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Predigt beim Begräbnis von Altbischof Dr. Franz Zak

"Nachruf" auf Bischof Dr. Franz Zak von St. Pölten,
von Weihbischof Dr. Heinrich Fasching von St. Pölten am 11. Februar 2004.


In einem Interview anlässlich seines 80. Geburtstages sagte Bischof Dr. Franz Zak: "Ich gebe zu, ich habe 1996 in den drei Monaten im Spital zwei Tage nicht beten können. Ich habe nur das Kreuz angeschaut, und das hat mir dann geholfen." Offene Worte! - Offene Worte eines Leidenden, eines Lebens mit dem Blick auf das Kreuz. Altbischof Zak hat ausgelitten, er wurde von seinen Leiden erlöst. Wir stehen an seinem Sarg.
In Trauer versammelte Schwestern und Brüder in Christus, Eminenz, Hochwürdigster Herr Kardinal (König), Exzellenzen, Hochwürdigster Herr Apostolischer Nuntius, liebe Erzbischöfe und Bischöfe, geschätzte Herrn Superintendenten, liebe Priester und Diakone, verehrter Herr Landeshauptmann, Mitglieder des Landesregierung, hochgeschätzte Vertreter aus Politik und des öffentlichen Lebens im Dienst und außer Dienst, liebe Angehörige, Freunde und Wegbegleiter unseres verstorbenen Altbischofs!


Eminenz, hochwst. Herr Kardinal! Wir freuen uns und danken Dir, dass Du den Begräbnisgottesdienst für Deinen verstorbenen Nachfolger als Bischofkoadjutor von St. Pölten heute mit uns feierst. Hab ganz herzlichen Dank.
Selig die Toten, die im Herrn sterben, sie sollen ausruhen von ihren Mühen; denn ihre Werke folgen ihnen nach.
Der am längsten regierende Bischof von St. Pölten Dr. Franz Zak ist am Festtag des hl. Thomas von Aquin, am 28. Jänner 2004 (um 16 Uhr 30) von uns gegangen. Ich schätze mich glücklich, dass ich die letzte Stunde seines Lebens bei ihm verbringen und seinen Heimgang zu Gott mit Gebet begleiten durfte. In Te Domine speravi, non confundar in aeternum. - "Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden." Diesen letzten Vers des Te Deum betete Bischof Franciscus nicht nur sein Leben lang im Stundengebet der Kirche, sondern wiederholt auch in seinen (schweren) letzten Tagen. Wir hören aus diesem Gebet des Sterbenden den überzeugten und überzeugenden Bischof, seine große, seine starke Persönlichkeit, die in Gott fest verankert seine Lebensaufgabe erfüllen konnte, uns im Glauben vorangegangen ist und überzeugt war, dass Gott sein Leben und die ganze Schöpfung zu einem guten Ende führen wird.


Nach dem II. Vatikanischen Konzil ist es Aufgabe der Bischöfe, zu lehren, zu leiten und zu heiligen. Diesen Worten folgend, möchte ich den bischöflichen Dienst unseres verstorbenen Bischofs Dr. Zak an Hand seines bischöflichen Wahlspruches - Juste pie fortiter, gerecht fromm tapfer - skizzieren.


I. Bischof Zak wollte seine Diözese juste (gerecht) leiten gemäß einem Wort aus seinem Wahlspruch. Bischof Michael Memelauer übertrug ihm schon am Weihetag alle Rechte und Vollmachten für die Leitung der Diözese. Daher zählen seine fünf Koadjutorjahre zu den 30 Jahren als Diözesanbischof. Im vollen Einvernehmen mit Bischof Michael initiierte Dr. Zak den Bau des Exerzitien- und Bildungshauses St. Hippolyt und die Diözesansynode 1961. Wenige Minuten vor der Segnung des Hippolythauses und einen Tag vor Beginn der Synode starb Bischof Memelauer und Dr. Zak wurde Diözesanbischof. In den ersten Jahren erwarb sich Bischof Zak das Vertrauen des Klerus, Zustimmung und Anhänglichkeit des gläubigen Volkes, Respekt und Ansehen in der Öffentlichkeit.
Um der wichtigen bischöflichen Aufgabe der Pfarrvisitationen gerecht zu werden, setzte er alles andere hintan. In den ersten 17 Jahren seines bischöflichen Dienstes führte der junge Bischof in allen 420 Pfarren der Diözese die kanonische Visitation durch. Dann visitierte er 267 Pfarren ein zweites Mal.


