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Predigt in der Christmette (im Wortlaut)

Liebe Brüder und Schwestern ! Die Heilige Nacht zieht viele Menschen an, auch in unserer Zeit. Woher kommt das Faszinierende dieser Heiligen Nacht? Der Prophet spricht von einem Licht, das die Erklärung ist: "Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht. Über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf" (Jes 9,1).


Können wir es sehen? In Zeiten des Wohlstands, des Konsums, der Kommunikation, des vielseitigen Fortschritts gibt es viele Lichter, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Oft jagen die Menschen Irrlichtern nach: Besitz, Erfolg, Vergnügen, neue Erkenntnisse und Möglichkeiten. Trotzdem suchen viele - auch solche, die sonst religiös nicht besonders aktiv sind - in der Heiligen Nacht das Kind, das in der Krippe liegt, und wollen das "Stille Nacht" mitsingen. Kommt dies einfach daher, dass manche Bräuche von früher her tief verwurzelt sind, ist es die weihnachtliche Atmosphäre, die anzieht, oder steckt doch mehr dahinter?


Vielleicht liegt es daran, dass der Turm zu Babel, den der Mensch zu bauen versucht ist, immer wieder misslingt.


Damals, beim Ereignis, von dem uns im Alten Testament berichtet wird, wollten die Menschen einen Turm errichten, der bis in den Himmel reicht. Es kam zur Sprachverwirrung und das Vorhaben musste scheitern.


Heute sind ähnliche Versuche zahlreich:
Man möchte durch Besitz, Vergnügen, manchmal auch durch Zügellosigkeit den Himmel auf Erden erreichen, glücklich werden, aber es gelingt nicht, jedenfalls nicht auf Dauer. In diesem Sinn werden auch in Ehe und Familie oft Erwartungen an den Partner gestellt, die kein Mensch erfüllen kann. Man hat versucht, die sozialen Absicherungen so zu gestalten, dass im Leben möglichst alles garantiert wird, aber irgendwann nützen alle Versicherungen nichts. Es geht wie beim Turm zu Babel.


Man hat Männern und Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten Bildungs- und Berufsmöglichkeiten erschlossen, was sehr positiv ist; manche verwirklichen Traumkarrieren, haben großartige Erfolge; das Paradies auf Erden ist es aber noch nicht.


Man hat gewaltige medizinische Fortschritte erzielt; die Menschen werden älter, am liebsten würde man es so einrichten, dass durch Anlegen von Organlagern kranke oder alt gewordene Organe immer wenn nötig, gewechselt werden können. Deswegen wurde in England vor einiger Zeit die Erlaubnis gegeben, Embryonen zu klonen…. Das ewige Leben auf Erden wird so wohl auch nicht gelingen und das ewige Leben im Himmel ist in Frage gestellt.


Trotz all dem und vielem anderen, das die Menschen ins Abseits führt, bleibt "das Kind, das in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt", attraktiv. Der Mensch muss immer wieder von neuem entdecken, dass er Gott braucht, dass er auf sich allein gestellt den Weg, der zur wahren Erfüllung hinführt, nicht findet, und wenn er ihn gefunden hat, nicht bewältigen kann. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir oft schon in kleinen Dingen scheitern. Einfache Hirten können erkennen, was ihnen die Engel verkündet haben. Sie freuten sich, als sie das Kind sahen und seine Mutter. Den Unmündigen wird geoffenbart, was Weisen und Klugen verborgen bleibt. Ob wir bis zum Geheimnis vordringen, wenn wir den Gang zu Krippe versuchen? Oder wird es nur eine flüchtige Begegnung sein, die unser Leben kaum oder gar nicht beeinflusst?


Vieles hängt davon ab, ob wir in dieser Nacht - bzw. überhaupt wenigstens manchmal - still werden, in uns hinein hören und zugleich auf Gott. Es heißt ja: "Als tiefes Schweigen das ganze All umfing, und als die Nacht in der Mitte hielt ihre Bahn, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel hernieder auf die Erde". Es ist die Frage, ob wir Augen haben und Ohren für Gott.


Wichtig ist auch, ob wir uns dessen bewusst sind, dass wir der Hilfe von oben, der Erlösung, der Führung durch Christus und der Heilung bedürfen. Es gibt Menschen die meinen, sie hätten alles. Sie sind noch mit dem Turmbau beschäftigt und ohne Einsicht. Sie werden sich schwer tun zu verstehen, wer dieses Kind ist, was es auf Erden will und was das mit ihrem Leben zu tun hat.


Wer dagegen schon ein wenig Lebenserfahrung hat und sich der eigenen Grenzen bewusst ist, lernt begreifen, was der Prophet von diesem Kind gesagt hat: "Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens."


Dass Ihnen diese Erkenntnis geschenkt sei, wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen. So kann es eine frohe Weihnacht werden. Nähern wir uns in aller Einfachheit und mit dem Verlangen nach Gott, nach Begegnung mit ihm, der Krippe und bitten wir Maria und Josef um ihre Fürsprache, dann werden uns Augen und Herz geöffnet werden für das große Geheimnis, das große Wunder, das uns in dieser Nacht zuteil wird.