Erntekrone
Weinstöcke mit Trauben
Pilgergruppe im Herbst
 
 

Generalvikar KR Mag. Eduard Gruber

bei „Nahaufnahme“ in Radio Niederösterreich am Sonntag, dem 31. August 2008 Inge Winder:
Sie sind 1952 in Weißenkirchen zu Welt gekommen in einem Weinhauerbetrieb. Was haben Sie da für Erinnerungen an Ihre Kindheit?

Mag. Eduard Gruber:
Eigentlich schöne Erinnerungen. Es war ein behütetes Aufwachsen in der Familie mit einem Bruder. Ich habe die Arbeit im Weingarten meiner Eltern miterlebt und sehr bald auch mitgemacht, das heißt ich musste und durfte bei vielen Dingen mithelfen, die altersgemäß möglich waren. Es war ein Leben in der freien Natur, die ich sehr geschätzt habe. Ich bin heute kein Weinkenner wie mein Kollege Pfarrer Denk, aber ich weiß wie Wein wächst, was Weingärten an Arbeit mit sich bringen und weiß das Produkt zu schätzen - und auch zu genießen.

Winder:
Welche Rolle hat in Ihrer Familie die Religion gespielt?

Mag. Eduard Gruber:
Die Religion hat eine durchschnittliche Rolle gespielt. Meine Mutter war eher eine regelmäßige Kirchgängerin, mein Vater, später auch mein Bruder waren eher gelegentliche Kirchgänger. Ich gerate ein bisschen mehr nach der mütterlichen Seite und war von Klein auf immer und regelmäßig in den Gottesdiensten.

Winder:
Sie waren in Weißenkirchen in der Volksschule

Mag. Eduard Gruber:
Ich war in Weißenkirchen in der Volksschule. Damals gab es noch Teilungsunterricht, also 1. und 2. Klasse und 3. und 4. Klasse gemeinsam. Nach meiner Volksschulzeit habe ich in die Hauptschule nach Spitz gewechselt. Am Ende der Hauptschulzeit gab es so etwas wie eine Berufsberatung. Da hat ein Test zutage gefördert, dass ich technische Begabungen hätte, so war der nächste Schulschritt die technische HTL in Krems.

Winder:
Bevor Sie ins Priesterseminar gekommen sind, waren Sie in der HTL in Krems, Bereich Hochbau. Was war damals Ihr Berufswunsch?

Mag. Eduard Gruber:
Als ich die HTL begonnen habe, hatte ich sicher keinen klaren Berufswunsch. Dann hat sich das Bild einen HTL-Absolventen herauskristallisiert, der in einen Baubetrieb einsteigen wird und dort normale Planung und Aufsichtsarbeit machen wird. Die HTL-Maturanten waren damals noch so gefragt, dass ich noch vor der Matura einige Stellenangebote angeschrieben hatte. Aber es kam eben ganz anders.

Winder:
Warum sind Sie nach der Matura ins Priesterseminar gegangen?

Mag. Eduard Gruber:
Das ist eine Frage, die ich eigentlich bis heute nur sehr schwer und nur sehr rudimentär beantworten kann. Ich habe irgendwann in den letzten beiden Jahren an der HTL begonnen zu spüren, dass es vielleicht noch andere Dinge gibt, die für mich wichtig sein könnten. Impulsgeber war in der Rückschau doch sehr deutlich mein mittlerweile verstorbener Heimatpfarrer GR Anton Burger, der in dieser Zeit gesundheitlich sehr angeschlagen war - wahrscheinlich Spätfolgen von fünf Jahren Polizeihaft und Konzentrationslager in Mauthausen. Er hat viel Hilfe gebraucht. Ich hab’ ihm geholfen so gut ich konnte. Und irgendwann ist die Frage in mir gewachsen: Was ist, wenn er einmal nicht mehr kann? Wer wird seine Stelle ausfüllen? So ist wahrscheinlich auch der Gedanke gewachsen, ob das nicht ein Weg für Eduard Gruber wäre.

Winder:
Sie wurde 1979 zum Priester geweiht. Wo war das?

