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Adventmarkt
 
 

Begräbnis von Prälat Dr. Gerhard Fahrnberger

Lieber Weihbischof Anton, lieber Herr Generalvikar, liebe Mitglieder des Domkapitels, liebe Mitbrüder im Priester- und Diakonenamt, liebe Brüder und Schwestern!

Beim Nachdenken über den Tod unseres lieben Mitbruders Prälat Dr. Gerhard Fahrnberger tut es uns wohl, die Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja zu hören: „An jenem Tag wird der Herr der Heere auf diesem Berg – dem Zion – für alle Völker ein Festmahl geben. Er zerreißt auf diesem Berg die Hülle, die alle Nationen verhüllt, und die Decke, die alle Völker bedeckt. Er beseitigt den Tod für immer. Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht.“ Dann heißt es weiter: „An jenem Tag wird man sagen: Seht, das ist unser Gott, auf ihn hatten wir unsere Hoffnung gesetzt, er wird uns retten. Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat.“

 

Prälat Fahrnberger war ein lieber Priester: intelligent, gewissenhaft und feinfühlend. Man kann von ihm wirklich sagen: Er hat sein ganzes Leben in den Dienst des Herrn, des guten Hirten gestellt. Er hat sein Bestes gegeben.

Wir schulden ihm Dankbarkeit für sein gutes Vorbild und für seinen großen Einsatz. Er hat immer versucht, sich den Herausforderungen der verschiedenen Aufgaben, die ihm anvertraut wurden, mit ganzer Hingabe zu stellen.

Zunächst zeigt sein Lebenslauf die für einen St.Pöltener Diözesanpriester typischen Stationen auf: geboren in Lunz am See besuchte er das Bundesrealgymnasium in Waidhofen an der Ybbs und absolvierte das Theologiestudium an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten. Nach seiner Priesterweihe 1963 im Dom zu St.Pölten durch Bischof Franz Zack wirkte er als Kaplan in Altpölla, Eisgarn, Weitra und Sindelburg. Er war immer pflichtbewusst und pünktlich; es gab keine Verzögerungen und keine Abweichungen.

1965 begann er dann das Studium des kanonischen Rechts in Rom, das er 1969 mit der Promotion zum Doktor beendete. Das hat sein Leben geprägt und war einer der wesentlichen Grundlagen für seinen späteren Wirkungsbereich.

Nach seiner Rückkehr aus Rom war er kurze Zeit Domkurat. 1970 erhielt er einen Lehrauftrag für Kirchenrecht an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten, 1971 wurde er zum Professor für Kirchenrecht ernannt und zum Dozent für Ethik und Religionswissenschaft. Als Hochschullehrer war er sehr geschätzt. Er war belesen, sehr gründlich. Es zeichnete ihn ein solides Wissen aus, er hatte aber auch einen feinen Humor.

1975 übernahm er als Offizial die Leitung des Diözesangerichts. Als Kanonist war er über das Land hinaus anerkannt, hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel publiziert, die in Fachkreisen Beachtung fanden. Es freut mich, dass heute zu seiner Beerdigung auch der Vorsitzende der Offiziale im deutschen Sprachraum, Prälat Wolf aus München und der Offizial des Diözesangerichtes der Erzdiözese Wien, Prälat Pucher, gekommen sind. Auch das zeigt, dass Prälat Fahrnberger unter seinen Kollegen angesehen und geschätzt war.

1987 wurde er in das Domkapitel aufgenommen. Er hat alle Anliegen der Diözese mitgetragen, oft auch mitgelitten. Immer war er loyal dem jeweiligen Bischof gegenüber. Er war ein lieber Mensch.

Viele Jahre war er bei den Englischen Fräulein als Religionslehrer tätig, hatte manche Schwierigkeiten mit den jüngeren Schülerinnen, war aber sehr gut akzeptiert bei den älteren. Er hat auch oft gepredigt, er war vielleicht kein sehr temperamentvoller, aber ein tiefsinniger Prediger, dem man gerne zugehört hat und von dem man etwas mitgenommen hat. Mit wachem Interesse verfolgte er die Entwicklungen in der Kirche nach dem Konzil und war jemand, dem das Sentire cum Ecclesia zum zentralen Lebensinhalt gehörte.

In den Jahren voller Schaffenskraft war er – so wird es von allen bezeugt, die ihn gut kannten – ein fröhlicher Mensch, der gerne wanderte, auch ein gutes Gläschen Wein nicht verachtete. Erst in den letzten Jahren sind ihm seine Gewissenhaftigkeit zur Schwierigkeit und seine Feinfühligkeit zum Kreuz geworden. Die psychische Belastung durch die Arbeit und die schweren physische Krankheiten haben ihm sehr zu schaffen gemacht und schwere Leiden verursacht. Die plötzliche Verschlechterung seines Gesundheitszustandes in der Mitte des Sommers war dennoch für uns alle überraschend. Für uns ist es traurig, dass wir ihn verloren haben, für ihn war es eine Erlösung, Gott hat ihn befreit, auf den Berg geführt; Er war ein guter, treuer Priester, er darf jetzt – davon dürfen wir überzeugt sein – am Festmahl des Herrn teilnehmen. Wir wollen Gott für sein Priesterleben danken und für ihn beten.

Danken möchte ich an dieser Stelle auch seiner lieben Haushälterin Leopoldine. In den allerletzten Jahren war es für sie wegen seiner psychischen und physischen Befindlichkeit sicher auch nicht immer ganz einfach, aber sie hat ihn bis zum Schluss treu begleitet. Danken möchte ich auch der Sr. Katharina, die die letzte Nacht an seiner Seite durchwacht hat.

Möge ihn nun Maria zu Jesus führen und durch Jesus zum Vater, damit er für alles Gute, das er auf Erden gewirkt hat, mit göttlichen Lohn beschenkt und ihm das ewige Leben zuteil wird.