Entzündung der 2. Kerze am Adventkranz
Krippenschau im Diözesanmuseum
Winterwald
 
 

Predigt bei der Diakonenweihe (Wortlaut)

Liebe Brüder und Schwestern, Liebe Weihekandidaten! Beim Zweiten Vatikanischen Konzil heißt es in Bezug auf die ständigen Diakone: "Sache des Diakons ist es, je nach Weisung der zuständigen Autorität, feierlich die Taufe zu spenden, die Eucharistie zu verwahren und auszuteilen, der Eheschließung im Namen der Kirche zu assistieren und sie zu segnen, die Wegzehrung den Sterbenden zu überbringen, vor den Gläubigen die Heilige Schrift zu lesen, das Volk zu lehren und zu ermahnen, dem Gottesdienst und dem Gebet der Gläubigen vorzustehen, Sakramentalien zu spenden und den Beerdigungsdienst zu leiten. Den Pflichten der Liebestätigkeit und der Verwaltung hingegeben, sollen die Diakone eingedenk sein der Mahnung des heiligen Polykarp: Barmherzig, eifrig, wandeln nach der Wahrheit des Herrn, der aller Diener geworden ist". Das ist eine gute und vollständige Beschreibung des diakonalen Dienstes, die in Lumen Gentium, der Konstitution über die Kirche, steht.


Für das Volk Gottes ist es eine Freude, wenn sich Männer so in den Dienst der Kirche stellen. Alle sind gestandene Männer, die ihren Beruf seit Jahren ausüben; die meisten verheiratet, einige unverheiratet mit dem Versprechen des Zölibates. Eine Freude für das Volk. Gleichzeitig ist es eine Gabe Gottes, die dem Volke zuteil wird. Denn man empfängt eine Weihe als Diakon, als Priester, als Bischof nicht für sich selber, sondern um in den Dienst Gottes und seines Volkes zu stehen.
Am Anfang wurde es vom Chor gesungen und wir haben in der zweiten Strophe mit eingestimmt: Herr ich bin dein Eigentum. Das gilt an sich für jeden Menschen. Es bekommt aber für jene, die sich heute weihen lassen, noch einmal eine ganz besondere Note hinzu: Es ist ein Hinweis. Sich weihen lassen bedeutet unter anderem, sich einmal mehr und doch auch in besonderer Weise Gott schenken, sich in den Dienst Gottes und seines Volkes stellen. Das tun heute diese 17 Weihekandidaten. Beteiligt sind auch die Familien bei denen, die verheiratet sind, und die Angehörigen. Sie geben ein Stück weit, so könnte man sagen, den Vater, den Mann her für diesen Dienst. Sie haben zugestimmt, sie stimmen zu. Eine Familie erbringt sogar den Sohn, damit er sich ganz in den Dienst Gottes und der Kirche stellt.
Für uns ist es heute ein Anlass, eine Aufforderung, für die Weihekandidaten zu beten und zu bitten, dass ihnen der Heilige Geist beistehe, dass sie Gottes Beistand empfangen. Denn mit einer Weihe verbindet sich eine Verantwortung - man könnte sagen, eine sehr hohe Verantwortung.


In der ersten Lesung - es sind die Lesungen vom heutigen Sonntag - ist ein sehr hart klingendes Wort enthalten, das Gott zu den Priestern des Alten Bundes richtet. Es heißt: "Seht ihr Priester, wenn ihr nicht hört und wenn ihr nicht von Herzen darauf bedacht seid, meinen Namen in Ehren zu halten, dann schleudere ich euch meinen Fluch entgegen." Ein sehr hartes Wort. Dann fügt der Herr hinzu: "Ihr seid abgewichen vom Weg und habt viele zu Fall gebracht durch eure Belehrung." Man hat früher einmal in gesagt: Ein Priester geht nie allein in den Himmel und nie allein in die Hölle. Er nimmt immer andere auch mit. Das gehört zur Aufgabe des Priesters. Bei Diakonen scheint mir das auch irgendwie so zu sein.
Es ist eine hohe Verantwortung die man übernimmt, wenn Geweihte sich in den Dienst des Herrn stellen, in den Dienst auch der Menschen, in den Dienst der Kirche.


Diakone - es gehört ja zu ihrem Aufgabenbereich - wirken am Verkündigungsauftrag der Kirche mit. Jene, die im Auftrag der Kirche verkünden, müssen darauf achten, - das steht auch im Zweiten Vatikanischen Konzil, im Dekret für die Priester und gilt aber auch für die Diakone - nicht bloß eigene Gedanken, eigene Vorstellungen darzulegen, sondern das Evangelium Christi, und zwar so wie es von der Kirche weitergegeben wird. Das ist eine große Herausforderung. Das braucht gerade in unserer Zeit der Säkularisierung in besonderer Weise Mut, das braucht Liebe zu Gott und Liebe zu den Menschen.
Gerade, wenn die Liebe echt ist, dann wirkt das auch in der Familie und in der Familie Gottes genau so, dass man den Anderen hilft und beisteht, und wenn man irgendwo etwas sieht, das schief läuft, dass man das ändert.
Mir hilft da oft das ärztliche Denken. Wenn jemand kommt und eine schwere Krankheit hat, wäre es völlig verantwortungslos ihm das zu verschweigen. Man muss es aber mit Liebe sagen. Man wird es auch so sagen, dass es Hoffnung gibt - aber auch so, dass jeder das tut, was nötig ist, um gesund zu werden. Das ist ja positiv, aber das muss man rechtzeitig wissen und sagen, damit man sich darauf einstellen kann. Irgendwie, auch wenn es nicht so dramatisch ist, gilt das auch für den Verkündigungsdienst.


