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Predigt zum Nationalfeiertag (im Wortlaut)

Liebe Brüder und Schwestern! Vor einiger Zeit kam jemand von einer Reise aus einem ehemals kommunistischen Land zurück. Er erzählte mir von der Situation. Wahrscheinlich könnten viele von Ihnen mir etwas Ähnliches berichten: von der Armut in manchen Teilen des Landes, von den zum Teil schrecklichen Zuständen in den Krankenhäusern, ganz besonders auch in den Altersheimen, sofern es sie überhaupt gibt, und von den schlimmen Verhältnissen in hygienischer Hinsicht, das oft nicht Vorhandensein einer medizinischen und sozialen Betreuung und sozialer Einrichtungen. Der Schlusssatz war: Wir wissen gar nicht, wie gut es uns geht.


Es ist sicher richtig, wenn wir heute am Nationalfeiertag Gott danken für alles, was wir haben. Vor fünfzig Jahren ist der letzte russische Soldat abgezogen worden. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir diese fünfzig Jahre so in Freiheit leben konnten und unser Land sich so entfaltet hat. Es ist nicht selbstverständlich, dass es uns wirtschaftlich so gut geht, wie es uns heute geht, auch wenn es in manchen Belangen oft auch ein Plus und Minus gibt. In praktisch allen Teilen unseres Landes hat sich ein ganz beachtlicher Wohlstand entwickelt und es ist nicht selbstverständlich, dass wir so zahlreiche soziale Einrichtungen haben, und dass bei aller Unterschiedlichkeit von Standpunkten dennoch ein Einvernehmen in den Grundfragen herrscht. Es gibt ein Grundverständnis über unterschiedliche Standpunkte hinweg, zum Wohle aller, und man ringt darum, dass es auch so weiter geht. Es ist sicherlich richtig, das Wort, das der Hl. Paulus den Kolossern geschrieben hat, im Ohr und im Herzen zu haben: seid dankbar! Die Lesungen des heutigen Tages sind sehr passend. Da ist vom Hl. Geist die Rede, von der Bitte um den Hl. Geist, und dann auch von der Anstrengung. Es lässt sich nicht übersehen, dass wir uns alle, die wir unsere Heimat lieben, den Herausforderungen der Gegenwart stellen müssen. Es sind Herausforderungen, die sich in dieser Zeit des Wohlstandes mit einer von Jahr zu Jahr stärkeren Deutlichkeit zeigen.


Da ist die eindeutig zu geringe Kinderzahl, die für den erlangten Wohlstand zur Bedrohung werden kann. Weil wir alle wissen, dass das Versicherungs- und Gesundheitswesen in die Krise gerät, bzw. durch die Alterspyramide eigentlich schon längst in die Krise geraten ist. Da ist die steigende Zahl von verhaltensgestörten Kindern und Jugendlichen, die durch mehrere Faktoren bedingt ist. Eine Rolle spielt vermutlich, dass die Eltern beide berufstätig sind und die Kinder sich selbst überlassen, bzw. dem mechanischen Miterzieher überlassen sind. Ich meine damit das Fernsehen, auch den Computer oder das Internet. Die hohen Scheidungsraten hinterlassen, ob man es wahrhaben will oder nicht, tiefgehende, oft verheerende Spuren in der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen. Da ist die Fun-Gesellschaft, die vom Nachdenken und vom Aufarbeiten der Fragen und Probleme oft abhält. Da ist dieser überall präsente Pluralismus der Meinungen und der Geschmäcker, der eine klare Orientierung des Einzelnen und der Gemeinschaft erschwert um klare Standpunkte, dort wo sie verdeutlicht werden, oft als extrem erscheinen lassen. Sobald einer irgendwo etwas dezidiert sagt, heißt es gleich: du bist extrem. Das hängt mit dem Pluralismus zusammen. Damit will ich nicht sagen, dass jeder Standpunkt auch schon ausgewogen ist; er kann auch unausgewogen sein.
Es ist sicher richtig um den Hl. Geist zu bitten, um seinen Beistand, um seine Erleuchtung. Das Wort des Hl. Paulus an die Römer, das wir in der Lesung gehört haben, ist in dieser Situation nicht bloß trostvoll, sondern auch richtunggebend: Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an, denn wir wissen nicht, heißt es dort, worum wir in rechter Weise beten sollen. Ein sehr weises Wort.


