Entzündung der 2. Kerze am Adventkranz
Krippenschau im Diözesanmuseum
Winterwald
 
 

Christen sollen wieder stärker Akzente setzen

Zu einer Festmatinee "Staat und Kirche im Wandel" hat die Katholische Aktion der Diözese St. Pölten am Nationalfeiertag geladen. Ein Rückblick, aber auch Perspektiven für die Zukunft der Kirche in Österreich und Europa waren der Inhalt dieses Vormittages, der im Dom mit einem Gottesdienst begann. Drei Schritte haben die Arbeit der katholischen Aktion in der Vergangenheit geprägt, sagte der Direktor des Pastoralamtes, Msgr. Wilfried Kreuth: Sehen - Urteilen - Handeln. Sie seien bestimmend auch für die heutige Arbeit. Darüber hinaus habe die Katholische Aktion immer auch zum Gebet eingeladen, zu Gottesdiensten und eine Kultur des Feierns gepflogen. So sei auch diese Matinee an diesem Tag zu verstehen.


Bischof Küng: Gott für alles danken
Es sei richtig, am Nationalfeiertag "Gott zu danken für alles, was wir haben", sagte Bischof DDr. Klaus Küng in der Predigt. Es sei keinesfalls selbstverständlich, dass wir in Freiheit leben, es uns wirtschaftlich gut gehe und in wesentlichen Grundfragen Einigkeit herrsche. Dennoch müsse man sich aber den neuen Herausforderungen der Gegenwart stellen, die sich in den Zeiten des Wohlstands zeigen, wies er hin. Die sinkende Kinderzahl könne für den erlangten Wohlstand zur Bedrohung werden, warnte der Bischof. Die Zahl der verhaltensgestörten Kinder und Jugendlichen steige, zudem gebe es heute eine hohe Scheidungsrate, aber auch die "Fun-Gesellschaft" halte vom Nachdenken und der Aufarbeitung der Probleme ab.
Doch es zeige sich auch eine Gegenbewegung, wies der Bischof hin. Die Öffnung vieler Menschen zu Gott hin zeige sich in den neu aufkommenden Wallfahrten oder bei den großen Jugend- und Familientreffen. Es gebe eine neue Sehnsucht in den Herzen vieler Menschen. Man lebe heute in einer Zeit vieler Möglichkeiten, sagte Bischof Küng. Wer Christ sein will, müsse christlich leben, müsse christliche Akzente setzen und meiden, was nicht christlich sei. Die Bereitschaft zum Einsatz, zum Engagement sei von größter Bedeutung, unterstrich er.
Predigt im Wortlaut


Gemeinsamer Grundkonsens
Europa brauche Christen, die nicht müde werden, sich für ein Leben in Fülle einzusetzen, erklärte die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich, Dr. Luitgard Derschmidt. Der St. Pöltner Bürgermeister Mag. Matthias Stadler unterstrich, dass auch für die Zukunft Österreichs neben allen Gegensätzlichkeiten ein gemeinsamer Grundkonsens notwendig sei. Es komme nicht auf die Begriffe Nächstenliebe oder Solidarität an, sondern dass man danach lebe. Der Präsident des NÖ Landtages, Mag. Edmund Freibauer betonte, dass man Menschen brauche, "die heute wie vor 50 Jahren an die Zukunft Österreichs und Europas glauben und aus diesem christlichen Glauben heraus die Zukunft gestalten".


Christen müssen Antworten auf die Frage der Werte geben
Einen breiten Überblick über die Entwicklung vom "Tag der Fahne" bis zum Nationalfeiertag und den heutigen Herausforderungen Österreichs für Europa gab der Sonderkoordinator des Stabilitätspaktes für Südosteuropa und ehemalige Vizekanzler Dr. Erhard Busek in seinem Festvortrag. Die Situation Österreichs habe sich seit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 gewaltig geändert, was aber viele, so Busek, noch nicht realisiert hätten. Immer noch werden die neuen EU-Länder dem "Osten" zugezählt. Die Bevölkerung müsse sich neu besinnen, in welcher Nachbarschaft wir heute in Österreich leben und welche Verpflichtungen und Verantwortung wir dabei übernommen haben.
Für die Kirche stelle sich heute die Frage, welchen Beitrag sie zu dem neuen Europa leisten könne. Sie soll dabei nicht die Frage nach den Werten aufwerfen, sondern müsse vielmehr diese in aller Öffentlichkeit beantworten, verlangte Busek. Dies betreffe als ganz große Herausforderung die Fragen des Lebens und der Würde des Lebens. Und der Christ müsse auch die Hoffnung auf Zukunft vermitteln.