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Zulehner: Pfarren und Christen sollen auskunftsfähig über Religion sein

Prof. Paul Zulehner referierte in St. Georgen/Ybbsfelde

St. Georgen/Ybbsfelde, 20.03.2018 (dsp) Die Pastoralen Dienste der Diözese St. Pölten und das Katholische Bildungswerk luden den bekannten Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner dazu ein, über die Zukunft der Pfarren zu referieren. Im vollen Georgi-Saal in St. Georgen/Ybbsfelde (Bezirk Amstetten) forderte er die Pfarren dazu auf, gastfreundlich zu sein und Menschen einzuladen, ein Stück weit das Evangelium mitzugehen, auch wenn es nicht immer hundertprozentige Katholik/innen seien.

Er sei gegen ein „Alles oder Nichts“. Menschen seien heute unendlich bunt. Heute stehe alles unter dem Zeichen der Freiheit: „Eine freie Kirche in einem freien Staat.“ Wer heute in die Kirche gehe, tue das freiwillig.

Christen müssten Liebende sein, dann seien sie in der Spur Gottes. Er empfahl Pfarren zu überlegen, was das Christstein ausmache, und man solle das auch kommunizieren können: „Wir sollten als Christen, Pfarrgemeinderäte und Pfarren auskunftsfähig sein und auf einem Bein stehend sagen können, was uns ausmacht.“ Ziel solle es sein, jedes Jahr ein paar neue Christen dazuzugewinnen. Weiters erklärte er, dass sich die Pfarren viel zu viel mit Strukturyen beschäftigen, sie sollten sich wieder verstärkt an den Inhalten ausrichten.

Zulehner verwehrte sich vehement dagegen, dass der Islam schuld an der mangelnden Kraft der Kirche derzeit sei. Wer mache die Religion kaputt? „Erstens: Wir, die sie nicht leben und zweitens: andere zerstörerische Kräfte.“ Zulehner nahm die berühmte Stellungnahme der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel auf: Was hindert uns daran, Christinnen und Christen zu sein und in die Kirche zu gehen? Niemand! Wir hätten allzu oft Angst vor der eigenen Schwäche. Zum Islam meinte er, dass der Islam auch nicht stärker als andere Religionen sei und Muslime – wenn sie nach Europa kommen - würden sich rasch säkularisieren.

"Angst führt zu Gewalt"

Der emeritierte Theologe versuchte Ängste vor Migration zu nehmen. Eine der Ursachen sei, dass die westliche Welt Waffen in die Krisenländer schicken würden, was Konflikte anheize und zu Flucht führe. Zulehner glaubt, dass in Zukunft Armut und ökologische Katastrophen weitere große Flüchtlingswellen mit sich brächten. Er sei stolz auf „seine Kirchen“ und die Pfarren, dass sie sich so um die Flüchtlinge und deren Integration in den letzten Jahre gekümmert hätten. Diese seien – wie angesprochen – keine Wirtschaftsmigranten wie etliche Prominente, die aus Steuergründen in andere Länder ziehen, sondern um ihr Überleben geflohen. In Europa ortet er viel zu viel Ängste, wogegen andere Weltregionen wie China voll Hoffnung und Zuversicht auf die Zukunft wären. Auch Jesus habe Angst gehabt, das zeige die Passionserzählung. Aber er wusste sich rückgebunden auf Gott und konnte dadurch lieben, hoffen und glauben. Der Theologe: „Experten sagen, dass Angst böse macht, sie führt die Einzelnen zu Gewalt, Lüge und Gier, und politisch führe es zu Korruption, Krieg und Terror.“

Scharf kritisierte Zulehner jene, die eine Politik der Angst machen und zum Beispiel Flüchtlingshelfer bewusst als „Gutmenschen“ schlechtreden. Vielmehr empfehle er jene Politik, die Vertrauen schafft. Feste und Begegnungen seien der beste Weg um Ängste und Vorurteile abzubauen. Er wisse aus der Vergangenheit: Wenn Flüchtlingskritiker mit Flüchtlingskindern gemeinsam kochen oder feiern, würden auch bei Hartgesonnenen schnell Vorurteile abgebaut.
Als Christen hätten wir ein Grundgeschenk bekommen: Gottvertrauen. Das sei der Königsweg.

Auch die Regionalbegleitung Mostviertel West war Mitveranstalter. Dabei waren ua. Johann Wimmer, Direktor der Pastoralen Dienste, Pfarrer P. Lorenz Pfaffenhuber, Peter Haslwanter, Bereich Pfarre sowie zahlreiche Pfarrgemeinderäte und pfarrlich Interessierte.