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Jahresschlussgottesdienst im Dom St. Pölten (im Wortlaut)

Liebe Brüder und Schwestern! Im Tagesgebet hieß es: "Gott, unser Vater, du Ursprung alles Guten, was wir sind und haben, kommt von dir." Es ist angebracht, dass wir am Ende eines Jahres Gott für alles, was wir empfangen haben, danken.


Vom Blickwinkel der gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Entwicklung war das zu Ende gehende Jahr ein gutes Jahr, das mit dem Jubiläum, das wir gefeiert haben - 60 Jahre 2. Republik und 50 Jahre Staatsvertrag - ganz im Einklang stand. Wir erfreuen uns eines stabilen politischen Friedens, eines beachtlich breit gestreuten Wohlstandes und einer gesunden Wirtschaft. Wir sind in diesem Jahr im Gegensatz zu anderen vor Katastrophen bewahrt worden und konnten jenen, denen diese Katastrophen nicht erspart blieben, helfen, so wie diese uns vor drei Jahren geholfen haben. Diese gegenseitige Hilfeleistung und Solidarität in der Not ist etwas Schönes, Kostbares. Auch das ist ein Grund zu Dankbarkeit an Gott.


In Bezug auf das kirchliche Leben bestehen beim Blick auf das vergangene Jahr meines Erachtens viele Gründe zu Dankbarkeit. Wir alle wurden zu Zeugen bewegender Vorgänge im Zusammenhang mit der Krankheit und dem Sterben Johannes Pauls II. und im Zusammenhang mit dem außerordentlich kurzen Konklave, aus dem Benedikt XVI. als Papst hervorgegangen ist. Das Weltjugendtreffen in Köln war ein weiteres Zeichen der Lebendigkeit der Kirche.


In Bezug auf unsere Diözese darf ich sagen: für mich war es das erste Jahr im Dienste der Diözese St. Pölten. Ich wurde gut aufgenommen und habe viel Positives sehen und erleben dürfen: in den Pfarren - viele Gläubige, Priester und Laien, sind sehr bemüht, in der Jugendarbeit - ich habe diözesane Jugendhäuser besucht und war von der Arbeit, die dort geleistet wird, beeindruckt, im karitativen und sozialen Bereich - ich habe einen Teil der Einrichtungen der Caritas besichtigt und die Vielfalt der in den letzten Jahrzehnten entstandenen Initiativen und Tätigkeiten bewundert. Die Begegnungen mit Religionslehrern und Pastoralassistenten ließen das Engagement vieler von ihnen erkennen. Ich war bei zahlreichen Wallfahrten, die durchwegs gut besucht waren und von einer lebendigen Gebetspraxis im Volke Gottes zeugten. Ich habe in allen großen Stiften Gottesdienste gefeiert und einen gewissen Einblick in das Klosterleben erhalten. Man darf feststellen: in der Diözese St. Pölten ist viel geistliches Leben vorhanden; vieles wird versucht, vieles geschieht und es gibt zahlreiche Gründe, Gott zu danken, auch mit dem Blick auf die Zukunft zuversichtlich zu sein. Denn wir dürfen davon ausgehen, dass die Erde dieses Landes im Laufe der Jahrhunderte intensiv bearbeitet und bepflanzt wurde und auch in unserer Zeit solide Früchte des Christseins hervorbringt.


Freilich, bei allem berechtigten Hervorheben des Positiven dürfen wir uns nicht täuschen: es gibt schon auch Sorgen und Anliegen. Das zu Ende gehende Jahr, das uns zur Schwelle eines neuen führt, legt nahe, uns die Worte Salomos zueigen zu machen, die er in Friedenszeiten vor der ganzen Versammlung des Volkes Israel ausgesprochen hat. Er sagte damals: "Der Herr, unser Gott, sei mit uns, wie er mit unseren Vätern war. Er verlasse uns nicht und verstoße uns nicht. Er lenke unsere Herzen zu sich hin, damit wir auf seinen Wegen gehen und die Gebote, Befehle und Anordnungen befolgen, die er unseren Vätern gegeben hat" (1.Lesung).


In vielen Bereichen des Landes ist die religiöse Praxis einigermaßen konstant, sie ist aber doch auch gefährdet. Manche Menschen haben schon seit langem den Anschluss an das religiöse Leben verloren, bei anderen kommt es - meist bedingt durch mehrere Faktoren - zu einer sich allmählich verstärkenden inneren Entfremdung. Christliche Familien sind vorhanden, aber es müssten sich mehr junge Menschen zur Heirat entschließen. Die Zahl der Kinder ist zu niedrig. Es fehlt an Priesterberufen. Das Priesterseminar wurde eröffnet  - darüber sind wir froh - aber es gibt noch freie Zimmer.


Ein Aufbruch ist erforderlich. Ob er schon im kommenden Jahr gelingen wird oder wenigsten eingeleitet werden kann? Gewisse Umstrukturierungen der Pfarrseelsorge werden unerlässlich sein: dabei wird viel davon abhängen, ob wir die rechten Wege finden, die vor allem in der Katechese und der Sakramentenpastoral positive Entwicklungen ermöglichen, und alles vermeiden, was eine geistige Verarmung auslösen könnte, weil das apostolische Feld zu wenig beackert wird oder gar das spirituelle Grundwasser absinkt.


Der hl. Paulus weist auf etwas hin, worauf es jedenfalls ankommt: "Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott" (2. Lesung). Es besteht kein Zweifel, dass eines sicher nötig und auch möglich ist, weil es vom Einzelnen abhängt und Gott seine Hilfe nicht verweigert: der persönliche Aufbruch. Das ist ein Gebot der Stunde. Als Christ kann nur bestehen, wer konsequent jene Schritte setzt, die für ein christliches Leben Voraussetzung und unbedingt erforderlich sind. Dazu gehören die Pflege des Gebetes, der regelmäßige Gottesdienstbesuch und Sakramentenempfang sowie die nötige Bemühung um ein Leben im Einklang mit Gottes Geboten. Schon das führt zur Ausstrahlung und zur Verbreitung des christlichen Lebens in der Gesellschaft. Es wird aber auch notwendig sein, dass bei den gemeinsamen Bemühungen der Diözese um einen neuerlichen Aufbruch möglichst alle Gläubigen mittun. In Wirklichkeit kann sich ja niemand darauf beschränken, sich selber zu retten. Christus legt jedem, der an Ihn glaubt und Ihm nachfolgt, die Sorge um die anderen und die ganze Kirche ins Herz.


"Euer Herz bleibe ungeteilt beim Herrn", sagte Salomo zu den Seinen. Auch für uns ist es ein gültiges Leitwort. Bitten wir inständig darum und gehen wir so ins neue Jahr. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen Gottes Segen. Möge für uns alle das Neue Jahr ein fruchtbares Jahr sein und möge uns die Fürsprache der Gottesmutter, mit deren Fest wir morgen beginnen, in allem beistehen!