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Pax Christi Amstetten startet Schulprojekt "Wirtschaft für den Menschen"

Ein gemeinsames Projekt "gegen politisches und wirtschaftspolitisches Desinteresse" hat die Pax-Christi-Gruppe Amstetten mit den Mittleren und Höheren Schulen in der Stadt Amstetten gestartet. Am Donnerstag, den 20. Jänner, wurde das Projekt gemeinsam mit der Eröffnung der Ausstellung über die Geldwirtschaft "Segen und Fluch des Geldes" im Foyer der Höheren Bundeslehranstalt für Wirtschaftliche Berufein Amstetten vorgestellt. Neben Lehrpersonen und Schülerinnen wie Schüler nahmen auch Vertreter der Stadt und der Wirtschaft sowie der Wirtschafts- und Arbeiterkammer der Stadt und des Diözesanschulamtes St. Pölten teil.


Wissen und Verantwortung der Schüler stärken


Der Direktor der Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe, Mag. Richard Schmid, hob die schon seit einigen Jahren bestehende Zusammenarbeit der Schulen mit der örtlichen Pax-Christi-Gruppe hervor, mit der in den vergangenen Jahren bereits einige Projekte durchgeführt wurden. Es gehe bei dieser fächer- und schulübergreifenden Zusammenarbeit darum, die ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung den Schülern bewusst zu machen, sagte er. In diesem Projekt soll ein gemeinsames Modell für ein soziales, ökonomisches und ökologisches System für langfristige Erfolge in unserer vernetzten Welt angedacht und diskutiert werden. Auch Fair-Trade-Aktionen sollen in Zusammenarbeit mit der Pax-Christi-Gruppe in der Schule durchgeführt werden.


"Tragischer als an der letzten Stelle der Pisa-Studie"


"Ideengeber" und Initiator, der Betriebsseelsorger und geistliche Assistent der Pax-Christi-Gruppe, Kaplan Franz Sieder, sieht die Herausforderung für dieses Projekt im "gewaltigen politischen und wirtschaftlichen Analphabetismus" gelegen, der heute unter den Jugendlichen festzustellen sei. Bei den 15- bis 18-jährigen Schülerinnen und Schülern seien "90 Prozent politische Analphabeten", diagnostiziert er. Selbst Maturanten hätten kaum ein tieferes Wissen um politische und wirtschaftliche Vorkommnisse und deren Hintergründe, bedauert der Betriebsseelsorger.
Sieder wörtlich: "Wenn tatsächlich in den höheren Schulen Österreichs 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler politische und wirtschaftliche Analphabeten sind, dann ist das für mich viel tragischer als in der Pisa-Studie an letzter Stelle zu stehen". Es sei nicht Aufgabe einer Höheren Schule "Karriere- und Konsummenschen heranzubilden", sondern kritische Erwachsene, die sich von reinen nur wirtschaftlichen nicht vereinnahmen lassen.


Der Mensch im Mittelpunkt


Gerecht wirtschaften verlange, die Lebensgrundlagen für die Menschen zu schaffen und jedem das zu geben, was ihm aufgrund seiner menschlichen Würde zustehe. Diese Gerechtigkeit zu schaffen müsse "mehr sein als Caritas, Spenden und Almosengeben", betont der Geistliche Assistent der Pax-Christi-Bewegung. Es seien Strukturen zu schaffen, damit jeder das bekomme, was ihm auch zustehe, erklärte Sieder mit Verweis auf die Soziallehre der Kirche. Er unterstrich, dass in allen kirchlichen Dokumenten zwei Aussagen markant im Mittelpunkt stünden: Der Mensch ist der Mittelpunkt allen Wirtschaftens, und: der Mensch muss stets Vorrang vor dem Kapital haben. Dies, so Sieder, sei in der heutigen neoliberalen Wirtschaftsstruktur nicht mehr gewährleistet. "Nicht die Kapitalgeber, sondern die Arbeitnehmer müssten nach katholischer Soziallehre eigentlich die Bestimmenden der Wirtschaft sein".


