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Turnovszky gegen "Rekrutieren": "Bin ja kein Kirchenvollstopfer"

Österreichs Jugendbischof und Vertreter bei der kommenden Jugendsynode in Rom, Stephan Turnovszky, hält die Frage "Wie können wir die Jugend wieder in die Kirche bekommen?" für den falschen Ansatz. Er wolle vielmehr vermitteln, "dass ich nicht etwas von den Jugendlichen will, sondern für die Jugendlichen.

Nicht rekrutieren", so der Wiener Weihbischof in einem am Montag veröffentlichten Interview mit religion.ORF.at. Und wörtlich fügte Turnovszky hinzu: "Ich bin ja kein Kirchenvollstopfer, sondern einer mit einer frohen Botschaft." Er wolle das "weiterschenken", was er selbst als beglückend erlebe. "Und ich bin aufgrund meiner Lebensgeschichte und meiner Beobachtungen davon überzeugt, dass glückliches Leben mit Gott zu tun hat."

Stephan Turnovszky, der Referatsbischof für die Kinder- und Jugendpastoral in der Österreichischen Bischofskonferenz, nimmt von 3. bis 28. Oktober als deren Vertreter an der Weltbischofssynode zum Thema "Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung" teil; begleitet wird er dabei von 15 jungen Katholiken aus Österreich. Im Vorfeld dazu wies Turnovszky auf zwei Themen hin, die aus seiner Sicht "ganz zentral" für junge Menschen sind: Zum einen ihr Umgang mit wichtigen Lebensentscheidungen und mögliche Hilfen oder auch Hindernisse dabei, zum anderen "die Balance zwischen der Annahme seiner selbst und Änderung seiner selbst". Diese Balance zwischen dem Annehmen dessen, was nicht zu ändern ist, und dem Einsatz dort, wo dies sehr wohl möglich ist, betrifft laut dem Bischof auch die ganze Welt betreffende Bereiche wie Wirtschaft, Migration oder Umweltschutz.

Turnovszky äußerte die Überzeugung, dass ein Großteil der jungen Menschen trotz der heute üblichen Information "so en passant" via soziale Medien offen sei für soziales Engagement. Die Jugend sei "bereit, Zeit zu schenken, in größerem Ausmaß als der Rest der Bevölkerung - das ist schon sehr beeindruckend". Wobei Jugendliche in manchen Fragen durchaus unterschiedlich denken bzw. sich widersprüchlich verhalten würden, wie Turnovszky anmerkte: Bei Migration und Flucht gebe es wie in der Gesamtgesellschaft ein breites Spektrum an Einstellungen: "Es gibt manche Jugendliche, die sich wirklich sehr stark für Migranten, Flüchtlinge, soziale Gerechtigkeit und Integration engagieren, und die werden zu einem sehr großen Teil von kirchlichen Strukturen unterstützt", etwa von der "Young Caritas" oder den Salesianern Don Boscos, wies der Bischof hin. Er kenne aber auch junge Leute, "ob kirchennah oder nicht - die eher skeptisch gegenüber zu vielen Migranten sind". Meistens würden Jugendliche wie ihre Eltern denken.

Beim Umweltschutz sieht Turnovszky häufig "ein zwiespältiges Verhalten ein- und derselben Person": Die Unterschrift gegen die Abholzung des Regenwalds gehe Hand in Hand mit Bierkonsum aus der Aludose, die dann nicht einmal beim Altmetall entsorgt werde. Oder auch das Tragen von Fair-Trade-Kleidung einerseits und Fast-Food-Restaurants werde nicht als widersprüchlich erlebt.

Zu Sexualität gehört Verbindlichkeit

Zur Sexualität sagte Weihbischof Turnovszky, er wolle das Thema gern "weit halten" und an junge Menschen etwa die Frage richten: "Was erwartest du dir von einer sexuellen Beziehung?" Den allermeisten jungen Menschen sei die Beziehungsebene zu einem geliebten Menschen wichtiger als bloßes Vergnügen, ortete der Bischof hier weniger Differenzen zur Kirche als gemeinhin angenommen wird. Erfüllung im Bereich der Sexualität komme aus einer verbindlich gelebten Beziehung. Angesprochen auf voreheliche Beziehungen betonte Turnovszky: "Schutz vor Ansteckung ist zwar bedeutungsvoll, die Frage der Verbindlichkeit ist noch wichtiger."

