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Was wir zu Fronleichnam feiern

Fronleichnam, Pfarre Traismauer

St. Pölten, 29.05.2018 (dsp) Blumenduft und Weihrauch, Fahnen und Festornate, Blasmusik und Glockengeläut, ein tragbarer Himmel, gemeinsame Gebete und Gang zu Altären: Fronleichnam spricht alle Sinne an und galt früher bei Katholiken als "größtes Fest des Kirchenjahres". Das vor 750 Jahren eingeführte "Hochfest des Leibes und Blutes Christi" hat als öffentliches Glaubenszeugnis angesichts von rund zwei Millionen Teilnehmern alleine in Österreich nichts an Aktualität verloren: "Es scheint es eine neue Lust an Ritualen und Gemeinschaftserlebnissen zu geben, wie auch weltliche Paraden zeigen", so die Ethnologin Helga Maria Wolf.

Ungewöhnlicher Ursprung

Noch über 100 Jahre weiter - ins Jahr 1246 - datiert der Ursprung des Festes zurück, der kirchengeschichtlich äußerst ungewöhnlich war und vor allem auf die Frömmigkeit und Hartnäckigkeit seiner Beteiligten zurückgeht. Die zentrale Figur war eine Ordensfrau namens Juliana in der belgischen Region Lüttich. Die etwa 1193 Geborene war schon mit fünf Jahren als Vollwaise in die Obhut einer Ordensfrau des Wirtschaftshofes auf dem Mont Cornillon gekommen und fiel laut ihren Biografen besonders auf durch Wissensdrang und die Anziehung, die der Tabernakel mit der geweihten Hostie auf sie ausübte.
Zum zentralen Ereignis von Julianas Lebens wurde eine Vision im Jahr 1209, die sich in der Folgezeit mehrfach wiederholte. Ins Gebet versunken, sah die damals 16-Jährige eine glänzende Mondscheibe mit einer dunklen Stelle. Nach langem Rätseln und Gesprächen mit Theologen deutete die heute Heiliggesprochene die Erscheinung schließlich als eine Weisung Christi: Der Mond stehe für das Kirchenjahr, der Fleck für das Fehlen eines besonderen Festes zur Verehrung der Eucharistie.

Erstes Fest per Papstdekret

Dieser Gedanke entsprach durchaus dem Zeitgeist des Mittelalters, legt Wolf dar, diskutierten die damaligen Theologen doch heftig über die Wesenswandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi bei der Konsekration im Hochgebet, die sogenannte "Transsubstantiation". Die Gläubigen gingen in dieser Epoche nur selten zur Kommunion, Schaufrömmigkeit war umso wichtiger - "wie etwa beim liturgischen Brauch, dass der Priester bei der Wandlung die Hostie emporhebt", so die Forscherin.
 
Mit ihrer Vision, die Juliana Jahrzehnte für sich behielt und erst nach 1230 - mittlerweile bereits Oberin ihres Klosters - anderen mitteilte, handelte sich die Ordensfrau viel Spott und Widerspruch ein. Aus ihrem Konvent vertrieben, begann sie mit einigen Getreuen ein Wanderleben zwischen mehreren Klöstern und lebte ab 1248 als Reklusin in Fosses, wo sie zehn Jahre später verstarb. Noch zu ihren Lebzeiten im Jahr 1246 führte Bischof Robert von Lüttich das Fronleichnamsfest in seiner Diözese ein.

Im Jahr 1264, sechs Jahre nach Julianas Tod, erhob es Papst Urban IV. - bis 1251 Erzdiakon in Lüttich, Beichtvater und einer der wenigen Vertrauten Julianas - zum allgemeinen Kirchenfest. "Damit ist Fronleichnam das erste von einem Papst allgemein dekretierte Fest", unterstrich Wolf. Umgesetzt wurde die Anweisung allerdings zunächst nur in wenigen Diözesen und Orden, starb Urban IV. doch bereits zwei Monate später. Erst das Konzil zu Vienne (Frankreich) 1311/12 sowie die neuerliche Publikation unter Johannes XXII. im Jahr 1317 gaben der Verbreitung Antrieb.

Aufbrechen und auf dem Weg sein

Die bis heute prägenden Prozessionen kamen erst im Lauf der Zeit dazu; sie waren laut Wolf vor allem für die Zünfte ein "wichtiger Termin der Selbstdarstellung". Trotz des Wandels seither haben sich viele Traditionen erhalten, wie etwa die Teilnahme vieler Gruppen zeigt - beim "Wiener Stadtumgang" etwa Abordnungen der Universität, Studenten, Orden, jedoch auch Goldhaubenfrauen als Gäste. "Trachtengruppen sind beim Umgang in ländlichen Gebieten nicht wegzudenken, ebenso die Schützen, die dem Allerheiligsten Salut schießen, oder die blumenstreuenden, in Weiß gekleideten Mädchen", schilderte die Ethnologin. Für Zuschauer besonders attraktiv sind die Seeprozessionen wie etwa im Salzkammergut oder auf Kärntner Seen.

In der NS-Zeit war der Zug der Gläubigen unter dem Banner ihres "Führers" - Jesus Christus - vielerorts ein Akt passiven politischen Widerstands. Heute sei Fronleichnam, so Wolf mit Verweis auf den deutschen Theologen Guido Fuchs, "ein besonders sinnenfälliges Zeichen der Kirche, die mit Christus aufbricht und mit ihm auf dem Weg ist".

Foto: Fronleichnam, Pfarre Traismauer