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"Seid Propheten einer neuen Ära"

Mit dem größten Gottesdienst in der Geschichte Australiens ist in Sydney der katholische Weltjugendtag zu Ende gegangen. Vor gut 300.000 Menschen rief Papst Benedikt XVI. am Sonntagmorgen zu einer Erneuerung von Gesellschaft und Kirche auf. Er warnte er vor neuen "geistlichen Wüsten", die sich überall ausbreiteten. Stattdessen forderte er eine "neue Ära", in der Egoismus, Habgier und Oberflächlichkeit durch Solidarität, Respekt und Hoffnung ersetzt werden sollten. Dazu brauche es eine innere Erneuerung der Christen durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Die bekannte Hymne zum Jahr 2000 eröffnete diese großartig inszenierte Messe, die musikalisch gestaltet wurde von einem Orchester aus 80 Instrumentalisten und einem Chor mit 300 Sängern aus Sydney und ganz Australien. Und doch war die Eucharistiefeier bei allem Effekt auf die Mitte konzentriert: Auf die Gegenwart Christi in der feiernden Gemeinde. Das besondere: Papst Benedikt XVI. firmte 24 Jugendliche aus der ganzen Welt, und griff damit das Motto des Treffens auf: "Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird".

Das Gelände der Pferderennbahn von Randwick war jedenfalls gesteckt voll. Mit einer Nachtwache bei kühlen Temperaturen hatten sich die Jugendlichen aus 170 Nationen der Welt auf diesen Höhepunkt vorbereitet. Der Papst schien entspannt und konzentriert, auch wenn er am Ende der anstrengenden Messe dann doch etwas müde wirkte.

Die Messe enthielt zahlreiche Elemente der Kulturen Australiens und Ozeaniens; so trugen Seminaristen und Jugendliche von den Fidschi-Inseln, den Salomonen und von Vanuatu in Bastgewändern das Evangeliar auf einer traditionellen Sänfte zur Altarinsel. Diese war ganz in rot gestaltet - der Farbe des Heiligen Geistes und des australischen Outbacks. Die Taubendarstellung über der Bühne stammte von der indigenen Künstlerin Marjorie Liddy von den Tiwi Islands im Norden Australiens.

In seiner Predigt wandte sich Benedikt XVI. direkt an die Jugendlichen und forderte sie dazu auf, etwas aus ihrem Leben zu machen:

"Liebe junge Freunde, erlaubt mir, Euch jetzt eine Frage zu stellen. Was werdet Ihr der nächsten Generation hinterlassen? Baut Ihr Euer Leben auf festen Fundamenten und errichtet Ihr etwas, das Bestand haben wird? Lebt Ihr Euer Leben auf eine Weise, die inmitten einer Welt, die Gott vergessen will oder ihn im Namen einer falsch verstandenen Freiheit sogar ablehnt, Raum schafft für den Geist? Welches Erbe werdet Ihr jenen jungen Menschen hinterlassen, die nach Euch kommen?"

Trotz Wohlstands herrsche immer mehr geistliche Leere, so Benedikt.

"In so vielen unserer Gesellschaften breitet sich neben dem materiellen Wohlstand eine geistliche Wüste aus: eine innere Leere, eine namenlose Furcht und ein heimliches Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Wie viele unserer Zeitgenossen haben in ihrer verzweifelten Suche nach Sinn - nach dem letzten Sinn, den nur die Liebe schenken kann - rissige und leere Zisternen gegraben."

Eine neue Generation von Christen sei dazu berufen, zum Aufbau einer Welt beizutragen, in der das Leben als Gabe Gottes angenommen, geachtet und geliebt und nicht abgelehnt, wie eine Bedrohung gefürchtet und zerstört wird.

"Eine neue Ära , in der die Liebe nicht gierig und selbstsüchtig, sondern rein, treu und wahrhaft frei, offen für andere und voll Achtung für ihre Würde ist, ihr Wohl sucht und Freude und Schönheit ausstrahlt. Eine neue Ära, in der die Hoffnung uns von der Oberflächlichkeit, der Lustlosigkeit und der Ichbezogenheit befreit, die unsere Seele absterben lassen und das Netz der menschlichen Beziehungen vergiften."

Dann ein starker Appell des Papstes an die Jugendlichen:

"Liebe junge Freunde, der Herr bittet Euch, Propheten dieser neuen Ära zu sein, Boten seiner Liebe, die die Menschen zum Vater hinziehen und eine Zukunft der Hoffnung für die ganze Menschheit aufbauen."

Die Kirche habe ohne die Jugendlichen keine Zukunft, unterstrich Benedikt eindringlich:

"Sie braucht Euren Glauben, Eure Idealismus und Eure Großzügigkeit, damit sie im Geist immer jung sein kann (vgl. Lumen gentium, 4)! Die Kirche braucht besonders die Gaben der jungen Menschen, aller jungen Menschen."

Die daran anschließende Firmung war dann so etwas wie das sichtbare Zeichen für die Sendung, in die die Christen hineingenommen sind. Zuvor erneuerten alle ihr Taufversprechen. Im Geist "getauft" zu werden bedeute, so Benedikt, von der Liebe Gottes entflammt zu werden.

"Mit dem Geist besiegelt" zu werden bedeutet, bei unserem Einsatz für den Sieg der Zivilisation der Liebe keine Angst zu haben, für Christus einzustehen und unser Sehen, Denken und Handeln von der Wahrheit des Evangeliums durchdringen zu lassen.

Unter den Gefirmten: Der Schweizer Dean Causevic aus Breitenbach (Solothurn) und der deutschstämmige Matthew Walter Reuzter aus Melbourne in Australien.

An der Messe nahmen insgesamt 420 Bischöfe und 26 Kardinäle teil. Konzelebranten waren der gastgebende Erzbischof Kardinal George Pell, Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone und Kardinal Stanislaw Rylko als dem Präsidenten des Päpstlichen Laienrates. Außerdem der maronitische Patriarch Nasrallah Sfeir, der Vorsitzende der australischen Bischofskonferenz Erzbischof Philip Wilson und Weltjugendtags-Koordinator Weihbischof Anthony Fisher OP.

(rv 20.07.2008 mc)