Fronleichnamsprozession
Ministrantentag 2019
Bischof beim Minitag 2019
Pfarrfestsaison
Weihbischof Anton Leichtfried bei der Karfreitagsliturgie
Familien
 
 

Predigt am Christtag (im Wortlaut)

Liebe Brüder und Schwestern! Am Weihnachtsfest werden wir mit dem großen Geheimnis konfrontiert, das im Prolog des Johannesevangeliums wunderschön beschrieben ist. Für uns ist und bleibt es unfassbar: Gott wird Mensch. Einmal mehr hören wir die Botschaft: " Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt".


Es war ein Ereignis von kosmischer Bedeutung, dh für das ganze Universum wichtig, ein Ereignis, das in einem konkreten Augenblick der Menschheits- und Schöpfungsgeschichte geschehen ist. Es ist aber etwas, das uns alle und jeden einzelnen angeht. "Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt."


Weihnachten ist ein kräftiger Anstoß zum Nachdenken. Da heißt es: "Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf."


Warum eigentlich? Wie ist das möglich?


Der Blick auf die Krippe ist lehrreich. Er kommt nicht mit Macht. Er legt niemandem Zwang an. Wir Menschen sind frei: Wir können uns ihm zuwenden oder wegschauen, wir können auf ihn hören oder uns taub stellen. Wir können unser Leben christlich gestalten, gottbezogen, oder so, als gäbe es keinen Gott und keine Gebote. Es hängt von uns ab, wem wir nachlaufen, welche Ziele wir als wichtig erachten und welche wir verfolgen.


Der Glaube aber sagt uns, dass auf jenes Kind, das auf Stroh gebettet ist, die Worte des Psalms bezogen sind: "Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt." Der Hebräerbrief erläutert es mit der Weisung: "Alle Engel sollen sich vor ihm niederwerfen."


Es ist ein Angebot, das von Gott kommt. " Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden", heißt es im Evangelium und im Tagesgebet wurde die Bitte ausgesprochen: "Lass uns teilhaben an der Gottheit deines Sohnes, der unsere Menschennatur angenommen hat."


Eine völlig neue Perspektive eröffnet sich. Ich denke manchmal an eine Frau - es war eine gute Frau -, der bei Exerzitien aufging, dass sie mit allen ihren Beschäftigungen und Aufgaben sehr wohl mit Gott verbunden leben könne. Sie musste nur anfangen, ihr Leben anders zu betrachten als sie es bisher gewohnt war. " Wie konnte ich nur so viele Jahre blind sein", sagte sie. Was ihr vorher als grau, leer, geisttötend, letztlich als belastend, bedrückend schien, sah sie nun als Gelegenheit, Gott zu dienen, Liebe zu erweisen, Liebe zu leben, als etwas, das sie dem eigentlichen Ziel näher führt, innere Erfüllung und äußere, aber auch bleibende Fruchtbarkeit ermöglicht. Christus hat ihr diese Sicht vermittelt, weil er der Mensch gewordene Gott ist. Alle geschöpflichen und insbesondere menschlichen Wirklichkeiten sind Gott bezogen. Wir neigen dazu, unser Leben von Gott loszulösen. Dadurch verliert es seinen wahren Inhalt. In Christus zeigt sich die vollkommene Einheit. Er wird zum Weg für jene, die Ihn entdecken und an Ihn glauben. Durch Christus wird unser Alltag hell.


Das Weihnachtsfest macht deutlich, dass nicht ganz besondere Voraussetzungen nötig sind, um Gottes Nähe zu entdecken. In größter Armut wird er zur Welt gebracht. Zu den Jüngern hat er später gesagt: "Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich." Wir unterliegen wahrscheinlich alle häufig dem Irrtum zu meinen, Weihnachten könne nur für jene ein wirkliches Fest sein, die ohne Probleme sind. In Wirklichkeit lautet die Weihnachtsbotschaft viel mehr, dass er gekommen ist, Fesseln zu lösen. Er kann Blinde sehend machen, Taube hörend; er kann sogar Tote erwecken. Weihnachten bedeutet Hoffnung für den Menschen, auch für den fehlerhaften, schuldbeladenen. Denn er ist nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder. Das ist gerade der Grund seines Kommens. Durch Ihn können wir, kann jeder die Verbundenheit mit Gott erreichen.


Auch das Leben der von Leid Heimgesuchten wird durch das Weihnachtsgeschehen erhellt. Mit Ihm kam eine neue Sicht des Leidens in die Welt. Leiden kann fruchtbar werden, sinnvoll, etwas, das zu Gott hin führt. Durch sein Leiden und Sterben am Kreuz hat er die Welt erlöst. Jeder einzelne Mensch, auch der Kranke, Schwache, Behinderte, in irgendeiner Weise Leidende, sogar der Einsame kann verbunden mit Christus einen Weg finden, der zum Vater führt, zum Frieden, zur Fruchtbarkeit, letztlich zum ewigen Leben für sich und andere.


Wie anders ist die Sichtweise, die gerade in der Wohlstands- und Konsumgesellschaft unter vielen Menschen verbreitet ist: Wichtig scheint nur, dass es einem "gut" geht, dass man etwas vom Leben hat. Und sobald eine Beeinträchtigung dieser Lebensqualität droht, kommt die Frage, ob ein solches Leben sinnhaft ist, ob es sich lohnt, ein solches Leben zu leben. Für noch nicht Geborene, insbesondere für Behinderte, aber auch für Kranke und Alte kann diese Frage sogar zur tödlichen Gefahr werden.


Die Weihnachtsbotschaft verdeutlicht die Würde jedes einzelnen Menschen ohne Ausnahme und ohne Diskriminierung. Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch - jeder - zu Gott kommen kann. Jeder hat eine Chance, jedem eröffnet sich ein Weg zu Gott, zur Liebe, denn Gottes Wesen ist die Liebe, zum Erfülltsein, zur Seligkeit.


Beim Propheten Jesaia heißt es: "Brecht in Jubel aus, jauchzet alle zusammen, ihr Trümmer Jerusalems! Denn der Herr tröstet sein Volk, er erlöst Jerusalem. …Alle Enden der Erde sehen das Heil unseres Gottes."


Ich wünsche Ihnen, liebe Brüder und Schwestern, eine wahrhaft frohe Weihnacht, eine Entdeckung dieses Gottes, der zu uns herabkommt, der sich auf unsere Niederungen einlässt und ein Licht anzündet, ein großes, kräftiges Licht. Es erleuchtet unser ganzes Leben, unseren Alltag, auch unsere Leiden und andere Dunkelheiten.


Vergessen wir beim Gang zur Krippe nicht, auch einen Blick auf die anderen Gestalten zu richten, die in der Nähe dieses Kindes sind. Wir empfangen von ihnen wertvolle Hinweise bezüglich der Geburt Gottes in unserem Herzen und in unseren Häusern. Bitten wir besonders Maria und Josef um ihre Fürsprache, damit Jesus Christus unser Herr sei, der uns zum Ziel unseres Lebens führt.