Entzündung der 2. Kerze am Adventkranz
Krippenschau im Diözesanmuseum
Winterwald
 
 

Schreiben über kirchliche Feiern nach zivilen Trauungen (Wortlaut)

Liebe Mitbrüder im Priesteramt! Aus Anlass der zivilen Trauung von Finanzminister Grasser mit Frau Swarovski hat es im Zusammenhang mit einer kirchlichen Feier in der Pfarre Weissenkirchen Pressemeldungen gegeben, die eine gewisse Verwirrung hervorgerufen haben. Daher ist eine Klärung notwendig geworden.


Zunächst möchte ich festhalten: es wurde bei diesem Anlass keine hl Messe gefeiert, es gab keine Ringsegnung, auch keinen speziellen Segen für das "Hochzeitspaar". Das zivil getraute Paar hat bei der kirchlichen Feier nicht wie bei einer kirchlichen Hochzeit auf besonderen Sitzen, sondern in der ersten Bankreihe Platz genommen. Es darf weiters als sicher angenommen werden: alle Beteiligten wussten, dass in Anbetracht der persönlichen Situation des Paares keine "kirchliche Segnung" möglich ist; eine solche wurde auch nicht angestrebt.


Das Anliegen ist positiv, auch jenen, die sich in Bezug auf ihre familiären Verhältnisse in einer irregulären Situation befinden, das Bewusstsein zu stärken, dass sie zur Kirche gehören und in der Kirche willkommen sind. Sie können von ihr Begleitung und Beistand erhalten, falls sie es wünschen, auch wenn keine Trauung möglich ist, auch keine Zulassung zur Eucharistie, so lange nicht die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Die Erfahrung hat aber - auch im konkreten Anlassfall - bestätigt, dass eine liturgische Feier für die "Hochzeitsgesellschaft" fast unvermeidlich zu Fehlinterpretationen Anlass gibt, auch wenn die Feier noch so gut geplant und gemeint ist. Gerade deshalb wurde im apostolischen Schreiben "Über die Aufgaben der christlichen Familien in der Welt von heute" (familiaris consortio) das Verbot ausgesprochen, " aus welchem Grund oder Vorwand auch immer, sei er auch pastoraler Natur, für Geschiedene, die sich wieder verheiraten, irgendwelche liturgischen Handlungen vorzunehmen" (fc 84). In der 2002 von der Glaubenskongregation für alle Diözesen Österreichs approbierten "Orientierungshilfe für geschiedene und wiederverheiratete geschiedene Gläubige" wird für solche Situationen der Rat erteilt: "Erlaubt ist privates Gebet für die einzelnen Partner, für ihren Glaubens- und Bekehrungsweg, für die Kinder usw. Man kann ihnen auch anraten, eine private Wallfahrt (ohne besonderen Gottesdienst) oder ähnliches zu unternehmen" (Orientierungshilfe S.10).


Es ist mir bewusst, dass die konkreten Situationen manchmal für alle Beteiligte, auch für die Verwandten und den Priester schwierig und oft schmerzhaft sind.


Ich übersende allen Pfarrern die oben erwähnte "Orientierungshilfe" und empfehle gleichzeitig einmal mehr die Lektüre des apostolischen Rundschreibens familiaris consortio, das die wesentlichen, auch heute gültigen Richtlinien enthält.


Mit herzlichen Segensgrüßen
Bischof Klaus Küng