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Predigt bei der Wiedereröffnung der Rosenkranzkapelle (im Wortlaut)

Lieber Brüder und Schwestern! Die neuerliche Verwendung der gründlich renovierten Rosenkranzkapelle als Gebets- und Gottesdienstraum und die Weihe des neuen Altares in dieser Kapelle sind von ihrem ganzen Wesen her adventliche Handlungen, die durchaus mit der Feier des vierten Adventsonntags in Einklang stehen. In Einklang stehen auch die Lesungen des vierten Adventsonntages die wir soeben vernommen haben.


In der ersten Lesung aus dem Buch Samuel hörten wir das Wort des Herrn, das der Prophet Nathan empfangen hat, nachdem ihm König David den Plan mitgeteilt hatte, für Gott einen Tempel errichten zu wollen, was Nathan sofort gutgeheißen hat. Aber dann hört Nathan in der Nacht das Wort des Herrn, er soll wieder zu König David gehen und ihm sagen: "Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne", und er gibt ihm die Botschaft: Ihm wird der Herr ein Haus erbauen. Damit verbindet sich eine Prophezeiung: Dein Haus und dein Königtum sollen durch mich auf ewig bestehen bleiben - das Haus des David. Dein Thron soll auf Ewigkeit bestand haben. Diese Worte wurden vom Volk Israel und werden von der Kirche als messianische Verheißung verstanden, als ein Hinweis auf den Messias, der dann Sohn Davids genannt wird. - Wenn Sie sich erinnern, im Evangelium kommen dezu mehrere Stellen vor, zum Beispiel beim Einzug in Jerusalem, da rufen sie ihm zu: "Sohn Davids, Hosanna dem Sohne Davids!" oder der blinde Bettler ruft ihm: "Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!" Das war eine Bezeichnung für den Messias.


In der zweiten Lesung wird uns vom Hl. Paulus erklärt, dass das Geheimnis Gottes, dem wir mit großer Ehrfurcht zu begegnen haben, durch Christus geoffenbart wurde. Und zwar nicht nur für das Volk Israel, sondern um die Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu führen. Das heißt, das war eine Verheißung für alle, auch für uns. Dass der Sohn David, dass dieses Königtum, diese neue Herrschaft, dieses neue Reich, das Reich Gottes, sich entfalten wird. Im Evangelium wird dann verdeutlicht, dass in Maria diese Verheißung, die David empfangen hat, Fleisch annimmt. Und sie hört die Botschaft vom Engel: "Er wird Sohn des Höchsten genannt werden. Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters Davids geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen". Dies ist ein direkter Bezug zu dieser Prophezeiung, die nun in Erfüllung geht.


Alle drei Lesungen wollen uns für das Weihnachtsfest bereitmachen, für die Erkenntnis des Messias, für seine Aufnahme in unsere Herzen, für die Entfaltung seines Reiches, jetzt hier auf Erden. Es ist das Reich, das in Ewigkeit dauern wird.


Wenn nun die Rosenkranzkapelle ihrer Bestimmung von Neuem übergeben und der Altar geweiht wird, steht dies im Dienste des Verlangens nach dem Kommen des Herrn, nach einer echten Weihnacht, nach einer Gottgeburt bei uns und bei den anderen, nach der Wirksamkeit des Herrn, der die Welt erlöst hat, damit das Licht aufgeht mitten in der Finsternis, damit die Menschen den Retter empfangen, der ihnen den Weg zum Vater zeigt.


Die Rosenkranzkapelle ist vermutlich in der Mitte des 17. Jahrhunderts, vermutlich durch die Initiative der Rosenkranzbruderschaft, gemeinsam mit der Sebastianbruderschaft, entstanden. Diese Kapelle steht in der uralten Gebetstradition der Kirche, sich in den Nöten der Zeit an die Mutter Gottes zu wenden - das heißt, sich den Geheimnissen ihres Lebens und des Lebens Jesus zuzuwenden, damit dem eigenen Leben Licht, Trost, Kraft zuteil wird. Damals, im 17. Jahrhundert, waren die Bewahrung vor Krieg und Pest die großen Anliegen, welche die Menschen veranlassten, die Andacht zu Maria zu suchen. Wenn sie an die Türkenbelagerung in Wien denken; auf allen Burgen und in allen Städten wurde vor allem der Rosenkranz gebetet, mit der Hoffnung, bewahrt zu werden vor dem Tod und befreit zu werden. Man hat sich besonders an die Pestheiligen gewandt, an Sebastian und Rochus. Sebastian ist auch hier in der Rosenkranzkapelle.