Die Öffnung zu Gott hin ist ein wesentlicher Schritt. Das wird, so meine ich, in dieser unserer Zeit von immer mehr Personen deutlicher erkannt. Das zeigt sich etwa bei den Wallfahrten. Ein Trend, den man überall bemerken kann. Irgendwo merken es viele, man will sich öffnen und Gott zuwenden, meine ich. Das zeigt sich im Trend, der zum Beispiel im Weltjugendtreffen auch zum Ausdruck kommt oder auch beim Weltfamilientreffen, das nächstes Jahr in Valencia sein wird, wo einfach viele Menschen zusammen kommen. Es zeigt sich auch in anderen Phänomenen, die man beobachten kann. Es gibt eine Sehnsucht in den Herzen, bei ganz unterschiedlichen Personen. Wir tragen alle diese Sehnsucht in unseren Herzen, und irgendwo werden sich viele ihres Vakuums zumindest in Augenblicken stärker bewusst. Für uns ist das ein Auftrag.


Vom Hl. Geist heißt es in dem Brief des Hl. Paulus: Er tritt so wie Gott es will für die Heiligen ein. Es heißt nicht unbedingt: so, wie wir es wollen. Das ist auch im Zusammenhang mit den unterschiedlichen Auffassungen, die in der Kirche selber aufeinanderprallen, wichtig. Es ist diese Hinwendung zu Gott mit innerer Offenheit für das, was uns Gott sagt, was uns der Geist eingibt. Natürlich ist damit auch gleichzeitig das Hinhören auf das geoffenbarte Wort verbunden, aber auch das Wort, das uns die Kirche vermittelt. Das ist ein Schritt, der Licht bringen kann, der Perspektiven eröffnet die wichtig sind und der oft auch Heilung bringt.


Wenn wir in den verschiedenen Nöten, in unserer Ohnmacht, still werden, hören und gleichzeitig zu bitten anfangen, kann das ein ganz wichtiger Prozess sein, der auch die Möglichkeit einschließt, dass man sich zusammenfindet und miteinander geht, weil man gemeinsam auf der Suche ist.
Freilich sollen wir auch das Wort Jesu, das wir im Evangelium gehört haben - es ist ein kräftiges, kerniges Wort - in unser Herz eindringen lassen, gleichsam als Quintessenz dieses Evangeliums: "Bemüht euch mit allen Kräften durch die enge Tür zu gelangen!"


Wir leben in einer Zeit vieler Möglichkeiten in vielen Bereichen, in der Freizeitgestaltung, in der Fortbildung, im Engagement oder im Nicht-Engagement. Wer Christ sein will, muss christlich handeln, muss christliche Akzente setzen im eigenen Leben, auch im Bemühen und Streben, und muss meiden was nicht christlich ist. Dafür sind Entscheidung und persönliche und gemeinsame Anstrengungen unerlässlich. Ohne diese geht es nicht. Oft ist auch ein gewisser Kampf erforderlich, beginnend im Persönlichen, dass wir dem Gebet Zeit einräumen, gerade weil wir viel zu tun haben - damit wir nicht nur irgendetwas tun, sondern das, was von uns erwartet wird. Wir müssen Zeit für die Familie einräumen, aber auch für Freundschaft und die Begegnung und für das Wort, sodass wir uns nicht nur in Bewegung befinden und vielleicht vieles erreichen, aber dass Wichtigste verloren geht, vielleicht auch die eigene Gesundheit.
Wir müssen darum kämpfen, dass wir gewisse Dinge nicht tun, weil es nicht angebracht ist, weil wir sonst zu Sklaven werden und die Freiheit verlieren. Wir müssen ringen um die rechte Freiheit. Wir müssen die Stimme erheben, auch dann, wenn es manchmal Mut erfordert und nicht ganz dem entspricht, was die Anderen oder was die Mehrheit denkt. Das bedeutet, dass man aus sich herausgehen muss, sich auch mit anderen zusammentun muss, um nach dem Richtigen zu streben.
In diesem Sinn ist die Bereitschaft zum Einsatz, zum Engagement von größter Bedeutung. Bei dem, das ist der Grundton in dieser heutigen Lesung, ist Zuversicht richtig angebracht und begründet, sofern wir auf Gott und auf Christus setzen. Wir wissen sagt der Hl. Paulus, dass Gott bei denen die ihn lieben, alles zum Guten führt. Es ist wahr, dass das manchmal verbunden ist mit schwierigen Phasen, wüsten Erlebnissen oder verschiedensten Abenteuern. Aber er führt es zum Guten und so dürfen wir Vertrauen und Hoffnung in unserem Herzen haben. Wenden wir uns an Maria, die auch Magna Mater Austriae genannt wird - große Mutter Österreichs. Sie möge uns mit ihrer Fürsprache beistehen. Amen.