Mit dem derzeit allgegenwärtigen Thema Missbrauch, das auch bei der Synode zur Sprache kommen werde, hat der Jugendbischof - wie er sagte - vorrangig in Bezug auf Prävention zu tun. Wenn er in Kontakt zu Opfern komme, rate er ihnen, sich bei der "Ombudsstelle gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch im kirchlichen Bereich" zu melden. Im internationalen Vergleich gebe es in Österreichs katholischer Kirche klare Richtlinien und ein gutes Prozedere. Die Verfahren seien heute im Vergleich zu früher stärker opferschützend, es existierten Regeln in jeder Diözese, wie der Umgang mit Kindern und Jugendlichen zu erfolgen hat, so Turnovszky zu religion.ORF.at. "Wer etwa eine Jungschargruppe leitet, muss vorher eine Schulung machen." Er habe den Eindruck, dass die Verantwortlichen in der Jugendpastoral inzwischen "sehr, sehr hellhörig" sind, und auch die soziale Kontrolle sei durch die Sensibilisierung der Bevölkerung viel stärker geworden. Turnovszky: "Kirche hat Jugendliche zu schützen und zu fördern, nicht auszubeuten."

Was würde er Menschen raten, die sich an die Kirche wenden, weil sie wegen ihrer sexuellen Orientierung Diskriminierung erfahren? Auf diese ORF-Frage sagte der Bischof, er würde sich um "empathisches Zuhören" bemühen und auf die "tiefste Identität eines Menschen" hinweisen: "In erster Linie bist du geliebtes Kind Gottes! Das ist die Mitte des Person-Seins. Dann erst kann man weitergehen zu den anderen Beziehungen, Beziehungen zu den Menschen."

"Einer Männerkirche vorbeugen"

Auf junge Frauen, die mit der kirchenrechtlichen Vorgabe hadern, nicht Priesterin werden zu können, trifft Turnovszky nur selten, das kenne er meistens eher als "akademischen Dialog". Für die Kirche gehe es darum, "einen Weg zu finden, der beides verbindet: auf der einen Seite die diesbezüglichen Lehrentscheidungen der letzten vier Päpste - Papst Franziskus inklusive - zu akzeptieren, und auf der anderen Seite einer Männerkirche vorzubeugen." Der Bischof sprach sich dafür aus, dass Frauen "selbstbewusst Positionen in der Kirche bekleiden, die nicht notwendigerweise an das Weiheamt gebunden sind, aber sehr viel Verantwortung beinhalten". Vorbilder dafür gebe es bereits viele in Österreich - etwa Leiterinnen von Pastoral- und Schulämtern oder  Ordinariatskanzlerinnen.

Wie könnte die derzeit geringe Zahl von Priesterberufungen erhöht werden? Turnovszky dazu im ORF: "Ich möchte nicht Menschen rekrutieren, sondern Menschen einen Weg des glücklichen und erfüllten Lebens zeigen." Jemandem, der sich einen geistlichen Beruf überlegt, empfehle er, "auf die Sehnsucht zu achten, in die Tiefe des Herzens hinein zu spüren". Außerdem rate er jedem zu sozialem Engagement, "um zu prüfen, wie geht es mir, wenn ich für andere Menschen da bin".

Viele junge Menschen hätten heute "übertriebene Angst vor einer Selbstverpflichtung, einer Bindung". Er dagegen habe erlebt: "Selbstverpflichtung macht auch frei, weil ich eine Entscheidung getroffen habe und mich nicht mehr mit ihr plagen muss." Geholfen habe Turnovszky auch sein Engagement im Malteser-Hospitaldienst während der Studentenzeit; bis heute schöpfe er daraus," anderen Menschen Zeit zu schenken, gerade Kranken, Behinderten".

(17.09.2018, KAP)