In unserer Zeit bewegen uns andere Nöte. Oft sind es die Sorgen um die Familien, um einzelne Menschen die den Weg nicht finden. Aber oft sind es auch Sorgen wegen mancher Entwicklungen in Gesellschaft und Kirche. Bei den Menschen, die mit all den vielen Dingen die sie haben und den vielen Irrlichtern oft die Mitte verlieren, das Eigentliche aus dem eigenen Leben, gelangen damit oft in furchtbare Nöte. Die Kapelle wurde nicht nur renoviert, weil sie ein Kulturdenkmal ist. Das ist sie auch und es ist gut, die Kultur zu pflegen. Sie soll aber auch von neuem eine Stätte des Gebetes werden, ein Ort der Stille, so etwas wie ein Schutzraum, wie ein Intensivraum, ganz eng verbunden mit dem Dom mitten im Herzen der Stadt, auch im Herzen der Diözese St. Pölten, man könnte auch sagen an der Wiege Österreichs - damit diese Bitte an Gott unaufhörlich weitergegeben wird: "Komm Herr Jesus, rette uns, hilf uns, steh uns bei".


Es ist ein echt adventliches Unternehmen, das hier wieder neu gegründet wird. Besonders deutlich wird der adventliche Charakter bei der Altarweihe selbst. Sie enthält ja ähnliche Elemente wie eine Taufe. Der Altar wird zunächst als Zeichen der Reinigung mit Weihwasser besprengt, so wie wir alle bei der Taufe mit Wasser übergossen wurden. Wichtig ist das Element der Reinigung, Reinigung von den Sünden, Reinigung vom Bösen von dem, was sozusagen die Nähe Gottes verdrängt oder abhält. Dann kommt Christus gerade mitten in die Armut hinein - er wird hineingeboren in die Armut der Menschen, er kommt um zu retten, um zu erlösen. Die Sünde ist eigentlich der Grund warum er kommt.


Der Altar wird gesalbt. Auch wir wurden alle bei der Taufe gesalbt und bei der Firmung. Jene die krank werden, werden ebenfalls gesalbt, die Priester und auch der Bischof werden gesalbt. Immer bedeutet das die Verbundenheit mit Christus. Der Altar wird gereinigt und gesalbt, mit Wasser gesprengt und gesalbt, denn er soll Christus aufnehmen, Christus tragen, für die Menschen Christus bringen.


Ich weiß nicht, ob Sie die verschiedenen Darstellungen des Weihnachtsgeschehens in der Ostkirche, in der Ikonographie kennen, oder Sie diese schon genauer betrachtet haben? Da werden Sie sehen, dass anstelle einer Krippe oft ein Altar verwendet wird. Das Kind liegt wie auf einem Altar, es ist eingewickelt, es erinnert an die Grablegung, an das Opfer. Die Altarweihe ist so etwas wie eine Krippe gestalten für die Herabkunft des Herrn, genau wie uns die Taufe bereitmacht, sodass wir zu einer Art Krippe werden, zu Menschen die Christus aufnehmen, die Christus sich ins Herz senken lassen, in denen Christus lebendig wird.


Es wird dann Weihrauch auf dem Altar verbrannt, damit Weihrauch empor steigt, so wie das Gebet sich von diesem Altar zu Gott empor heben soll, ist es ein Symbol für das, was im Gottesdienstraum geschehen soll und was auch unser Leben sein soll, eine Gabe an Gott.


Nach der Reinigung des Altares wird das Altartuch darauf gelegt, in der Regel ein weißes Tuch, ähnlich wie bei der Taufe, wo man ein Taufkleid empfängt als Zeichen der Reinigung der Seele. Bei der Taufe wird die Kerze entzündet; in der Regel bekommen die Eltern die Taufkerze - das Licht Christi soll leuchten. Zum Altar werden auch Blumen gebracht als Zeichen der Freude und Liebe. Wir sollten, wenn dass jetzt geschieht, die Worte des Engels sozusagen im Herzen tragen, die Maria gehört hat: "Der Heilige Geist wird über dich kommen, die Kraft des Höchsten wird dich überschatten". Möge dieser liturgische Akt so etwas wie eine Bitte an Gott sein für unsere Stadt, für unser Land, für uns selbst, für unsre Familien: Christus möge herabkommen, Weihnachten möge es werden, das Licht möge leuchten, die Erlösung möge uns zuteil werden und sein Reich möge sich entfalten, sodass wir frohe Menschen sind, die Hoffnung haben, mit dem Blick auf die Ewigkeit leben, die die Zeit nützen, die ihnen geschenkt ist, weil sie versuchen, dem entgegenzugehen, für den sie geschaffen worden sind.
Maria wird uns beistehen, wenn wir sie um ihre Fürbitte bitten. Amen.