Mag. Eduard Gruber:
Das war im St. Pöltner Dom von Bischof Dr. Franz Zak. Meine erste Arbeitsstätte nach der Weihe war die Pfarre Ybbs an der Donau. Dort habe ich das sogenannte Pastoraljahr oder Einführungsjahr verbracht. Im Anschluss daran hat mich Bischof Zak gebeten, für ein Jahr in die Pfarre Schrems im Waldviertel zu gehen. Dort hab’ ich einen normalen Kaplansdienst versehen und daneben hatte ich eine – meist volle – Lehrverpflichtung an der Berufsschule und an der Polytechnischen Schule in Schrems. Dann kam der Ruf nach Krems. Dort hoffte ich, wie es in der Diözese so üblich ist, einige Jahre Kaplan sein zu können, um dann irgendwo in der Diözese eine Pfarre zu übernehmen.
Die Hoffnung hat sich so nicht erfüllt. Der damalige Generalvikar Prälat Alois Tampier ließ mich eines Tages im Juni rufen und hat mir mitgeteilt, ich soll nach Rom gehen, um ein weiterführendes Studium zu absolvieren.

Winder:
Sie haben während Ihres Theologiestudiums auch ein Externistenjahr in Israel verbracht und sich dort dem Studium der Bibel gewidmet.

Mag. Eduard Gruber:
Das war für mich eine unerwartete und einmalige Chance. Ich hab’ das Jahr 1975/76 in Jerusalem verbringen dürfen. Es war ein Studienkurs, der vom Deutschen Akademischen Austauschdienst organisiert war und an dem auch einige Österreicher und Schweizer teilnehmen durften. Dieser war schwerpunktmäßig an der Bibel orientiert mit biblischen Fachvorlesungen, mit Archäologie und mit Landeskunde. Es war für mich ein besonderes Gefühl, immer wieder an Orten zu stehen, wo ich weiß, diese Orte im Evangelium genannt sind, etwa am Berg der Seligpreisungen oder Kapharnaum. Orte halten sich über die Geschichte hinweg und die Landschaft bleibt im Grunde trotz mancher Veränderungen die selbe.

Winder:
Sie waren Lehrbeauftragter für Hebräisch. Pflegen Sie diese Sprache heute noch?

Mag. Eduard Gruber:
Ich hab’ einige Jahre Hebräisch an der Philosophisch-Theologischen Hochschule unserer Diözese unterrichtet, habe das dann aufgegeben, als ich nach Krems als Pfarrer übersiedelt bin. Ich versuche mich auf Bibelrunden vorzubereiten, indem ich den hebräischen Text oder den griechischen Text studiere, um mehr Einsichten aus diesen Texten zu gewinnen als aus den Übersetzungen. Gelegentlich gelingt es mir auch, die Sonntagstexte in Originalsprache zu lesen - im Sinne einer möglichst intensiven Predigtvorbereitung.

Winder:
Sie werden als Generalvikar in Zukunft auch Gottesdienste feiern. Ich nehme an im Dom zu St. Pölten.

Mag. Eduard Gruber:
Ich werde in Zukunft – so wie bisher – Gottesdienste feiern. Wo das vor allem sein wird, das ist für mich noch offen. Es wird sicherlich gelegentlich im Dom von St. Pölten sein. Und ich habe mir vorgenommen, viel in der Diözese auszuhelfen. Es gibt viele Mitbrüder die überlastet sind und ich werde, wo ich kann, in die Pfarren hinausgehen und dort Verpflichtungen übernehmen. Mir ist der Gottesdienst am Sonntag wirklich ein Herzensanliegen. Er ist und war für mich immer die Mitte, aus der ich versucht habe zu leben und auch Kraft zu schöpfen.

Winder:
Wie wird man Generalvikar?

Mag. Eduard Gruber:
Man wird ernannt. Der Bischof ist mit dem Anliegen an mich herangetreten. Es war für mich völlig überraschend, wie aus heiterem Himmel. Ich habe mit so etwas nicht gerechnet und schon gar nicht geplant. Wir haben ein längeres Gespräch geführt, in dem ich gebeten habe, mir eine Woche Bedenkzeit zu gewähren.

Winder:
Finden Sie es gut, wenn es in der katholischen Kirche Kontroversen und Diskussionen gibt?

