Bischof Schwarz weiht den Altar der Pfarrkirche Mank
Heiliger Nikolaus
Adventkranz
 
 

Berührender Bedenk-Abend im ehemaligen KZ Melk

Betetene Stille in den Räumen der Gedenkstätte des ehemaligen KZ in Melk. Die Gäste und Besucher lesen betroffen die Berichte auf den Schautafeln an den weiß getünchten Wänden. Der steinerne Seziertisch wie auch der Ofen des Krematoriums sind geschmückt mit Blumen und brennenden Kerzen. Die Bilder und Berichte an den Wänden erinnern an die Zeit vor 63 Jahren, als hier in einem einzigen Jahr 4.800 Menschen zu Tode kamen. Zu einem Bedenk-Abend hatte die Katholische Aktion der Diözese St. Pölten in die Gedenkstätte am Areal des ehemaligen KZ-Außenlagers von Mauthausen in Melk geladen. Zahlreiche Gäste aus Kirche und Politik waren erschienen, unter ihnen Bischof DDr. Klaus Küng. Generalvikar Prälat Leopold Schagerl, die Äbte Dr. Burkhard Ellegast und Mag. Georg Wilfinger, Landtagsabgeordneter Karl Moser, Bezirkshauptfrau Dr. Elfriede Mayerhofer und Bürgermeister Thomas Widrich.
"Es tut gut zu wissen, dass es Leute gibt, die sich für unseren Leidensweg interessieren, wo es doch andere gibt, die Konzentrationslager überhaupt leugnen", kündet eine Wandtafel, die vom ehemaligen französischen Häftling Yves Briant 1985 unterzeichnet ist.

Zeichen und Mahnmal

In seinen Eingangsworten erinnerte der Präsident der Katholischen Aktion, Roman Fröhlch an die Propagandamaschinerie vor 70 Jahren, der damals die meisten Menschen erlegen sind und meinte, dass viele auch heute wieder beginnen, mit Menschenleben, etwa in der Stammzellenforschung, leichtfertig zu experimentieren. Er rief auf, "gemeinsam darüber nachzudenken", wieweit auch heute Überheblichkeit, Vorurteile, Egoismen und Intoleranz zu Spannungen führen und ein friedvolles Zusammenleben erschweren.
Als "Zeichen und Mahnmal", vor allem für die Jugend bezeichnete der Abgeordnete zum NÖ Landtag, Karl Moser diese Gedenkstätte. Gegenseitige Wertschätzung der Menschen hänge vor allem davon ab, wie man selbst anderen Menschen begegne, betonte er.

Bedrückende Zeugnisse

Zwischen den einzelnen Worten spielte die Gruppe Wanderer unter Hans Breuer nachdenkliche elegische "jiddische Lieder", die in verschiedenen Ghettos entstanden sind, bedrückende Zeugnisse, die Leid und Tränen, aber auch Sehnsucht und Hoffnung der Juden damals ausdrückten. Einige der Autoren waren noch Kinder, kaum 13 Jahre alt.
Alexander Hauer von der Initiative Melk MERKwürdig gab einen Einblick in die Geschichte des Lagers, das 1944 errichtet wurde und für billige Arbeitskräfte für die Rüstungsindustrie sorgte - unter dem nahe gelegenen Wachtberg sollte eine riesige Fabrik für Flugzeugersatzteile entstehen. Vor 25 Jahren war dieses Lager weithin noch unbekannt, sagte Hauer. Bis zu 14.000 Menschen aus 30 Nationen fasste das Lager; etwa 4.800 kamen durch Entbehrungen und Krankheit um, viele wurden brutal ermordet. Überlebende starben noch in den letzten Kriegstagen auf oder nach dem Transport in die Lager Mauthausen und Ebensee.
Im Anschluss an die Ausführungen legten Vertreter der Katholischen Aktion einen Kranz und alle Anwesenden weiße Nelken zum Gedenken an die Opfer vor dem Ofen des Krematoriums nieder.

Suche nach jüdischer Identität

"Ich bin Christin, verleugne aber meine Herkunft nicht. Ich versuche das Gemeinsame zu erarbeiten und das Trennende zu respektieren". So Mag. Ruth Steiner, ehemalige Generalsekretärin der Katholischen Aktion Österreichs und Hauptreferentin des Gedenkabends. Sie ist in Manila von jüdischen Eltern geboren, die aus Österreich vor dem NS-Regime geflohen sind. Mit 18 Jahren konvertierte Steiner zum katholischen Glauben und ließ sich taufen.
In bewegenden Worten erzählte sie über ihre Suche nach ihrer jüdischen Identität und unterstrich ihre Übererzeugung, dass Juden und Christen ihren je eigenen Weg zu Gott haben und eine Missionierung der Juden nicht richtig sei. Christen und Juden hätten gemeinsame Wurzeln, sagte sie: "Wie Jesus zu glauben ist jüdisch - und an Jesus glauben ist christlich".
"Für mich gibt es keine kollektive Schuld", sagte Steiner in Hinblick auf die Bewältigung der Vergangenheit. Wohl aber gebe es eine kollektive Verantwortung und vor allem ein kollektives Gedächtnis. Die Nachkommen müssen sagen können: "Nie wieder".
Zu ihrer Identität meinte Ruth Steiner: "Ich begann zu verstehen, dass man über eine Religion nur dann sprechen kann, wenn man den Gottesdienst miterlebt". Und so nimmt sie, wenn es ihr möglich ist, an Freitagen als Gast am Schabbat-Gottesdienst in der Synagoge und am Sonntag bei der Messe in der katholischen Kirche teil.

Den Weg der Liebe gehen

Beim abschließenden Gottesdienst, der vom Jugendchor Mank unter Leitung von Gertrude Sieder musikalisch untermalt wurde, meinte H. Mauritius: es gehe in der Bedenkfeier nicht um ein historisches Interesse, sondern um Wachsamkeit, aus der Geschichte zu lernen.
Auch Bischof DDr. Klaus Küng unterstrich, dass Wachsamkeit bei jedem einzelnen anfangen müsse und jeder das Verlangen spüren soll, gut zu sein und den Weg der Liebe zu gehen. Es sei notwendig, den Anruf Jesu wahrzunehmen. Christen sollten ihre Stimme gegen jegliches Unrecht erheben, überall wo es geschieht, sagte er.