Als langjähriger Mitarbeiter von Bischof Franciscus darf ich sagen: In den Priestern sah er nach den Worten des Konzils die "notwendigen Helfer und Ratgeber".
Ebenso hat er die Mitarbeit des Gottesvolkes in den Beratungs- und Entscheidungsorganen sehr ernst genommen. Für Bischof Zak war die vom Konzil betonte "Würde und Verantwortung der Laien" in der Kirche eine Selbstverständlichkeit. Jeder Mitarbeiter wusste das und erkannte seine Mitverantwortung.
Bischof Zak‘s Stehen zu seinem Wort und sein stetes Vertrauen in die Mitarbeiter hat viele Priester und Laien in ihrem Leben und bei ihren Aufgaben ermutigt.


II. Dem zweiten Wort seines Wahlspruches - pie (fromm) - getreu war Dr. Zak ein frommer Mann, Priester und Bischof im Dienst der Heiligung. Schon als Soldat schrieb er im Frühling 1942 an seinen Spiritual: "Christus war mir kaum in meinem Leben so nahe wie in diesen Tagen ... Ich dachte nicht nur an Christus, Christus stand lebendig vor mir als mein bester Freund ... Ob ich Totengräber sein musste oder verwundete Soldaten zurückbrachte, ob ich in schwerem Artilleriefeuer lag oder zum Angriff vorstürmen musste, nie war ich ohne ihn." Die tägliche Feier der hl. Eucharistie und ein tiefes Gebetsleben waren ihm selbstverständlich.
In einem Interview befragt, was seine größte Sorge sei, antwortete Bischof Zak: Priesternachwuchs und Priester. Er hat in seinen 35 Jahren als Bischof 335 Priester geweiht.


Liebe Mitbrüder! Ich bin überzeugt, Ihr dankt ihm heute, dass er Euch durch Handauflegung und Weihegebet Anteil gegeben hat am Priestertum, damit Ihr den Dienst der Heiligung ausüben könnt für die Menschen, für die Ihr Priester sein wollt und zu denen Euch der Bischof gesandt hat.
Die Ankündigung des Konzils durch den inzwischen seliggesprochenen Papst Johannes XXIII. hat der noch junge Bischof begrüßt, sich und seine Diözese darauf vorbereitet, vom ersten bis zum letzten Tag daran teilgenommen und mitgearbeitet.
Selbst vom Geist des Konzils erfüllt, galt nach dem Konzil alle Sorge der Verwirklichung der Theologie und der Beschlüsse des II. Vatikanums. Wiederholt sprach er mit großer Begeisterung von seinen Konzilserlebnissen und über die Anliegen des Konzils.


Durch Fortbildung der Priester, durch Aktivitäten der Kath. Aktion und des Kath. Bildungswerkes und besonders durch die Diözesansynode 1972 gelang es ihm, dass die Anliegen des Konzils in großer Einmütigkeit im Klerus und im ganzen Gottesvolk der Diözese begeistert aufgenommen wurden.
Seiner eigenen eucharistischen Frömmigkeit entsprechend war Bischof Franciscus stets darauf bedacht, dass die vom Konzil initiierte Erneuerung der Liturgie in unserer Diözese mit der nötigen Sorgfalt vorbereitet und durchgeführt wurde. Das führte in der ganzen Diözese zu einer Erneuerung des liturgischen Lebens.
Als äußeres Zeichen für die Sorge unseres Altbischofs um die Erneuerung der Liturgie und seines Dienstes der Heiligung steht dieser Altar, den er gewünscht und konsekriert hat.


III. Dem dritten Wort seines Wahlspruches - fortiter (tapfer) - ist Bischof Zak vor allem gerecht geworden als unermüdlicher, unerschrockener und wortgewaltiger Verkünder des Gotteswortes. Seine Predigten in ausgefeilter Sprache, mit rhetorischer Kraft fanden aufmerksame Hörer nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Öffentlichkeit.
Schon am Tag nach seiner Bischofsweihe bestieg der neue Koadjutor die ihm vertraute Domkanzel und hielt zur Jahresschlussandacht die erste seiner berühmt gewordenen Silvesterpredigten. Durch all die Jahre seines Bischofsdienstes bezog Dr. Zak in seinen Hirtenbriefen und Silvesterpredigten klare Position zu Entwicklungen und Zuständen in Kirche und Gesellschaft. Es waren immer Worte voll Zuversicht und Ermutigung, zugleich aber auch Worte des Verständnisses, der Achtung und der Anerkennung.