Mag. Eduard Gruber:
Ich denke, es kann gar nicht anders sein, als dass es Kontroversen und Diskussionen gibt. Die Frage ist, in welcher Form diese ausgetragen werden. Ich habe nie öffentlich gegen einen Bischof Partei bezogen. Das passt mit meinem Amtsverständnis nicht zusammen. Ich habe aber mit Bischöfen auch immer offen und kritisch zu reden versucht und meine Meinung vertreten. Ich werde das auch in Zukunft tun.

Winder:
Wie haben Sie Ihren Sommerurlaub verbracht?

Mag. Eduard Gruber:
Heuer war mein Sommerurlaub recht einfach, würde ich sagen. In Anbetracht der bevorstehenden Übersiedlung und der ganzen Umstellungen wolle ich keine großen Reisen unternehmen. Es waren drei Wochen. Die erste Woche habe ich im nordwestlichen Mühlviertel verbracht. Dort bin ich sehr viel im Böhmerwald gewandert, auch auf der tschechischen Seite. Die Grenzübergänge sind ja jetzt Gott sei Dank offen.
Ich lese gerne Stifter. Ich habe mir den Schriftsteller eingesteckt und bin auf seinen Spuren gewandert: Plöckenstein, Plöckensteiner See, Stifter Denkmal, Nordkammweg. Es waren sehr entspannende schöne Tage.

Winder:
Ihre Mutter und Ihre Familie – damals war ja ihr Vater auch noch am Leben – mussten auch einen schweren Verlust verkraften. Ihr Bruder ist früh verstorben, er sollte den Weinhauerbetrieb übernehmen. Haben Sie als Priester besonders Trost spenden können oder sind Sie da auch ein verzweifelter Mensch gewesen?

Mag. Eduard Gruber:
Wir sind als Priester in solchen Situationen genauso verzweifelt wie andere. Man möchte gerne etwas tun, doch man spürt, man kann nichts tun. Verbaler Trost führt in der Regel nicht sehr weit. Wichtig ist, in solchen Situationen da zu sein. Ich habe es auf meine Weise versucht. Ich war damals in St. Pölten im Hippolythaus und bin mit meinen Eltern, so oft es mir möglich war, oft mehrmals in der Woche, nach Wien ins SMZ-Ost gefahren, um meinen Bruder zu besuchen.

Winder:
Wandern ist Ihr Hobby.

Mag. Eduard Gruber:
Wandern, Reisen und Lesen. Meine letzte große Reise war in den vergangenen Semesterferien nach Libyen mit einer Gruppe mit 25 Teilnehmern aus Krems. Da haben wir eine richtige Wüstentour durch die libysche Sahara gemacht, mit Zeltübernachtungen in der Wüste. Es war ein sehr spannendes und tiefgreifendes Erlebnis. Für mich auf jeden Fall und soweit ich gehört habe, auch für alle Reiseteilnehmer.

Winder:
Welches Buch fasziniert Sie am meisten?

Mag. Eduard Gruber:
Als Pfarrer müsste ich sagen, und das stimmt auch, dass mich die Bibel am meisten fasziniert. Aber das gehört für mich so selbstverständlich zum Lebensalltag, dass ich es nicht extra sagen möchte. In letzter Zeit habe ich im Urlaub Adalbert Stifter gelesen, aber auch Gedichte. Mir ist Christine Busta sehr ans Herz gewachsen. Ich lese natürlich alles, was in Zusammenhang mit der Bibel, mit biblischen Forschungen, mit Bibelpraxis steht. Ich lese aber genauso gerne Krimis.

Winder:
Was ist ihr persönlicher Wunsch an die Zukunft?

Mag. Eduard Gruber:
Mein persönlicher Wunsch an die Zukunft ist, dass es mir gelingt, möglichst gut auf andere hinzuhören. Das ist für mich nicht selbstverständlich, denn ich weiß auch um meine Schwächen. Das habe ich mir vorgenommen - und ich will das Gehörte in das Gespräch mit dem Bischof einbringen und mit anderen, die mit mir Verantwortung in der Diözese tragen, damit wir gemeinsam einen Weg finden, der möglichst vielen Menschen in unserer Diözese eine neue Freude am Glauben und in der Kirche ermöglicht.