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Ansprache von Superintendent Paul Weiland - EU-Familienkonferenz 2006

1. Februar 2006, Deutschordenskirche, Wien Die Ansprache von Superintendent Mag. Paul Weiland im Wortlaut: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!


Liebe Schwestern und Brüder!


Das Zusammenleben von Menschen in Partnerschaft, Ehe und Familie wird durch äußere Bedingungen erleichtert oder erschwert. Dabei geht es darum, Menschen die positive Gestaltung ihrer Beziehungen innerhalb der Familie und der Generationen zu ermöglichen, sie in Krisen zu unterstützen und soziale Rahmenbedingungen zu schaffen, die ihnen bei der Umsetzung ihrer Verantwortung und Lebensoptionen entgegenkommen.


Die Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass Menschen behütet aufwachsen und sorgsam herangebildet werden. Kinder und Erwachsene brauchen die Familie als Ort verlässlicher Beziehungen, als Lern- und Übungsfelder für soziales Verhalten, wo Hilfsbereitschaft erfahren wird und unbedingtes Füreinander-Dasein sich bewährt.


Christen haben neben diesen allgemein gültigen Erfahrungen auch eine göttliche Begründung für den Einsatz für die Familie.


Das Wort Gottes aus dem 1. Buch Mose gibt sie. Der Schöpfungsbericht stellt die Frage nach dem, mit dem jeder von uns zu tun hat, was jeder von uns meíst als selbstverständlich hinnimmt. Er stellt die Frage nach dem Leben und dem Zusammenleben.


Und das nicht in einer historischen, wissenschaftlich erklärenden, abgeschlossenen Art, sondern als eine sehr persönliche, die Existenz eines jeden Menschen betreffende und berührende Erfahrung. Die Schöpfung ist nicht abgeschlossen, sie geschieht jeden Augenblick neu, zum Beispiel in jedem Kind, das geboren wird und zu dem Gott ja sagt.


Der Beginn und der Abschluss des Predigttextes stecken den Rahmen ab. "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde." Und dann heißt es: "Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut."


Dazwischen leben wir. Sie und ich, die Menschen. Natürlich auch die Tiere, die Blumen, die Pflanzen und die Bäume, die ganze Umwelt. Und nicht immer ist es gut, wie wir leben und was wir machen.


Aber der Mensch ist in diese Welt hinein gegeben in einer hervorgehobenen Weise. Geschaffen als Abbild Gottes, als Bild von Gott, als Foto Gottes. Wer den Menschen sieht, der sieht auch Gott. Und dieser Mensch in seiner Gesamtheit hat ein Mandat: die Herrschaft über alles, was auf der Erde ist, und die Fortsetzung der von Gott angelegten Schöpfung.


Das ist die besondere Verantwortung der Menschheit: Herrschen. Herrschen, das heißt nicht: tun können, was man will. Herrschen, das heißt: Verantwortung wahrnehmen.


Was damit gemeint ist, kommt in einer Geschichte mit dem jüdischen Gelehrten Hillel gut zum Ausdruck. Als ihn seine Schüler einmal fragten, wo er denn hinginge, antwortete er: "Ein Gebot erfüllen - zu baden im Badehause." Die Schüler verstanden nicht so Recht, was das Baden mit einer Gebotserfüllung zu tun haben sollte. Darauf sagte er: "Wenn schon alle Denkmäler und Kaiserbilder regelmäßig gereinigt werden, um wie viel mehr ich, der ich Ebenbild Gottes bin."


Wir setzten Phantasie und Energie ein, um wirtschaftliche Entwicklungen zu fördern, und sollen das auch tun, aber um wie viel mehr muss der Mensch als Mann und Frau und seine Möglichkeit der Entfaltung im Auge behalten und gefördert werden.


Damit das, was Gott ursprünglich geschaffen hat und immer wieder neu schafft, auch dazu dient, wozu er es geschaffen hat. Und das ist, Verantwortung wahrzunehmen in der Welt, Leben schaffen, erhalten und fördern.


Von daher können wir einen neuen Blick gewinnen auf unser Leben, und auch auf unsere politischen Entscheidungen. Etwa bei den Fragen, dass wir am Bild Gottes manipulieren, wenn wir entscheiden wollen, welches Leben geboren werden darf. Oder wenn wir uns ohne ethische Grundsätze der Gentechnologie verschreiben. Oder wenn wir selbst das Ende unseres Lebens bestimmen wollen.


Amen.