November
Weingarten
Bischof Alois Schwarz im Radio NÖ Interview
 
 

Jugend und Religion in der Postmoderne

Die Jugend von heute ist nicht dem Evangelium entfremdet, sondern eine vom Evangelium fast unberührte Generation, stellte der Budweiser Salesianerpater und Pastoraltheologe Dr. Michal Kaplanek bei der Priesterstudientagung am 21. Februar im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten fest. In seinen Ausführungen über das Verhältnis der Jugend zur Religiosität in der Postmoderne meinte Kaplanek, dass die religiösen und quasireligiösen Bedürfnisse der Jugend nicht als Merkmal eines "postchristlichen Untergangs" anzusehen seien, sondern vielmehr als Zeichen einer "vorchristlichen Suche" nach dem "ganz Anderen". Dies könne auch zu einem Anknüpfungspunkt einer neuen Evangelisierung werden, meint der Pastoraltheologe.


Dies sei ein Phänomen der Postmoderne, die durch eine Pluralität der Weltanschauungen und Lebensstile sowie durch eine weitreichende Relativierung der Vernunft gekennzeichnet sei. Jugendliche beteiligen sich zwar am Kirchenleben, aber nur freiwillig und in dem Maße, wie sie den eigenen Bedürfnissen und Einstellungen entspreche, meint Kaplanek. Für immer mehr, auch für jene, die in der Kirche begeistert mitleben, gehört die Teilnahme an Sonntagsgottesdiensten nicht mehr dazu. "Wir sind auf dem Weg von einer Volkskirche zu einer Entscheidungskirche", weist er hin.
So stelle sich der Einzelne damit eine "persönliche Religion" nach eigenen Vorstellungen und Entwürfen zusammen. Die Religion wie auch das persönliche Sinnkonzept bleiben dabei immer vorläufig und würden sich je nach Situation ändern.


Dennoch stelle Kaplanek bei der Jugend eine implizite Suche nach Transzendenz fest, etwa in den Bereichen Musik, Liebe und Freundschaft. Gerade die Musik so Kaplanek, spreche den Jugendlichen persönlich und spirituell an und helfe ihm, zu sich selbst zu finden. Diese Tendenz sei vor allem auch in der Rockmusik zu erkennen, sagte er. Sie seien ein legitimes Bedürfnis für diese Menschen. Weiters gebe es bei Jugendlichen ebenso eine Suche nach der religiösen Aura, seien es Dome, Kirchen, aber auch Naturwunder, Ruinen und Klöster.


Seitens der Kirche solle man dem mit dem "Respekt der nüchternen Religiosität" gegenübertreten, damit die Suche der Jugendlichen ernst genommen werde. Denn, so der Referent, "sie suchen dasselbe, aber auf andere Art und Weise". Weiters, so Kaplanek, müsse es uns um die Überzeugung von Werten gehen. "Wir können in der Jugendarbeit einiges bewerkstelligen. Aber letztlich bleibt das eigene Zeugnis der einzige Weg". Und als dritte Herausforderung verlangte der Religionspädagoge, dass die Jugendlichen einen sozialen Raum bekommen, damit sie ihr Leben selbst gestalten lernen.