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Josef Pichler nach 15 Jahren Missionseinsatz wieder daheim

"Die Seele braucht Zeit, um sich umzustellen", sagt Mag. Sepp Pichler nach seiner Rückkehr aus Ghana bei einem Pressegespräch am Mittwoch, dem 28. März in St. Pölten. Pichler war 15 Jahre lang als Missionar und Entwicklungshelfer in der Diözese Koforidua in Ghana tätig. Viele seiner Projekte wurden aus der Diözese St. Pölten, vor allem durch die diözesane Fastenaktion, unterstützt. "Ich habe in Ghana in einem Gebiet gelebt und gearbeitet, wo es in vielen kleinen Buschdörfern bis heute keinen elektrischen Strom gibt, keinen einzigen Meter Asphalt und die 100.000 Menschen des Bezirkes keinen einzigen Arzt haben". Es gab nur teilweise "Strom aus Solarbatterien und abends drei Stunden aus dem Generator", erzählte er.
Als vordringliche Aufgabe der St. Pöltner Hilfe für die Partnerdiözese Koforidua wurde der Bildungsbereich gewählt, und zwar der Bau eines Bildungshauses. Dieses wurde großteils aus der diözesanen Fastenaktion finanziert. In diesem Bildungshauses, dem "Pastoral Training Center", werden laufend etwa 600 ehrenamtliche Katechisten und über 200 ehrenamtliche Jugendleiter und Kirchenchorleiter weitergebildet. "Ein Projekt, das ohne Hilfe aus Österreich nicht zu verwirklichen gewesen wäre", sagt Pichler. Zur Finanzierung hat die Fastenaktion St. Pölten in den vergangenen acht Jahren etwa 200.000.- Euro beigetragen. Darüber hinaus wurden drei Kindergärten, eine Volks- und eine Hauptschule gebaut, zwei solarbetriebene Wasserleitungen für zwei entlegene Dörfer, sieben kleine Dorfkapellen für kleine Landgemeinden, ein Rettungsauto angeschafft, aber auch ein Heim für Aidspatienten und Waisenkinder errichtet.

Bereits 33 Projektansuchen eingereicht

Durch die Fastenaktion der Diözese St. Pölten werden insgesamt jährlich über 700.000.- Euro an Spenden aufgebracht, informierte die Leiterin der Fastenaktion, Mag. Michaela Ehrenhauser. Sie wird in der zeit bis Ostern in allen Pfarren der Diözese durchgeführt. Im vergangenen Jahr waren es genau 790.700.- Euro, die für über 40 Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und in der Diözese selbst verwendet wurden. Für das laufende Jahr liegen bis jetzt bereits 33 Projektansuchen in der Gesamthöhe von 433.000 Euro vor.
Die Fastenzeit insgesamt, so Ehrenhauser, soll sinnvoll genutzt werden. Die Spende dürfe nicht als "lästige Christenpflicht" verstanden werden, sondern soll aus "Hunger nach weltweiter Gerechtigkeit" entstehen, jenen zu helfen, die in bitterer Armut leben.
Hinter den Zahlen, dass weltweit 170 Millionen Kinder unterernährt und 100 Millionen nie eine Schule besuchen können, stehen lauter Einzelschicksale, erklärt Ehrenhauser. Die Fastenaktion sei dabei zwar nur "ein kleiner, aber umso wichtiger Tropfen auf den heißen Stein", der für viele Menschen überlebensnotwendig sei. Dazu gehören Brunnenbauten in Afrika, Projekte gegen Kinderarbeit in Indien und Lateinamerika, aber auch di Unterstützung des Fonds Aktion leben in der Diözese selbst.

Private Hilfsorganisationen haben zentrale Bedeutung

Der Geschäftsführer der Koordinierungsstelle für internationale Entwicklung der österreichischen Bischofskonferenz, Ing. Heinz Hödl, wies auf die überaus prekäre Situation in den Entwicklungsländern hin und in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der kirchlichen Organisationen. Die kirchliche Entwicklungszusammenarbeit habe sich die Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse zum Ziel gesetzt, sagte er. Die Armen müssten in die Lage versetzt werden, ihre Lebensbedingungen selbst zu verbessern.
Neben der staatlichen Entwicklungshilfe haben auch die privaten Hilfsorganisationen eine zentrale Bedeutung. Sie seien einerseits die "Interessensvertreter" der Betroffenen im Süden und gleichzeitig die Repräsentanten der Zivilgesellschaft für den Bereich Entwicklungspolitik.
Nur eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den globalen Fragen könne zu einem politisch verantwortlichen Handeln führen, unterstreicht Hödl. Als "wichtigen Meilenstein" bezeichnete er die Erreichung der 0,7-Prozent-Marke des Brutto-Nationaleinkommens in der staatlichen Entwicklungshilfe. Trotz eines Ministerratsbeschlusses vom Vorjahr, bis 2015 diese 0,7 Prozent zu erreichen, seien beim derzeitigen Budgetvoranschlag "keine derartigen Maßnahmen erkennbar", kritisierte er.