Winterwald
Bischof Schwarz weiht den Altar der Pfarrkirche Mank
 
 

Die Bedeutung von Schiftlesung und Homilie

In einer Wortmeldung vor der versammelten Welt-Bischofssynode, die derzeit in Rom tagt, hat sich Weihbischof Dr. Anton Leichtfried unter anderem für eine „sorgfältige Auswahl der Personen für den Lektorendienst“ ausgesprochen. Dabei hob er vor allem auch die große Verantwortung und Chancen der Homilie, der Predigt in Form der Schriftauslegung, hervor. Weihbischof Leichtfried bezog sich in seiner Wortmeldung auf die Nummern 27 und 37 des vorbereitenden Dokuments „instrumentum laboris“.
Mit einem eindruckvollen Vergleich unterstrich der St. Pöltner Weihbischof, wie biblische Texte auf manche Hörer oft wirken: „… wie jemand, der in einem Bahnhof steht, und es fahren Schnellzüge durch. So rauschen manchmal die Lesungen aus der Heiligen Schrift an den Ohren und Augen der Gläubigen vorbei“, schildert er die Erfahrung so mancher Hörerinnen und Hörer in der Kirche. Als Konsequenz sollten einerseits die Personen für den Lektorendienst sorgfältig ausgewählt, andererseits die Texte der Schrift sorgfältig vorbereitet werden, betonte er.

Anliegen von Weihbischof Dr. Leichtfried ist es, wie er sagte, den „Tisch des Wortes Gottes“, der dank der liturgischen Reformen heute reich gedeckt sei, zur „Nahrung der Gläubigen“ werden zu lassen.

Als „erfreulich“ bezeichnete der Weihbischof die heute weithin üblich gewordene Homilie, die Predigt in Form der Schriftauslegung. Dennoch rate er den Gläubigen als „Minimal-Vorschlag“ an, die Texte des Sonntagsevangeliums bereits vorher durchzulesen, auch wenn dies nur eine Minute dauere. Von der folgenden Homilie sollten die Gläubigen „eine Woche leben können“, hob er in seiner Wortmeldung hervor, wies aber auch auf Tendenzen und Gefahren hin, denen die Homilie ausgesetzt sei: manchmal sei sie nur eine Nacherzählung der biblischen Texte, manchmal nur eine Nacherzählung des alltäglichen Lebens ohne das Licht des Evangeliums und manchmal habe sie weder mit dem Evangelium noch mit dem Leben zu tun.
Für die Prediger bedeute dies, sich besonders gut auf die Homilie vorzubereiten, „durch Gebet, durch exegetische und theologische Auseinandersetzung und durch das tägliche Leben aus dem Evangelium“.

Statement von Weihbischof Leichtfried im Wortlaut:

„Ich beziehe mich vor allem auf die Nummern 27 und 37 des Instrumentum laboris.
Mein Anliegen: Wie wird der „Tisch des Wortes Gottes“, der dank der liturgischen Reformen nun viel reicher gedeckt ist, zur Nahrung der Gläubigen?!

1) Die Schriftlesungen in unseren Gottesdiensten
Die Texte aus der Heiligen Schrift klingen für viele Gläubige wie eine Fremdsprache. Gestatten Sie mir einen etwas oberflächlichen Vergleich: Wie wenn jemand in einem Bahnhof steht, und es fahren Schnellzüge durch. So rauschen manchmal die Lesungen aus der Hl. Schrift an den Ohren und Augen der Gläubigen vorbei, ohne dass diese einsteigen und mitfahren! Darum die Frage: Wie ernst nehmen wir die Hl. Schrift? Folgerung: Sorgfältige Auswahl der Personen für den Lektorendienst. Sorgfältige Vorbereitung der Texte der Hl. Schrift.

2) Die Bedeutung der Homilie
Erfreulicherweise ist nun weithin die Homilie üblich geworden, also die Predigt in Form der Schriftauslegung. Allein vom genus literarium her stecken darin aber auch zumindest 3 Tendenzen bzw. Gefahren:
1) Die Homilie bleibt nur eine Nacherzählung der biblischen Texte, eine Wiederholung und Verdoppelung.
2) Die Homilie ist nur eine Nacherzählung des alltäglichen Lebens, eine Wiederholung und Verdoppelung, ohne das Licht des Evangeliums.
3) Die Homilie hat weder mit dem Evangelium noch mit dem Leben zu tun. An sich hilfreiche Anregungen aus Predigtzeitschriften werden 1:1 übernommen. Es fehlt das persönliche Zeugnis.
Die Schriftlesungen der Sonntagsmesse haben eine besondere Bedeutung. Mein Minimal-Vorschlag für die Gläubigen lautet hier: Das Sonntagsevangelium schon vorher durchlesen, und wenn es nur 1 Minute ist.
Folgerung: Die große Verantwortung und Chance der Homilie: Davon sollen die Gläubigen eine Woche leben können! Für das Evangelium Jesu Christi wollen wir die besten Kräfte geben. Dafür wollen wir uns als Prediger gut vorbereiten: durch Gebet, durch exegetische und theologische Auseinandersetzung – und durch das tägliche Leben aus dem Evangelium.“