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"Arbeitskräfte haben wir gerufen - Menschen sind gekommen"

40 Jahre Gastarbeiter in St. Pölten - Fest der Begegnung am 19. Juni am Rathausplatz St. Pölten und im cinema paradiso. Durch eine Ausstellung und ein Filmprojekt der Fachhochschule Medien: "40 Jahre Gastarbeiter", wird das Thema "Gastarbeiter" zur Diskussion gestellt. Initiator ist die Betriebsseelsorge St. Pölten. Zum Programm:
Ab 14 Uhr: Musikprogramm, Kulinarisches und Informatives am Rathausplatz
17.30 Uhr: Film "40-Jahre Gastarbeiter in St. Pölten", anschließend Diskussion mit Fachleuten (Mag. Beier - Ausländerkoordinator des Landes, Mag. Aigner - AMS NÖ, Stadtrat Gamsjäger u.a.) und Migrantenvertretern
19.30 Uhr: Film "Nachtreise" (NÖ Premiere), anschließend Gespräch mit Regisseur Kenan Kilic
21.30 Uhr: Konzert von Halil Gürsu & Vienna Orient Project im Beislkino.


Durch die wirtschaftliche Hochkonjunktur nach dem 2. Weltkrieg kam es in Österreich Anfang der 60-er Jahre zu einem Mangel an Arbeitskräften in der Industrie und im Baugewerbe. Das Wirtschaftsministerium schloss daher 1964 mit der Türkei und 1966 mit Jugoslawien Anwerbeabkommen für "Gastarbeiter" für die österreichische Industrie ab. Anwerbestellen der Wirtschaftskammer in Istanbul und Belgrad sollten geeignete, gesunde und starke junge Männer für die schwere Arbeit in Schichtbetrieben und im Baugewerbe aussuchen - ab1970 kamen Tunesier dazu. Dazu entsandten auch Firmen Personalchefs und Arbeitsmediziner in die Türkei zur Auswahl der gesuchten Arbeiter.
1964 kamen die ersten "Fremdarbeiter" (später "Gastarbeiter") in die Firmen Glanzstoff, Grundmann und Wanko. Zu Weihnachten 1971 waren es nach Angaben der Glanzstoff - Werkszeitung "Reyon Post" bereits "334 Gastarbeiter aus der Türkei und Tunesien", die in der Glanzstoff arbeiteten. Diese Zahl wuchs noch bis in die 80-er Jahre an.
In anderen Betrieben, vor allem in der Baubranche waren zahlreiche "Gastarbeiter" aus Jugoslawien beschäftigt. Die fast ausschließlich männlichen "Gastarbeiter" erhielten jeweils eine Arbeitserlaubnis vom Arbeitsamt für maximal ein Jahr für die ansuchende Firma, ein Familienzuzug war nicht vorgesehen. Noch in der Werkszeitung der Fa.Glanzstoff von Weihnachten 1971 steht geschrieben: "Die in unserem Unternehmen tätigen Gastarbeiter werden früher oder später in ihre Heimat zurückkehren. Ihre Einstellung zu Österreich wird weitgehend davon geprägt sein, wie wir als Österreicher uns heute ihnen gegenüber verhalten".
Die "Gastarbeiter" waren zunächst in Holzbaracken untergebracht und in einigen Privatquartieren, die von den Firmen angemietet wurden. Die Platznot war groß und es gab auch Probleme mit den Kochmöglichkeiten. Die Firma Glanzstoff baute zwischen 1969 und 1971 vier gemauerte Baracken für die "Gastarbeiter" in der Bachgasse, es wurde auch ein Gebetsraum zur Verfügung gestellt und mit Gratisdeutschkursen begonnen. Ab den 70-er Jahren kamen dann viele Familien nach und aus den "Gästen" wurden oft ungeliebte "Ausländer", die in unmenschlichen Wohnungen isoliert wohnten. Es gab kaum Integrationsmaßnahmen. Viele kamen einfach als Touristen aus anderen osteuropäischen Ländern und legalisierten ihren Aufenthalt später.
Erst mit der steigenden Arbeitslosigkeit Ende der 80-er wurde die Zuwanderung ein öffentliches Problem. Die mangelnden Bildungschancen der Kinder und Enkel der Gastarbeiter schuf u. a. das Problem der hohen Jugendarbeitslosigkeit bei "Gastarbeiterkindern". Obwohl viele MigrantInnen schon 30 bis 40 Jahre hier leben und die Staatsbürgerschaft haben, werden sie noch immer oft als "Ausländer" behandelt und diskriminiert.
"Gott liebt alle Menschen, ganz gleich, zu welchem Volk sie gehören" Apg 10, 35