Die Einheit der Kirche im Glauben und in der Liebe sowie das Stehen zum Papst waren für Bischof Zak maßgebliche Merkmale seines bischöflichen Dienstes. Dazu versuchte er durch all die Jahrzehnte auch seine Priester und sein Diözesanvolk zu führen. Die Verkündigung des Glaubens an Jesus Christus und seine Kirche war Thema seines ersten Fastenhirtenbriefes. Der neue Bischofkoadjutor prägte darin den bedeutsamen Satz, dicht gefüllt mit theologischem Gehalt: "Es ist nur ein Mittler (zwischen Gott und den Menschen), der menschgewordene Gottessohn, der die Menschennatur in die Einheit und Einzigkeit seiner Person aufnahm. Er ist der einzige Erlöser und außer ihm ist kein anderer. Nur von seinem Kreuz strömt alle rettende Gnade in die Welt. Er ist der einzige Weg zum Vater, und es kommt keiner zum Vater außer durch ihn." An dieses Wort schloss Dr. Zak seine Betrachtung über die "eine wahre Religion und die eine wahre Kirche des Heiles" an.


Als ich diesen Hirtenbrief unlängst wieder las, war ich unwillkürlich an die Erklärung "Dominus Jesus" der Glaubenskongregation vom Jahre 2000 "über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche" erinnert.
Bischof Zak war Prediger in allen Kirchen unserer Diözese, persönlich und durch seine viel beachteten Hirtenbriefe. - Auch seinen Dienst als Militärvikar von Österreich, erfüllte er mit voller Hingabe und mit großer Begeisterung. Ob "gelegen oder ungelegen" wollte er die unverkürzte Frohbotschaft in die Herzen der Menschen hineinlegen.


Ein letztes Mal trat der Altbischof als Verkünder des Gotteswortes an, als er am 28. Dezember 2003 im St. Elisabeth Heim der Caritas, wo er seit seiner Emeritierung wohnte, die heilige Eucharistie feierte und die bestens vorbereitete Predigt zum Fest der Heiligen Familie hielt.
Bischof Zak war - um es mit den Worten Kardinal Schönborns zu sagen - ein Mann der Kirche von eindrucksvoller Treue und Geradheit, von großer Ehrlichkeit und Opferbereitschaft. In den letzten Jahren hat er sein Leiden in bewundernswerter Weise getragen - als letzte Form seines bischöflichen Dienstes.


Hochverehrter Herr Altbischof!
Wir haben uns hier versammelt, um Dir die letzte Ehre zu erweisen und das Opfer unseres Herrn für Dich zu feiern.
In aller Namen und im Namen unserer Diözese sage ich Dir aufrichten Dank für Dein vorbildliches Leben und Dein Wirken als Oberhirte. Du hast uns bis zu Deiner letzten Stunde mit Deinem Beten und Leiden begleitet.
In Deinem Namen danke ich allen, denen Du selbst danken wolltest: Den bischöflichen Mitbrüdern, dem Presbyterium, Deinen Angehörigen, den Schwestern in Deinem Haushalt, dem St. Elisabeth-Heim, besonders den Ärzten und dem Pflegepersonal, die Dich mit großem Einsatz umsorgt und betreut haben, sowie allen, die Dich während Deiner letzten Erkrankung besuchten.
Dir den "Nachruf" sprechen zu sollen, gereicht mir zur Ehre.


Lieber Bischof Franciscus!
Mit Worten aus Deinem geistlichen Testament darf ich schließen. Du schreibst: "Noch einmal rufe ich allen zu: Habt einen lebendigen Glauben! Liebt Christus! Stellt Euch unter den Schutz der Gottesmutter! Vertraut auf den Herrn und Ihr werdet Erlösung und Frieden finden! Die ganze Diözese empfehle ich der 'Beata Assumpta' und Mutter der Kirche sowie der Fürbitte des hl. Hippolytus. Und der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters + und des Sohnes + und des Hl. Geistes + komme herab auf Euch und bleibe allezeit! Amen! Alleluja! Auf Wiedersehen!"