätzen und in der Freizeit erinnert Euch daran, daß Ihr eine neue Schöpfung seid! Ihr steht nicht nur in Ehrfurcht vor dem Schöpfer und freut Euch an seinen Werken, Ihr erkennt auch, daß das sichere Fundament der menschlichen Solidarität in dem Ursprung liegt, den jeder Mensch - der Gipfel des Schöpfungsplanes Gottes für die Welt - mit allen anderen gemeinsam hat. Als Christen steht Ihr in dieser Welt in dem Wissen, daß Gott ein menschliches Angesicht hat - Jesus Christus -, der "Weg", der alles menschliche Sehnen befriedigt, und das "Leben", von dem Zeugnis zu geben wir berufen sind, indem wir immer in seinem Licht wandeln (vgl. ebd., 100). Die Aufgabe des Zeugen ist nicht leicht. Es gibt heute viele, die fordern, Gott müsse "auf der Ersatzbank" gelassen werden und Religion und Glauben, die zwar für die Einzelnen gut sind, müßten aus dem öffentlichen Leben entweder gänzlich ausgeschlossen oder aber nur zur Verfolgung begrenzter pragmatischer Ziele eingesetzt werden. Diese säkularisierte Sichtweise versucht, mit wenig oder gar keinem Bezug auf den Schöpfer menschliches Leben zu erklären und die Gesellschaft zu formen. Sie stellt sich selbst als neutral, als unparteiisch und daher für jeden offen vor. In Wirklichkeit aber drängt der Säkularismus wie jede Ideologie eine bestimmte Sicht der Welt auf. Wenn Gott für das öffentliche Leben irrelevant ist, dann wird die Gesellschaft nach einem gottlosen Bild geformt, und die Debatte und die Politik, die das öffentliche Wohl betreffen, werden mehr von den Folgen als von in der Wahrheit begründeten Prinzipien bestimmt.
Doch die Erfahrung zeigt, daß die Abwendung vom Plan des Schöpfers Unordnung hervorruft, die sich unausweichlich auf die übrige Schöpfung auswirkt (vgl. Botschaft zum Weltfriedenstag 1990, 5).

Doch wie steht es um unser soziales Umfeld? Sind wir gleichermaßen aufmerksam auf die Zeichen unserer Abwendung von den moralischen Strukturen, mit denen Gott die Menschheit ausgestattet hat (vgl. Botschaft zum Weltfriedenstag 2007, 8)?  Und so werden wir angeregt darüber nachzudenken, welchen Platz die Armen und die alten Menschen, die Immigranten und diejenigen, die kein Mitspracherecht besitzen, in unseren Gesellschaften einnehmen. Wie ist es möglich, daß so viele Mütter und Kinder unter häuslicher Gewalt zu leiden haben? Wie ist es möglich, daß der wundersamste und heiligste Raum im Menschen - der Mutterschoß - zum Ort unsagbarer Gewalt geworden ist?

Unsere Welt ist der Gier, der Ausbeutung und der Spaltungen, der Öde falscher Idole und halber Antworten und der Plage falscher Versprechungen überdrüssig geworden. Unsere Herzen und Gedanken sehnen sich nach der Vision eines Lebens, wo Liebe andauert, wo Gaben geteilt werden, wo Einheit gebildet wird, wo Freiheit ihren eigentlichen Sinn in der Wahrheit findet und wo die Identität in einem respektvollen Miteinander gefunden wird. Das ist das Werk des Heiligen Geistes! Das ist die Hoffnung, die das Evangelium Jesu Christi bereithält. Um für diese Wirklichkeit Zeugnis zu geben, seid Ihr in der Taufe neu geschaffen und in der Firmung durch die Gaben des Geistes gestärkt worden. Das soll die Botschaft sein, die Ihr von Sydney aus in die Welt tragt!

Liebe Freunde, die ihr mich in meiner Muttersprache versteht, von Herzen grüße ich euch alle. Erweist euch überall als freudige Zeugen der frohmachenden Botschaft Jesu! Sprecht mutig von eurem Glauben, auch wenn ihr zuweilen auf Widerspruch stößt und das Kreuz der Ablehnung erfährt. Der Herr, der für uns ein größeres Kreuz getragen hat, wird euch beistehen. Gott schenke euch eine gute, gesegnete Zeit hier in Australien.

(Quelle: Radio Vatikan)

Die Papst-Ansprachen in voller Länge sind nachzulesen auf der Homepage des Vatikans www.vatican.va und in den jeweiligen Ausgaben des Osservatore Romano.

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