Von Workshops bis Exkursionen


Mag. Christian Ebner von der Pax-Christi-Gruppe Amstetten erläuterte die Vorhaben an den Schulen. Mit eingebunden sind neben der Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe die Handelsschule und Handelsakademie, die Lehranstalt für Kindergartenpädagogik und die dreijährige Wirtschaftsschule der Schulschwestern sowie das Gymnasium. Vornehmlich die 7. und 8. Schulstufe.
Als "Meilensteine" für das sechsmonatige Projekt sei eine Ausstellung zum Thema Geld als Wanderausstellung für die Schulen gedacht. Geplant sind auch eine Dichterlesung mit Peter Turrini sowie ein Diskussionsabend mit Dr. Leo Gabriel vom Ludwig Boltzmann-Institut in Wien. Für die geplanten Unterrichtseinheiten zum Thema "gerecht wirtschaften" wurde von der Pax-Christi-Gruppe eine Materialsammlung zusammengestellt. Weiters werden Experten von der Umweltberatung und der Wirtschaft die Schulen besuchen, und mit dem Grazer Friedensforscher Prof. Dr. Karl Kumpfmüller ist ein Workshop für Lehrerinnen und Lehrer geplant. Zudem sollen in der Region Exkursionen und Betriebsbesuche mit den Schülerinnen und Schülern durchgeführt werden. Als weiteres konkretes Angebot ist ein Workshop zum Bau von Solarkochern geplant.


Fächerübergreifend lernen


In den kommenden Monaten werden in dieser Weise die Schülerinnen und Schüler in den besagten Schulen von Amstetten in verschiedenen Unterrichtsfächern wie Religion, Deutsch, Geschichte, Wirtschafts- und Sozialkunde, mit den Fragen des gerechten Wirtschaftens konfrontiert. Mit dem Ziel, mehr politisches und wirtschaftspolitisches Interesse zu erzeugen und die Schüler zu kritischem Verhalten anzuregen.
Die begleitende Ausstellung "Segen und Fluch des Geldes" können sie mit selbst gefertigten Schautafeln ergänzen, wurde erklärt. Ein kleiner Wermutstropfen: Die Schülervertreter, Schülerinnen und Schüler wurden bisher in die Planung noch nicht mit einbezogen.


Ausstellung Segen und Fluch des Geldes


In der Ausstellung "Segen und Fluch des Geldes" wird der Entwicklung des Geldes nachgegangen, dem Geldschöpfen und dem Kreditgeldsystem ebenso wie der Zinswirtschaft. Kritisch wird der Zinseszins, die Ursache der zunehmenden Verschuldungen vieler Staaten und dem damit einhergehenden Sozialabbau, gesehen und beurteilt.
Schließlich wird diesen Entwicklungen des Geldwesens die biblische und kirchliche Sicht von Geld und einer gerechteren Verwendung gegenüber gestellt und der Zins angeprangert. Als eines der größten Herausforderungen dieses Jahrhunderts wird die Abkehr vom Wachstum genannt und die Hinwendung zu gewaltfreien Konfliktlösungen und Kreativität.
Als Eckpunkte für ein gerechteres Geldwesen nannte die Initiatorin der Ausstellung, Dr. Marianne Schallhas von der Arbeitsgemeinschaft "Gerecht Wirtschaften" die "Neutralität" des Geldes "ohne Umverteilung von Arm zu Reich und ohne Wachstum aufgrund von Zinseszins", weiters einen "Schutz der Regionen", etwa durch eine Ergänzung der nationalen Währung durch regionale Parallelwährungen und schließlich "internationale Gerechtigkeit" durch die Schaffung einer globalen Referenzwährung für mehr Stabilität und Verminderung der internationalen Ungleichgewichte.