Wir sollen dankbar sein, weil die Verkündigung der Kirche bei denen, die sich heute als Diakon in den Dienst stellen, offenbar in einer besonderen Weise auch fruchtbar gewesen ist.
So können wir die Worte, die wir in der zweiten Lesung bei Paulus vernommen haben in besonderer Weise auch auf Sie anwenden. Dort heißt es: Darum danken wir Gott unablässig dafür, dass Ihr das Wort Gottes, das Ihr durch unsere Verkündigung empfangen habt, nicht als Menschenwort, sondern, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort angenommen habt. Deshalb haben Sie die Mühe der Vorbereitung für das Diakonenamt auf sich genommen, den Entschluss gefasst und diesen Entschluss immer wieder erneuert, bis der heutige Tag gekommen ist.
Sie sind zum Einsatz bereit, weil Sie das Wort nicht als Menschenwort, sondern als Gottes Wort, als Gottes besonderen Ruf erfahren. So haben wir Grund, Gott zu danken, denn der Heilige Geist wirkt auch heute. Und auch Grund, den Familien zu danken, die mit Ihnen den Weg hierher gegangen sind und die auch zugestimmt haben, die ihn mittragen und die auch irgendwo einen Rückhalt für Sie bilden. Aber der letzte Grund ist, dass Sie dieses Wort der Verkündigung nicht als Menschenwort, sondern als Gottes Wort erfahren haben.


Mit den Weihekandidaten hoffen wir, dass ihre diakonale Tätigkeit und durch sie Christus ganz im Zentrum steht. Das ist die Botschaft des heutigen Evangeliums.
Christus ist der Anlass, warum Sie heute da sind.
Christus ist die Grundlage für Ihre zukünftige Tätigkeit als Diakone, denn Sie sollen stellvertretend für ihn tätig sein - als Diakon, Ihrem Charisma entsprechend.
Christus ist das Ziel, denn ihn sollen Sie im Herzen tragen, ihn sollen Sie den Anderen bringen und Sie sollen - so heißt es im Evangelium, auch in einer eher kernigen Ausdrucksweise, sich nicht Rabbi nennen, nicht Lehrer, nicht Meister, denn das ist der Herr. Christus ist der Lehrer, der Rabbi, der Meister. Wir sollen uns auch nicht als Vater in diesem Zusammenhang bezeichnen, denn wir haben nur einen Vater, der im Himmel ist.
Das entlastet zugleich jene, die geweiht werden. Denn es kommt hier nicht bloß auf die eigene Fähigkeit an, auch nicht bloß auf die eigene Tugend. Es kommt darauf an, dass Christus erkannt, gebracht, verwirklicht wird.
Ich wünsche den Weihekandidaten, dass sie das auch erfahren und erleben dürfen, wenn sie tätig sind: dass Christus durch sie wirkt, dass Christus uns nahe ist, dass Christus in den Weg der Menschheit eingreift, dass es Christus ist, von dem eine Kraft ausgeht, denn Gottes Sohn ist Mensch geworden, er ist unter uns gegenwärtig.


Dann möchte ich zum Schluss kommen und noch ein paar kleine Ratschläge mit auf den Weg geben. Bei der Übergabe des Evangeliars, bei der Zeremonie nach vollzogener Weihe wird das Wort gesprochen: "Was du liest ergreife im Glauben, was du glaubst, das künde, und was du verkündest, erfülle im Leben."
Liebe Weihekandidaten, lebt das geistliche Leben, nehmt euch Zeit für Gebet, empfangt die Sakramente auch persönlich, bemüht auch umzusetzen, was ihr predigt.
Das ist die entscheidende Voraussetzung für die Wirksamkeit, dass doch irgendwo Christus durchleuchtet, durch die Worte, durch das Leben. So wird es für alle leichter Christus zu erkennen, wenn ihr so in einer lebendigen Verbundenheit mit ihm wirkt.
Den Verheirateten möchte ich in besonderer Weise sagen und raten: vernachlässigt eure Familien nicht. Es sollte so sein, dass eure Familien gerade auch deshalb dankbar sind, weil sie sagen: unser Vater, seit er Diakon ist, ist noch angenehmer, hilfsbereiter, …. Es ist ein guter Rat. Für jene, die den Zölibat versprechen: haltet eure Hingabe hoch wie einen Schatz, den man pflegt und behütet, der sehr viel auch Quelle der Freude und des Friedens bedeutet, in einer Hingabe, die bewusst ganzheitlich und in allen Bereichen gelebt wird.


Und schließlich möchte ich euch in besonderer Weise sagen: Seid zuversichtlich. Wenn Gott von einem etwas erwartet, dann gibt er sicherlich die nötige Gnade, den nötigen Beistand und die Gabe des Heiligen Geistes. Alles andere wäre mit Gottes Güte nicht vereinbar. Er verlangt nie, was wir nicht geben können.
Und so wollen wir uns an die heilige Mutter Maria wenden und sie um Fürsprache bitten: Maria, die Königin der Apostel, die Mutter der Kirche möge euch und uns allen beistehen, damit wir Gott und der Kirche dienen wie es nötig ist. Amen.